Tour-Auftakt: Armstrong deklassiert Ullrich - DER SPIEGEL
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Tour-Auftakt Armstrong deklassiert Ullrich

Das erste Aufeinandertreffen mit Lance Armstrong endete für Jan Ullrich in einem Debakel. Der US-Amerikaner holte den früher gestarteten T-Mobile-Kapitän beim Zeitfahren ein. Der Tagessieg ging aber nicht an den Titelverteidiger, ein Tour-Neuling triumphierte.
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Fromentine - Obwohl eine Minute später gestartet, überholte der sechsfache Toursieger Armstrong Ullrich etwa vier Kilometer vor dem Ziel des 19 Kilometer langen Zeitfahrens von Fromentine nach Noirmoutier-en-I'lle. Für den Deutschen und dessen Team kam dies einer Demütigung gleich. Armstrong vom neu gegründeten Rennstall Discovery Channel nahm Ullrich 66 Sekunden ab, der mit großen Erwartungen gestartete Deutsche musste sich mit Rang zwölf begnügen.

Etappensieger wurde zur großen Überraschung Armstrongs Landsmann David Zabriskie. Der Tour-Neuling vom dänischen CSC-Team fuhr mit 20:51 Minuten die schnellste Zeit des Tages. Armstrong war zwei Sekunden langsamer. Auf einen starken dritten Rang kam Alexander Winokurow von Ullrichs T-Mobile-Team, der 53 Sekunden langsamer war als Zabriskie.

Armstrong war bei dem Zeitfahren einer der wenigen Spitzenfahrer, der überzeugen konnte. Die Mitfavoriten Ivan Basso (1:26 Minuten zurück), Santiago Botero (1:30) oder Iban Mayo (3:15) fuhren deutlich unter ihren Möglichkeiten. Armstrongs Helfer George Hincapie wurde Vierter (0:56 Sekunden zurück). Bester Deutscher war Zabriskies Teamkollege Jens Voigt als Achter mit einem Rückstand von 1:04 Minuten.

Armstrongs Ritt ins Gelbe Trikot verhinderte möglicherweise eine Pannne auf den ersten Metern des Zeitfahrens, als der Mann aus Texas kurz aus der rechten Pedale gerutscht war. "Als ich Jan vor mir gesehen habe, dachte ich: Das läuft ja heute nicht schlecht für mich. Ich hatte von Beginn einen guten Rhythmus. Meine Beine sind stark", sagte Armstrong nach seinem Blitzstart in die diesjährige Tour.

Und Ullrich? Trotz superleichtem Carbonrad, entwickelt von einem ehemaligen Nasa-Techniker, und einer extremen Übersetzung (55:11) kam der Toursieger von 1997 nie in Schwung und war 1:08 Minuten langsamer als der Sieger Zabriskie.

Warum er einen derartigen Einbruch erlitten hat, war selbst Ullrich rätselhaft. "Ich bin voll gefahren", sagte der 31-Jährige, "und habe alles gegeben". Möglicherweise haben ihn seine Sturzverletzungen vom Freitag doch stärker belastet als angenommen. Ullrich vermutete zumindest einen starken Blutverlust aufgrund der Schnittwunden am Hals. Das Fazit des gebürtigen Rostockers: "Ich bin etwas demoralisiert, aber die Tour fängt ja gerade erst an."

Auch Ullrichs persönlicher Betreuer Rudy Pevenage fand keine Erklärung für den Einbruch seines Schützlings. Der Abstand zu Armstrong "war mehr als erwartet". Ebenso unklar blieb Pevenage, ob es bei T-Mobile eine Veränderung in der Teamhierarchie geben wird. Denn ob sich Winokurow nach seinem starken Auftritt auf Dauer mit der Rolle des Helfers für seinen beim Auftakt schwachen Kapitän Ullrich zufrieden geben wird, ist fraglich. "Ich will nichts ausschließen", so Pevenage, "der Wino ist gut drauf."

Vor dem Zeitfahren wurde bekannt, dass der Amerikaner sich am Freitag als einziger der 189 Profis sich einem zusätzlichen Dopingest unterziehen musste. Armstrong hatte eine zweite Urin- und Blutprobe abzugeben. Ein Grund wurde nicht genannt.

Der französische Sportminister Jean-Francois Lamour wies jedoch darauf hin, dass die zusätzliche Probe nicht von seinem Ministerium angeordnet worden sei. "Es gibt eine Vereinbarung zwischen der Tour-Organisation Aso, dem Internationalen Radsportverband und den Antidoping-Behörden des Ministeriums. Demnach wird bei der Tour die Entscheidung über einen Dopingtest von der Medizinischen Kommission gefällt."