Tour-Antiheld Contador: Designierter Sieger im Sumpf - DER SPIEGEL
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Tour-Antiheld Contador Designierter Sieger im Sumpf

Mit sicherem Abstand auf die letzte Etappe: Der Tour-Sieg ist Alberto Contador wohl nicht mehr zu nehmen. Aber es ist kein Triumph. Noch bevor er gekürt wird, kommen neue Vorwürfe, beginnen Recherchen: Wie tief war der Spanier in das Doping-System des Blutmischers Fuentes verstrickt?
Von Pavo Prskalo
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lance Armstrong wollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Der Amerikaner, mit sieben Erfolgen Rekordsieger der Tour de France und inzwischen Miteigentümer des Discovery-Teams, war extra zum Zeitfahren nach Congnac angereist - um im Mannschaftswagen direkt hinter Alberto Contador die Triumphfahrt seines Schützlings zu verfolgen. Dem jungen Spanier ist nach der heutigen Etappe der Tour-Erfolg wohl nicht mehr zu nehmen; er fährt im Gelben Trikot, seit Favorit Michael Rasmussen wegen Lügen und Unterlaufens von Dopingtests vom eigenen Team rausgeworfen wurde.

"Ich war sehr motiviert, dass Lance Armstrong im Wagen hinter mir gefahren ist. Über den Funk konnte ich manchmal seine Stimme im Hintergrund hören", sagte Contador nach dem Zeitfahren. Morgen in Paris wird er als 94. Sieger der Rundfahrt in die Annalen eingehen. Spanien feiert ihn. Die Medien dort sprechen vom "sauberen Sieger".

Doch die Zweifel an Saubermann Contador sind größer denn je.

"Le Monde" berichtet heute, dass Contador sogar in mehreren Dokumenten der spanischen Behörden im Zusammenhang mit Doping-Blutmischer Eufemiano Fuentes auftaucht. So liegt der französischen Tageszeitung das "Dokument 3" der Guardia Civil vor, das die Ermittler bei der Durchsuchung von Fuentes Apartement in Madrid gefunden haben. Nach Informationen von "Le Monde" wird Contadors Name dort im Zusammenhang mit der "Dokumentation der vermutlich illegalen Aktivitäten" von Fuentes genannt. Allerdings wird nicht direkt behauptet, dass Contador illegale Substanzen eingenommen hat.

"Völlig unverständlich, dass Contador weiterfahren darf"

Neben dem 24-Jährigen werden auch die Fahrer Dariuz Baranowsky, Joseba Beloki und Giampaolo Caruso in dem Dokument genannt. Gegen Caruso hat Italiens Nationales Olympisches Komitee (Coni) inzwischen eine zweijährige Sperre beantragt. "Es ist völlig unverständlich, dass Contador ohne Sorge bezüglich der Operation Puerto weiterfahren darf, während gegen einen Fahrer wie Caruso eine zweijährige Sperre beantragt wird", sagte Jörg Jaksche, der jüngst im SPIEGEL eine Dopingbeichte abgelegt hatte, zu "Le Monde". "Gegen Caruso liegt exakt das gleiche vor wie gegen Contador."

Contador hatte vor dem zuständigen Richter der "Operation Puerto", Antonio Serrano, bestritten, Dopingarzt Fuentes überhaupt zu kennen. Die spanischen Behörden tilgten seinen Namen von der berüchtigten Fuentes-Liste, weil er sich seinem Verband nach einer Razzia bei dem dubiosen Doktor 2006 als Zeuge zur Verfügung gestellt hatte.

Jaksches Anwalt Michael Lehner bestätigte heute der Münchner "Abendzeitung", dass Contadors Name nicht mehr auf der Liste steht: "Ich weiß, dass der Name Contador in den spanischen Ermittlungsakten stand, aber nicht mehr in den deutschen Behörden übergebenen Unterlagen."

"Er war wie ein Vater zu mir"

"Le Monde" berichtet, dass Contador im Dezember 2006 bloß zehn Minuten von einem spanischen Staatsanwalt befragt wurde. Bisher weigert sich der Discovery-Profi, einen DNA-Test abzugeben, um sein Blut mit dem bei Fuentes beschlagnahmten Blut vergleichen zu lassen. "Ich glaube nicht, dass ein DNA-Test fair ist", sagte Contador auf der Pressekonferenz nach dem heutigen Zeitfahren: "Wenn ich aber einen Test machen muss, werde ich es tun. Was soll ich noch machen, um meine Unschuld zu beweisen? Euch Journalisten mein Blut geben?"

Contadors Name soll außerdem auf einem weiteren Protokoll der spanischen Behörden auftauchen. In einem weiteren Dokument mit der Nummer 31 steht das Kürzel "A.C", das auf Contador schließen lässt. Darüber hinaus werden die Kürzel "R. H", "M. S" und "J. B" genannt - die Contadors damaligen Teamkollegen beim Team Liberty zugeordnet werden können: Seguros Roberto Heras, Marcos Serrano und Joseba Beloki. ""Ich war damals zu einem falschen Moment in einem schlechten Team", sagte Contador heute. Ein langer Moment - stand Contador doch zwischen 2004 und 2006 bei Liberty Seguros unter Vertrag.

Jaksche war es, der zuletzt detailliert die exzellenten Kontakte des inzwischen aufgelösten Rennstalls und seines Leiters Manolo Sainz zu Fuentes beschrieb. Contador dagegen nimmt Saiz in Interviews stets in Schutz: "Er war wie ein Vater zu mir." Während Contador heute beim ProTour-Team Discovery-Channel fährt, sind Heras, Beloki und Serrano ohne Team oder bei unterklassigen Mannschaften unter Vertrag.

Die Tour-Leitung teilte heute erneut, keinen Grund für einen Ausschluss Contadors von der Tour de France zu sehen. Angesprochen auf den Artikel der "Monde" sagte Patric Clerc, Chef des Tour-Veranstalters Aso: "Ich kann dazu nur sagen, dass der Bericht der Ermittler Contador nicht direkt im Zusammenhang mit Dopingmittlen nennt."

Schon vor zwei Tagen, als Contador sich das Gelbe Trikot zum ersten Mal überstreifen durfte, hatte Clerc erklärt, dass "Contador in keinem Fall als ein Klient von Fuentes angesehen werden kann".

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