Tour de France: Der Fall Lance Armstrong überschattet das Jubiläum - DER SPIEGEL
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Tour de France Zum Jubiläum gibt's den Super-Gau

Die Enthüllungen um Lance Armstrong kommen für die Tour de France zur Unzeit. Im kommenden Jahr findet die 100. Auflage der Rundfahrt statt, am Mittwoch soll der Etappenplan feierlich vorgestellt werden. Nun aber sorgen sich die Verantwortlichen um das Renommee der legendären Tour.
Ehemaliger Tour-de-France-Rekordsieger Armstrong: "Verrat an den Träumen"
Ehemaliger Tour-de-France-Rekordsieger Armstrong: "Verrat an den Träumen"

Ehemaliger Tour-de-France-Rekordsieger Armstrong: "Verrat an den Träumen"

Foto: Anthony Bolante / REUTERS
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In Frankreich wurde Lance Armstrong zur Sport-Legende. Er gewann siebenmal die Tour de France, stieg zum Helden des größten Radrennens der Welt auf. Wohl auch deshalb fällt die Reaktion auf die Verurteilung des einstigen Stars in Frankreich so emotional aus. "Lüge und Absturz" titelt die Tageszeitung "Le Figaro", nachdem der Radsport-Weltverband UCI Armstrong am Montag alle Tour-Titel aberkannte.

Dem Mann, der von 1999 an die Tour siebenmal in Folge gewann, wird in den französischen Medien gleich mehrfacher Betrug angelastet: die raffinierte Täuschung der Kontrollinstanzen, die Tatsache, dass er seine Teams mit in die organisierten Doping-Machenschaften hineinzog und der "Verrat an den Träumen". Mit Blick auf den letztgenannten Vorwurf kommentiert die linke Tageszeitung "Libération": "Die Tour brauchte immer den Moment des Wunderbaren, des Unglaublichen." Armstrong lieferte diese Momente - doch sie waren nicht echt.

Gerüchte und Verdachtsmomente, Armstrong könne bei seinen Triumphen in Frankreich nicht sauber gewesen sein, gab es ständig. Und deswegen wettern Frankreichs Medien jetzt vor allem gegen die UCI, jenen Dachverband, der offenbar wiederholt und trotz aller belastenden Indizien die schützende Hand über ihren Lieblingsstar hielt. Der Augiasstall soll gereinigt werden, fordert Marc Madiot, Chef von Frankreichs nationaler Rad-Liga: "Wenn unsere sportlichen Instanzen dazu nicht in der Lage sind, werden wir noch über Jahre dieselbe Scheiße fressen."

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Die Karriere von Lance Armstrong: Absturz eines Helden

Foto: Lucas Jackson / REUTERS

Der deftige Wutausbruch gegen die Kollegen des internationalen Verbandes ist verständlich, schließlich fürchtet man in Frankreich, die Tour könnte im Strudel all dieser Negativschlagzeilen an Renommee verlieren. Zumal am Mittwoch der Etappenplan für die Rundfahrt im kommenden Jahr offiziell vorgestellt werden soll. Und eigentlich hatten die Verantwortlichen auf eine große Sause gehofft, schließlich steigt 2013 die 100. Auflage der Tour.

Dabei ist Armstrong ja nicht der erste prominente Dopingfall in Zusammenhang mit der Tour, die immer wieder auch als "Tour des Dopings" verhöhnt wurde. Während der vergangenen drei Jahrzehnte gab es oft Gerüchte, Hinweise oder gar handfeste Belege, dass die Sieger bei ihren Erfolgen mit verbotenen Substanzen und Methoden nachgeholfen hätten.

Das Tricksen hat bei der Tour Tradition. Seit seinen Anfängen war die Rundfahrt, 1903 erstmals als "größte radsportliche Prüfung" organisiert, begleitet von Versuchen, die Leistung der Teilnehmer mit Drinks oder Pülverchen zu erhöhen. Jenseits von handfesten Mahlzeiten und einem kühlen Stützbier, seinerzeit als probates Mittel zur Steigerung der Muskelkraft anerkannt.

Seit Mitte der Siebziger Jahre wandelte sich die Tour durch die zunehmende Fernsehpräsenz und den Einfluss von Sponsoren zum umsatzstarken Event. Seit 1993 ist die Rundfahrt im Besitz der Gruppe "Amaury Sport Organisation" (Aso). Doch die Privatisierung änderte nichts am zunehmenden Einsatz der verbotenen Substanzen während der Tour, bei der 1998 das industriell gefertigte Epo erstmals für Schlagzeilen sorgte.

Die Dopinguntersuchungen von Labors und Kontrollinstanzen wurden oft ausgehebelt durch neue, schwer nachweisbare Produkte. Durch den Super-Gau, die Affäre Armstrong, könnte die Tour einen Einbruch als Publikumsmagnet und werbeträchtige Schau erleiden. Grund genug, dass sich Funktionäre wie Politiker um die Rettung des nationalen Spektakels und seiner wirtschaftlichen Bedeutung sorgen.

"Hier geht es um eine Weltkrise", dröhnte Christian Prudhomme, Direktor für Radsport beim Tour-Ausrichter Aso, der dennoch glaubt: "Die Tour wird sich davon erholen." Sportministerin Valérie Fourneyron fordert: "Die gesamten Vorgänge müssen erhellt werden. Nur so können wir sicherstellen, dass die Affäre eine Wende markiert. Dass es ein Vorher und ein Nachher gibt."