Torsten May: Sieg der Vernunft - DER SPIEGEL
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Torsten May Sieg der Vernunft

Nach seiner K.o.-Niederlage am vergangenen Wochenende hat Thorsten May Konsequenzen gezogen. Er zieht sich aus dem Seilgeviert zurück und hängt die Handschuhe an den Nagel.
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Köln - Boxprofi Torsten May hat seinen letzten Kampf hinter sich. Fünf Tage nach seiner Niederlage durch technischen K.o. im Fight um die Europameisterschaft gegen den Ukrainer Alexander Gurow gab der 31-Jährige am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Köln seinen Rücktritt aus dem Ring bekannt. Damit zog der verfrüht als Nachfolger von Henry Maske gefeierte Amateur-Weltmeister von 1991 und Olympiasieger von 1992 die Konsequenz aus seiner wenig erfolgreichen Karriere als Berufsboxer.

"Irgendwann ist genug"


"Irgendwann ist genug. Auf Grund meiner Verletzungsanfälligkeit in den letzten Jahren habe ich den Entschluss gefasst, meine Karriere zu beenden", sagte Torsten May, von einer fünf Zentimeter langen Narbe über dem rechten Auge noch gezeichnet. May wirkte bei der Bekanntgabe der Entscheidung gerührt, obwohl sie sich letztlich klar abgezeichnet hatte.

Die Niederlage gegen Alexander Gurow war zwar der letzte, aber nicht entscheidende Tiefschlag für den Sachsen, dessen Entscheidung ein Sieg der Vernunft war. Denn als May 1996 in die Fußstapfen von Maske treten sollte, wurde er im WM-Kampf von Adolpho Washington (USA) am 31. August in Palma de Mallorca und ein Jahr später vom Schweizer Stefan Angehrn am 13. Dezember 1997 regelrecht verprügelt. Von diesen Rückschlägen hatte er sich physisch und vor allem psychisch nie mehr erholen können.

Das Ende zeichnete sich früh ab


"Ich wollte weiter im Profibox-Geschäft bleiben, deshalb habe ich mit Trainer Ulli Wegner und einer Psychologin weiter gearbeitet und noch an eine erfolgreiche Zukunft geglaubt", sagte May. Auch Manager Wilfried Sauerland ließ nichts unversucht, um seinen Zögling mental wieder aufzubauen. Trainerwechsel, Operation an den empfindlichen Augenbrauen, ungefährliche Aufbaugegner. Alles vergebens. Das Ende zeichnet sich damals schon ab.

1999 folgte noch ein trauriges Kapitel für den Rechtsausleger. Am 27. November durfte May zwar gegen den Russen Alexej Iljin die Europameisterschaft feiern, musste jedoch wegen seiner alten Augenbrauenverletzung erneut operiert werden und verlor seinen EM-Gürtel, weil er zur Titelverteidigung nicht rechtzeitig fit wurde.

Problemzone: zu weiche Haut


In Erfurt ging es am Samstag erneut um die Europakrone, doch Mays Verfassung war enttäuschend. In der achten Runde ging er zu Boden und wurde erneut mit stark blutender Augenbraue aus dem Ring genommen. "Mir fehlte zuletzt einfach die Brutalität fürs Boxen. Allerdings bin ich kein Prügelknabe oder Versager. Mein großes Handicap ist die weiche Haut, die nach Schlägen schnell aufplatzt", resümierte er nach seiner dritten Niederlage im 25. Profifight seit dem Debüt am 18. September 1993.

Zuvor hatte der gelernte Mechaniker verkündet, im Fall einer Niederlage seine Laufbahn zu beenden. Nach einer Aussprache mit seinem Vater und Trainer Ulrich May, seinem boxenden Bruder Rüdiger sowie mit seiner Frau Ramona hat May einen Schlussstrich gezogen. Coach Wegner will ihn nun als Assistenztrainer gewinnen. "Das würde ich sehr gerne machen", sagte May, der in der nächsten Woche darüber mit seinem Promoter Wilfried Sauerland ein Gespräch führen wird.