Tour de France Knaven flüchtet zum Sieg
Bordeaux - Erik Zabel und die anderen Sprinter haben sich in ihrer Taktik am Donnerstag verrechnet. So empfing Bordeaux, das klassische Tour-Terrain für einen Massenspurt, am Ende der 17. Etappe nicht etwa ein dichtgedrängtes Peloton, sondern eine zehnköpfige Ausreißergruppe. Servais Knaven war der Schnellste unter den baroudeurs und holte sich den ersten Tagessieg für einen Niederländer auf der diesjährigen Tour. Der Sieger, der sich 18 Kilometer vor dem Ziel vom Ausreißerfeld abgesetzt hatte und den ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere feiern konnte, verwies den Italiener Paolo Bossoni mit 17 Sekunden Rückstand auf den zweiten Platz. Dritter wurde der Franzose Christophe Mengin.
"Das ist meine siebte Tour. Ich war mal Zweiter und Dritter, aber dieser Sieg ist einfach unvorstellbar", jubelte Knaven im Ziel in Bordeaux. Knavens bislang größter Erfolg war der Sieg beim Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix vor zwei Jahren.
An der Spitze der Gesamtwertung gab es wie am Vortag keine Veränderungen: Die Favoriten sparten ihre letzten Kräfte für das 49 Kilometer lange Einzelzeitfahren am Samstag von Pornic nach Nantes. Der vierfache Toursieger Lance Armstrong liegt weiter mit 1:07 Minuten vor Jan Ullrich und 2:45 Minuten vor dem Telekom-Fahrer Alexander Winokurow an der Spitze. Ullrich und Armstrong kamen als 27. und 28. wie auch Telekom-Profi Alexander Winokurow als 41. mit 8:06 Minuten Rückstand im Hauptfeld an.
Die zehnköpfige Spitzengruppe - ohne deutschen Fahrer - hatte sich am Donnerstag, als zum ersten Mal bei der Tour leichter Regen fiel, kurz nach dem Start gebildet. Sie harmonierte prächtig und baute ihre Führung zeitweise auf über 16 Minuten aus. Vier zu spät erst reagierte das etwas müde Feld. Knaven hatte dann vor den Toren Bordeaux offensichtlich die meisten Reserven setzte sich 18 Kilometer vor dem Ziel von der Ausreißergruppe ab. Er konnte einen 17-Sekunden-Vorsprung vor seinen ersten Verfolgern retten. Das Feld erreichte Bordeaux erst 8:06 Minuten nach Knaven.
Erik Zabel, schon zwei Mal in Bordeaux siegreich, gelangen dabei keine Pluspunkte im Kampf um das Grüne Trikot, das ihn nach eigener Aussage ohnehin nicht mehr interessiert. Der deutsche Meister unterlag im Kampf um Platz elf dem Australier Robbie McEwen. Hinter Zabel kam der Träger des Grünen Trikots Baden Cooke (Australien) auf Rang 13. "Ich konzentriere mich auf Paris", sagte Zabel anschließend, "mmerhin habe ich heute einen Punkt auf Cooke gutmachen können. Die Etappe ist so gelaufen, wie es zu erwarten war: Es war wahnsinnig schnell. Die Jungs vorne sind unheimlich flott unterwegs gewesen, fast schon wie beim Mannschaftszeitfahren. Obwohl im Feld vier Mannschaften das Tempo machten, haben wir es einfach nicht geschafft, Boden gut zu machen."
Am Morgen vor dem Start hatte der Telekom-Kapitän, der bei der diesjährigen Tour weiter auf seinen insgesamt 13. Etappenerfolg wartet, seine Äußerungen vom Vortag, der jahrelange Kampf um das Grüne Trikot hätte seine Karriere ruiniert, etwas relativiert. "Dadurch, das ich sechs Mal hintereinander die Punktwertung gewann, entstand ein unheimlicher Erwartungsdruck, unter dem ich sehr gelitten habe. Ich versuche jetzt anders heranzugehen und sehe das jetzt alles lockerer. Das Trikot interessiert mich nicht", sagte der 33-Jährige, der mit dieser Einstellung vielleicht auch eine besondere Art der persönlichen Motivation gefunden hat.
Die Prognosen für die alles entscheidende Etappe am Samstag gehen unterdessen weiter in Richtung Armstrong. "Auch, wenn noch viel passieren kann, sage ich: Mit Lance hat der richtige Fahrer die Tour gewonnen. Aber Jan ist super gefahren und hat eine gute Arbeit gemacht. Vielleicht hat er bei einigen Gelegenheiten einige Sekunden verschenkt", gab beispielsweise vor dem heutigen Start in Dax Ullrichs ehemaliger Mannschafts-Kapitän und jetzige CSC-Teamchef Bjarne Riis zum Besten. "Jan wird am Samstag ein gutes Rennen fahren. Seine Form ist weiter ansteigend. Ob es noch ein Mal zu solch einem Ding fähig ist wie beim ersten Zeitfahren, kann ich nicht sagen", übte sich auch Bianchi-Teamchef Rudy Pevenage in Zurückhaltung.