Tour de France: Ullrichs Mini-Attacke überrascht Armstrong - DER SPIEGEL
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Tour de France Ullrichs Mini-Attacke überrascht Armstrong

Auf der 18. Etappe wagte Jan Ullrich einen kleinen Angriff auf Lance Armstrong und hatte damit Erfolg. Bei einer Sprintwertung machte Ullrich zwei Sekunden auf den Träger des Gelben Trikots gut. Die 203,5 Kilometer lange Etappe von Bordeaux nach Saint-Maixent-l'Ecole entschied der Spanier Pablo Lastras für sich.
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Saint-Maixent-L'Ecole - Mit einem Überraschungcoup hat Jan Ullrich das Finale der 90. Tour de France eingeläutet und den Rückstand auf Lance Armstrong schon vor dem Zeitfahren am Samstag reduzieren können. Der Olympiasieger sprintete beim ersten Zwischenspurt der 18. Etappe mit Armstrong am Hinterrad dem Australier Robbie McEwen hinterher und nahm seinem Widersacher zwei Sekunden ab.

"Das war psychologisch sehr wichtig. Wenn es eng bleibt, wird bis zur letzten Sekunde in Paris gekämpft", sagte Bianchi-Geschäftsführer Jacques Hanegraaf zum Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Topstars, die mit dem Tagessieg jedoch nichts zu tun hatten. Im Schlussspurt nach 4:03:18 Stunden gewann der Spanier Pablo Lastras an der Spitze einer ursprünglich 16-köpfigen Ausreißergruppe vor dem Franzosen Carlos Da Cruz und Telekom-Profi Daniele Nardello (Italien). Den Sprint des Hauptfeldes entschied 24:13 Minuten hinter Lastras auf dem 17. Platz Robbie McEwen für sich, der damit das Grüne Trikot eroberte. Erik Zabel fuhr auf den 18. Platz.

Im Gesamtklassement machte sich die Ausreißeraktion auf den 203,5 kilometer von Bordeaux nach Saint-Maixant-l`Ecole nicht bemerkbar. Im Gelben Trikot führt Armstrong nun mit 1:05 Minuten Vorsprung vor Ullrich, 2:47 Minuten zurück blieb der Kasache Alexander Winokurow vom Team Telekom Dritter. Armstrong nahm den Angriff Ullrichs gelassen. "Es ist nicht schlimm, dass ich zwei Sekunden verloren habe", sagte der US-Postal-Kapitän im Ziel, "ich glaube nicht, dass die Tour wegen zwei Sekunden entschieden wird."

"Die Aktion war nicht geplant. Als die Spitze dicht beisammen war, habe ich es einfach versucht. McEwen ist noch vorbeigekommen, Lance nicht", berichtete Ullrich mit einem spitzbübischen Grinsen und ist vor dem Zeitfahrduell am Samstag zuversichtlich: "Ich bin bestens vorbereitet. Vor dem Zeitfahren mache ich mich aber nicht verrückt, ich will einfach ein gutes Rennen fahren."

Zweitschnellste Etappe der Tourgeschichte


Der Sieg von Lastras wird als der zweitschnellste in die Tour-Geschichte eingehen. "Das war bei dieser Tour meine letzte Möglichkeit und die habe ich genutzt. Den Sieg widme ich meiner Mutter, die vor vier Monaten gestorben ist", sagte Lastras, der das Teilstück bei starker Rückenwind-Unterstützung mit einem Tempo von 50,185 Stundenkilometer fuhr. Den bisherigen Rekord hatte Italiens Weltmeister Mario Cipollini am 7. Juli 1999 auf den 194,5 Kilometer der vierten Etappe zwischen Laval und Blois mit 50,355 Stundenkilometer aufgestellt.

Verärgert über den zweiten iBanesto-Erfolg während der diesjährigen Tour zeigte sich Nardello: "Ich hatte eigentlich schon gewonnen, aber dann wurde die Lücke von Lastras zugemacht. Das war nicht ganz fair".

Bis zu Ullrichs Ausritt beim Zwischensprint bei Kilometer 50,5 in Montendre hatten sich zahlreiche Fluchtgemeinschaften gebildet, die alle jedoch erfolglos blieben. Dann jedoch setzten sich die 16 Protagonisten des Tages bei Kilometer 60 ab und machten das Rennen auf den letzten 143 Kilometer unter sich aus. Die Flüchtlinge wurden nicht attackiert, ihr Vorsprung wuchs auf über 22 Minuten an.

Botero muss aufgeben


Bei seinem dritten Tour-Start wird Telekom-Profi Santiago Botero diesmal Paris nicht erreichen. Der "Berg-König" von 2000 konnte am Freitag nicht mehr antreten. "Santi leidet unter Durchfall und Erbrechen. Er hat heute Nacht kaum geschlafen und konnte auch kein Frühstück zu sich nehmen", sagte Teamarzt Dr. Lothar Heinrich.

Botero war der 50. Fahrer, der bei der Jahrhundert-Tour aufgab. Damit sind noch 148 von ursprünglich 198 Fahrern im Rennen, nur fünf der 22 Teams sind noch komplett. Bei Telekom war Andreas Klöden schon auf der neunten Etappe verletzt ausgefallen, jetzt setzt das Bonner Team mit noch sieben Akteuren die Reise fort.

Die Entscheidung über den Gewinn des Gelben Trikots wird beim Einzelzeitfahren am Samstag fallen. Der Kampf gegen die Uhr als 19. Etappe beginnt in Pornic südlich der Loire-Mündung und endet nach 49 Kilometer auf völlig flachem Terrain in der westfranzösischen Hafenstadt Nantes. Am Sonntag stehen dann die letzten 152 Kilometer von Ville-d'Avray zum Ziel auf den Champs-Elysees in Paris auf dem Programm.