Tour de France, 17. Etappe Dekker rettet Etappensieg vor Zabel
Lausanne - "Marathon-Mann" Erik Dekker hat erneut den Traum von Eriks Zabels achtem Tour-Etappensieg zerstört. Im Schlusspurt der 17. Etappe holte sich der Niederländer seinen dritten Tagessieg bei der 87. Tour de France und verwies dabei den Telekom-Kapitän auf der Zielgeraden auf den zweiten Platz. Der viermalige Gewinner des Grünen Trikots wartet seit dem 13. Juli 1997 vergeblich auf einen Tour-Etappensieg.
Auch ohne Tagessieg ist dem Weltcup-Spitzenreiter der fünfte Gewinn des Grünen Trikots am Sonntag auf den Champs-Elysées allerdings kaum noch zu nehmen, und auch Lance Armstrongs zweiter Tour-Gesamtsieg nach 1999 ist schwerlich zu gefährden. Bei Dekkers Spurtsieg auf dem Teilstück über 155 Kilometer von Evian-les-Bains bis zum Ziel am Olympischen Museum in Lausanne vor Zabel und dem US-Meister Fred Rodriguez verteidigte Armstrong die Führung im Gelben Trikot erfolgreich.
Der Weltmeister von 1993, der als einziger Team-Kapitän noch über eine komplette Mannschaft im noch 130-köpfigen Fahrerfeld verfügt, hat weiter 5:37 Minuten Vorsprung vor Ullrich. Dahinter belegen die Spanier Joseba Beloki (6:38) und Roberto Heras (6:43) die Plätze vier und fünf.
"Das ist das Beste, was man daraus machen konnte. So eine Etappe kann man nicht jeden Tag fahren, das ist schwerer als in den Bergen", erklärte Telekom-Profi Udo Bölts. "Das ist schon ein bisschen Schicksal. Ich war heute sicher der beste Sprinter, aber die beiden Ausreißer waren nicht mehr zu stellen. Am Ende fehlte nicht einmal ein Meter. Morgen wird es für uns in Freiburg sehr schwer, weil alle wissen, dass wir unbedingt gewinnen wollen", sagte Zabel im Ziel an der Uferstraße des Genfer Sees.
Einen Tag nach Jan Ullrichs Glanzvorstellung auf der letzten Alpenetappe war auch der gesamte Telekom-Express für Zabel beim Tour-Gastspiel in der Schweiz wieder unter Volldampf gerollt und hätte den Triumph fast geschafft. Doch der Holländer, der drei Kilometer vor dem Ziel gemeinsam mit dem Belgier Mario Aerts ausgerissen war, ließ sich seinen Triumph nicht mehr nehmen.
Auf den letzten zwölf Kilometern auf dem Rundkurs in Lausanne, dem Sitz des Radsport-Weltverbandes (UCI), der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, war das komplette Peloton zusammen. Die Bergwertung der dritten Kategorie am Hausberg Lausannes gewann Alexander Winkokurow vor seinem Teamchef Ullrich, der sich dabei ebenfalls für Zabel ins Zeug legte.
"Wenn das Feld geschlossen bleibt, werden wir versuchen, für Zabel einen Schlusssprint hinzukriegen. Sollte es Ausreißer geben, werden wir nichts machen, weil das zu viel Kraft kosten würde", hatte Telekom-Pressesprecher Olaf Ludwig vor dem Start gesagt.
Am Mittwochmorgen war Ullrich wegen einer Dopingkontrolle bereits um kurz nach sieben Uhr aus dem Bett geholt worden. Alle 13 Dopingtests, wobei die ersten neun Fahrer der Gesamtwertung überprüft wurden, erbrachten negative Resultate.
Verabschieden mussten sich am Mittwoch die vor dem Tour-Start als Mitfavoriten gehandelten Marco Pantani und Alex Zülle. Der zweimalige Etappensieger Pantani trat wegen Magen-Darm-Problemen gar nicht erst an, während Zülle zumindest noch sein Heimatland erreichte. Beim Aufstieg zum Mosses war dann aber auch für den früheren Zeitfahr-Weltmeister die Tour beendet.
Als "Berg-König" der Tour steht seit Mittwoch Santiago Botero fest. Der 27 Jahre alte Kelme-Fahrer sicherte sich als zweiter Kolumbianer nach Luis Herrera 1985 und 1987 das gepunktete Trikot, nachdem der Etappensieger von Briancon auf den verbleibenden Bergwertungen nicht mehr von seinem spanischen Teamgefährten Javier Otxoa und dem drittplatzierten fünfmaligen "Berg-König" eingeholt werden kann.
Die letzten 15 Kilometer zum Auftakt der Etappe am Mittwochmittag auf französischem Gebiet war das Peloton bei hohem Tempo nahezu geschlossen zusammengeblieben. Nach dem Grenzübertritt in die Schweiz folgten zunächst viele hektische Aktionen, ehe Massimiliano Lelli das Heft in die Hand nahm und sich am Aufstieg zum 1445 Meter hohen Col de Mosses gemeinsam mit dem Franzosen Pascal Herve absetzte.
Den Gipfel bei Kilometer 54 erreichten beide im Alleingang mit rund zwei Minuten Vorsprung vor den Verfolgern, wobei Lelli den letzten Bergpreis der zweiten Kategorie bei der diesjährigen Tour gewann. Der Italiener fuhr schließlich allein mit acht Fahrern im Schlepptau weiter. Zu der Verfolgergruppe gehörte auch Telekom-Profi Jens Heppner.
Rund zehn Kilometer vor der Verpflegungszone wartete Lelli auf die nächste Gruppe, die dann die letzten 65 Kilometer mit knapp zwei Minuten Vorsprung vor dem Peloton in Angriff nahm. Im Hauptfeld wurde jedoch ständig vor allem von den Teams US Postal und Telekom hohes Tempo gemacht, wodurch die letzten Flüchtlinge 13 Kilometer vor dem Ziel eingeholt wurden.
Am Donnerstag erreicht die Tour-Karawane zum ersten Mal seit acht Jahren wieder Deutschland. Die 18. Etappe beginnt in Lausanne und führt über 246,5 Kilometer hinunter in den Breisgau. Bis zum Ziel in Freiburg, wo die Tour bereits zum insgesamt vierten Mal Station macht, sind jeweils zwei Bergwertungen der dritten und vierten Kategorie sowie zwei Punktwertungen zu absolvieren.