Tour 2008: Der Fuentes-Skandal wird abgehakt - DER SPIEGEL
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Tour 2008 Der Fuentes-Skandal wird abgehakt

Ein angeblicher Fuentes-Kunde im Gelben Trikot? Die Tour 2008 hat wie ihre Vorgängerin mit den Folgen des Blutskandals von Madrid zu kämpfen, seit der vermeintliche Dopingsünder Alejandro Valverde das Gesamtklassement anführt. Jörg Jaksche sieht den Spanier jedoch gar nicht als Problem.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wird die Tour wieder von der Dopingvergangenheit eingeholt? Ein Gesamtführender, Alejandro Valverde, der wohl, wie ich, Kunde des spanischen Mediziners Eufemiano Fuentes war? Bekommen wir nun die Diskussionen, die wir im vergangenen Jahr wegen des Siegers Alberto Contador hatten? Nein, das wäre nicht gut.

Denn der Spanier Valverde ist nicht das Dopingproblem. Er ist lediglich ein Teil davon. Man kann jetzt nicht auf ihn zeigen und "Doping" brüllen. Damit macht man es sich zu leicht.

Es sind ja auch noch andere Fahrer bei dieser Tour dabei, die im Fuentes-Skandal nicht entdeckt worden sind, obwohl sie eigentlich auf die Liste gehören - also wie Valverde nur "inoffiziell" entlarvt worden sind.

Man schiebt nun die Verantwortung für die Dopingproblematik auf Valverde, auf das Individuum, sucht einen Sündenbock. Natürlich, auch wenn es nicht erwiesen ist, gehört er wohl auch auf die Liste der Fuentes-Kunden. Aber die ganze Sache muss differenzierter gesehen werden.

Es sind lediglich 60-80 von den 200 Blutbeuteln, die im Fuentes-Labor gefunden wurden, bestimmten Fahrern zugewiesen worden. Über diese Tatsache wird ja nicht geredet. Darüber, dass noch viel mehr Fahrer involviert sind, die auch hier bei der Tour am Start sind.

Und wenn man sich weiter umschaut, sieht man ja, dass auch Leute wie Bjarne Riis, der Leiter des CSC-Teams, trotz gebeichteter, aber wenig bereuter Dopingvergangenheit weiter bei der Tour dabei sind. Seinem Kollegen Patrick Lefevre vom belgischen Rennstall Quick-Step beispielsweise wird vorgeworfen, jahrzehntelang systematisch Doping betrieben zu haben. Auch er bleibt unbehelligt.

Und so frage ich mich in diesen Tagen, die ich gerade bei der Tour verbringe: Wieso wurden Ivan Basso, Jan Ullrich und Jörg Jaksche geschlachtet? Ich kriege kein Team mehr, weil ich gedopt habe. Und dann sehe ich, wer noch immer fährt. Da denke ich mir schon, mit welchem Recht fahren die und ich nicht?

Aber für meine Vergangenheit bezahle ich jetzt und das ist richtig so. Denn ich habe nicht den moralischen Anspruch, zu sagen, nur weil ich bezahlen muss, sollen dies alle anderen auch tun. Das finde ich unverschämt.

Natürlich müsste die Vergangenheit aufgearbeitet werden. Aber speziell im Fall Fuentes kommen wir ja derzeit nicht weiter – und das wird sich auch nicht ändern. Wie lange sollen wir das Thema Valverde und Doping immer wieder anschneiden?

Es gab eben Leute, die ein gewisses Interesse hatten, dass in dieser Beziehung nichts an die Öffentlichkeit kommt. Und jetzt, da Spanien im Sport so große Erfolge feiert - Fußball-Europameister, Rafael Nadal im Tennis, Valverde bei der Tour - wieso sollte dort jetzt eine Motivation bestehen, die gute Stimmung auch in diesen Sportarten mit Dopingenthüllungen zu zerstören? Da wird nichts mehr passieren, die wollen feiern und sich nicht mit neuen Skandalen herumschlagen.

Deshalb sollte versucht werden, wenigstens in Zukunft eine Chance zum sauberen Sport zu bieten. Als ich vor zehn Jahren in den Profi-Radsport kam, hatte ich keine Wahl und musste mich ins System integrieren, musste dopen, um meinen Platz im Team zu behalten.

Wir müssen ein gesundes Ambiente schaffen, um jungen Fahrern die Möglichkeit zu geben, in diesem Sport auch sauber konkurrenzfähig zu sein. Dazu darf man nicht immer mit den gleichen Leuten zusammenarbeiten, die auch schon vor 30 Jahren im Radsport ihr Geld verdient haben. Es muss mehr Transparenz in das gesamte System, es muss langfristiger gedacht werden.

Wir brauchen einen offenen Dialog der entscheidenden Personen, die sich mehr Gedanken um eine saubere Zukunft machen, als über Bestrafungen zu diskutieren. Momentan ist doch alles immer noch sehr unglaubwürdig.

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