Tour de France: Post vom Dopingjäger - DER SPIEGEL
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Tour de France Post vom Dopingjäger

Die Tour de France wartet auf den großen Knall: Offiziell bekannt gegeben sind die Namen der 20 Profis mit auffälligen Blutwerten noch nicht. Einige Teams sind aber über die Ergebnisse der Dopingtests informiert. Andere warten nach eigenen Angaben noch auf die Mitteilung der Kontrolleure.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Service, den die französische Antidopingagentur AFLD bietet, ist ausgezeichnet. Die Ergebnisse der Bluttests, die vor Beginn der diesjährigen Tour de France durchgeführt wurden, werden den Radteams persönlich ins Hotel gebracht. Bei bis zu zwanzig Fahrern hat die AFLD Unregelmäßigkeiten in den Blutwerten festgestellt, bislang ist aber nicht bekannt, um wen es sich handelt. Dabei dürften viele Teams die Ergebnisse schon in den Händen halten.

Etappensieger Riccò: Noch keine Mitteilung von den Doping-Fahndern

Etappensieger Riccò: Noch keine Mitteilung von den Doping-Fahndern

Foto: REUTERS

Gerry van Gerwen, Manager des Milram-Rennstalls, sagte SPIEGEL ONLINE am Sonntag: "Ja, unser Arzt hat gestern Post bekommen. Bei uns ist alles in Ordnung, alle Werte sind genau innerhalb der Profile, die unsere Fahrer haben."

Luuc Eisenga, Sprecher des niederländischen Teams Rabobank, bestätigte, dass die Ergebnisse der Tests am Samstagabend im Teamhotel abgegeben wurden, die Konkurrenz von Columbia bekam schon am Freitag Post. Auch bei diesen Rennställen soll es keine auffälligen Werte gegeben haben.

Bei Gerolsteiner, CSC-Saxo und Liquigas, der Mannschaft des positiv auf Epo getesteten Spaniers Manuel Beltrán, liegen dagegen nach Angaben der Teams noch keine Mitteilungen der Dopingkontrolleure vor. Laut AFLD sollen alle Rennställe im Laufe des Wochenendes benachrichtigt worden sein.

Pierre Bordry, Präsident der französischen Antidopingagentur, sagte einem Reporter der Agentur AP, dass Beltrán wegen seiner Blutwerte vor Rennbeginn im Ziel der ersten Etappe getestet worden war. Vor diesem Hintergrund wäre es interessant zu erfahren, welche Profis noch auffällige Werte aufgewiesen haben. Einen Namen will die Zeitung "L'Équipe" bereits erfahren haben - mit dem Italiener Riccardo Riccò handelte es sich dabei ausgerechnet um jenen Fahrer, der die schwere Bergetappe von Toulouse nach Bagnères-de-Bigorre gewann und zuvor bereits in Super-Besse siegte.

Bei seinem Team Saunier-Duval weist man alle Verdächtigungen zurück. "Riccò ist ganz ruhig. Er hat nichts zu befürchten. Wir haben keine Mitteilung der AFLD erhalten" erklärte ein Sprecher am Samstag. Dass ein dermaßen furioser Antritt wie jener des Italieners auf dem Weg zum knapp 1500 Meter hohen Aspin-Pass mit seinen 6,5 Prozent Steigung nicht gerade geeignet scheint, um Zweifel an den Leistungen eines Radprofis zu zerstreuen, erklärt sich schon aus den Erfahrungen der beiden vergangenen Frankreich-Rundfahrten: Der Kasache Alexander Winokurow wurde nach einer atemberaubenden Bergfahrt 2007 ebenso positiv getestet wie Floyd Landis aus den USA ein Jahr zuvor.

Gegen Riccò liegt dagegen noch nichts vor, und ob die französischen Dopingjäger ein besonderes Auge auf ihn geworfen haben, ließ sich in Bagnères-de-Bigorre auch nicht feststellen - als Tagessieger musste er ohnehin zur Dopingkontrolle antreten. Gut im Rennen lagen auch der Tscheche Roman Kreuziger und der Italiener Vincenzo Nibali, die in der Spitzengruppe mit nur 1:17 Minuten Rückstand im Ziel eintrafen.

Dass die beiden überhaupt noch dabei sind, stößt allerdings auf Kritik - denn sie starten für den Beltrán-Rennstall Liquigas. Der Teamchef der französischen Cofidis-Mannschaft, Eric Boyer, hat in der "L'Èquipe" gefordert, dass sich Liquigas freiwillig aus der Tour verabschieden sollte. Der Hintergrund: Als 2007 der Cofidis-Fahrer Cristiano Moreni positiv getestet wurde, nahm Boyer auch seine anderen Fahrer sofort aus dem Rennen. Mit Blick auf Liquigas sagte er nun: "Das ist eine Frage des Respekts gegenüber dem Veranstalter. Ich glaube ganz einfach, dass wir nicht dieselben Werte haben." In diesen Satz lässt sich manches hineindeuten.

Bei Liquigas denkt man aber zur Zeit nicht über einen Rückzug nach. Sprecher Paolo Barbieri sagte SPIEGEL ONLINE, dass "wir zunächst einmal das Ergebnis der B-Probe abwarten, bevor wir irgendwelche weiteren Schritte unternehmen". Beltrán, der bereits nach Spanien abgereist ist, bestreitet die Vorwürfe.

Sollte er durch den zweiten Test überführt werden, wird er sich in ein illustres Team von Dopingsündern einreihen. Nach Landis, dem US-Amerikaner Tyler Hamilton und dem Spanier Roberto Heras wäre auch er als Doper aufgeflogen - und alle vier waren früher prominente Helfer des siebenfachen Toursiegers Lance Armstrong. Einer der bekanntesten Armstrong-Domestiken war übrigens George Hincapie (USA). Der 35-Jährige hat nichts verlernt - er unterstützt mit Kim Kirchen vom Team Columbia auch in diesem Jahr den Träger des Gelben Trikots.