Tour de France: Jubel um Hushovd, Drama um Schleck
Tour de France Hushovd siegt, Armstrong verliert Zeit
Hamburg - Rückschlag für Lance Armstrong, Erfolg für Alberto Contador, Triumphe für Thor Hushovd und Fabian Cancellara: Die "Hölle des Nordens" hat bei der 97. Tour de France ihren Tribut gefordert. Beim Rennen über die berüchtigten Kopfsteinpflaster-Passagen in Nordfrankreich nahm Titelverteidiger Contador seinem ärgsten Rivalen Armstrong auf der dritten Etappe im Gesamt-Klassement überraschend 58 Sekunden ab. Armstrong verlor aufgrund eines Reifenschadens auf dem ruppigen Untergrund viel Zeit.
Der Sieg auf dem 213 Kilometer langen Teilstück vom belgischen Wanze ins französische Arenberg ging an den Norweger Hushovd, der im Zielsprint einer kleinen Spitzengruppe nicht zu bezwingen war. "Für mich lief es heute perfekt", sagte Hushovd. "Ich war sehr motiviert, ich mag das Kopfsteinpflaster."
Einer seiner Konkurrenten auf den letzten Metern freute sich nicht weniger als der Tagessieger: Der Schweizer Fabian Cancellara holte sich nach nur einem Tag das Gelbe Trikot von Sylvain Chavanel zurück. Der Franzose hatte Pech, musste nach Defekten gleich zweimal sein Rad wechseln und verlor rund vier Minuten auf Cancellara. "Ich hatte einen schönen Tag in Gelb - das ist das Leben. Bei mir lief nichts", sagte Chavanel.
Glücklich hingegen war der Vorjahreszweite der Tour, Andy Schleck, der auf Rang sechs fuhr und seinen Rivalen Contador und Armstrong somit Zeit abnahm. Einziger Wermutstropfen für den Luxemburger: Sein Bruder Fränk stürzte schwer. Der Vorjahresfünfte kam auf dem vierten Kopfsteinpflaster-Sektor zu Fall und blieb minutenlang mit Schmerzen im Graben liegen. Er brach sich das Schlüsselbein, damit ist die Tour und der Traum vom Podium für ihn beendet. Auch Tony Martin war in den Crash 26,7 Kilometer vor dem Ziel verwickelt, verlor viel Zeit und rutschte aus den Top Ten des Gesamtklassements.
Ausreißergruppe 30 Kilometer vor dem Ziel eingeholt
Während des Rennens löste sich bereits elf Kilometer nach dem Start in Wanze Tour-Debütant Roger Kluge mit sechs Mitstreitern vom Feld. Zwischenzeitlich hatten die Ausreißer einen Vorsprung von knapp fünf Minuten, der in der Folge aber wieder schmolz. Die Gruppe wurde auf dem vierten Kopfsteinpflaster-Sektor rund 30 Kilometer vor dem Ziel eingeholt.
Nach den kräftezehrenden Tagen in den Ardennen und Nordfrankreich kann das Peloton am Mittwoch eine kleine Verschnaufpause einlegen. Auf der lediglich 153,5 Kilometer langen Etappe von Cambrai nach Reims (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es fast ausschließlich über flaches Terrain, sodass die Sprinter zum Zuge kommen dürften.
Vandevelde steigt wegen gebrochener Rippen aus der Tour aus
Bereits auf der zweiten Etappe war es zu zahlreichen Stürzen gekommen. Der Amerikaner Christian Vandevelde, ein Anwärter auf eine Platzierung unter den Top Ten, trat nicht mehr zum Start der dritten Etappe an. Der Garmin-Profi hatte sich bei einem Sturz zwei Rippen gebrochen.
Rabobank-Profi Robert Gesink brach sich am Montag die linke Elle, trat aber zur dritten Etappe an. Man wolle von Tag zu Tag sehen, ob Gesink fahren könne, sagte ein Rabobank-Sprecher. Vandeveldes Teamkollege und Landsmann Tyler Farrar ging trotz eines gebrochenen Handgelenks an den Start.
Das Team Milram ist unterdessen nur noch mit acht Fahrern unterwegs, allerdings nicht als Folge der Stürze. Der niederländische Meister Niki Terpstra verzichtete wegen Fiebers auf einen Start. Terpstra hatte schon seit Beginn der Tour über eine Erkältung geklagt.