Tour-Sieger Contador: Spanier wollen Dopingverfahren einleiten - DER SPIEGEL
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Tour-Sieger Contador Spanier wollen Dopingverfahren einleiten

Spaniens Verband reagiert auf die Forderung des Radsport-Weltverbands UCI und will ein Disziplinarverfahren gegen Alberto Contador einleiten. Der Radprofi steht unter dem Verdacht, bei seinem Tour-Sieg in diesem Jahr gedopt gewesen zu sein. Nun droht ihm eine drastische Strafe.
Radprofi Contador: Mit dem Rücken zur Wand
Radprofi Contador: Mit dem Rücken zur Wand

Radprofi Contador: Mit dem Rücken zur Wand

Foto: ERIC GAILLARD/ REUTERS
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Hamburg - Der spanische Radsportverband RFEC leitet ein Dopingverfahren gegen Tour-de-France-Sieger Alberto Contador ein. Dies kündigte der RFEC-Präsident Juan Carlos Castaño an. Der Verband folgt damit einer Aufforderung des Weltradsport-Verbands UCI. "Es wird für Contador keine bevorzugte Behandlung geben", sagte Castaño der Madrider Zeitung "Marca".

"Die Regeln gelten für alle in gleicher Weise. Wenn Alberto dagegen verstoßen hat, muss er dafür geradestehen." Die Entscheidung der UCI sei die normale Vorgehensweise. "Nicht normal ist dagegen, dass die UCI drei Monate gebraucht hat, bis sie den Fall uns übertrug."

Der spanische Verbandschef ergänzte im staatlichen Fernsehen: "Ich hoffe noch, dass sich der Fall zugunsten von Contador entscheidet. Ich kenne ihn seit seiner Kindheit. Er stammt aus Madrid, und ich habe gewisse Sympathien für ihn." Wie das Verfahren ausgehen könnte, sei noch völlig offen: "Es kann alles passieren. Es kann auch sein, dass das Verfahren eingestellt wird oder es bei einer simplen Abmahnung bleibt", so Castaño. Er setze auf eine "faire Entscheidung".

"Contador mit dem Rücken zur Wand"

Der dreifache Tour-Sieger war am zweiten Ruhetag der vorigen Frankreich-Rundfahrt positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden. Contador bestreitet jedes Doping. Er führte den positiven Befund darauf zurück, dass er verunreinigtes Fleisch gegessen habe. Die UCI hatte daraufhin eine vorläufige Sperre gegen Contador ausgesprochen und in Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) den Fall zur genaueren Untersuchung an Wissenschaftler weitergereicht.

Die Chancen des Spaniers für einen Freispruch stehen laut "Marca" schlecht. Bisher seien praktisch alle Sportler, die positiv auf Clenbuterol getestet worden waren, gesperrt worden, schrieb das Blatt. "Contador steht mit dem Rücken zur Wand."

Nach Angaben der Zeitung "El País" stützt der Tour-de-France-Sieger seine Hoffnung auf einen Freispruch vor allem auf den Fall des Tischtennis-Profis Dimitrij Ovtcharov. Der deutsche Nationalspieler war ebenfalls positiv auf Clenbuterol getestet, später aber vom Deutschen Tischtennis-Bund freigesprochen worden.

Die Zeitung "El Mundo" geht davon aus, dass der Fall Contador wohl in jedem Fall bis vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) gebracht wird. Es sei zu erwarten, dass die Entscheidung des spanischen Radsportverbands entweder von der Welt-Anti-Doping- Agentur Wada oder von Contador angefochten wird, schrieb das Blatt.

Eigenblut-Doping als Ursache vermutet

Die UCI hatte am Montagabend bekanntgegeben, dass sie von Spaniens Verband die Einleitung eines Verfahrens gegen den dreifachen Gewinner der Frankreich-Rundfahrt fordert. "Am Ende einer langen und sorgfältigen Untersuchung, die von hochqualifizierten Wada-Experten durchgeführt wurde, und unter Berücksichtigung aller Informationen, ist die UCI zu dem Schluss gekommen, dass ein Disziplinarverfahren gegen Contador eröffnet werden sollte", hieß es in einer UCI-Pressemitteilung. Damit droht dem Spanier eine zweijährige Sperre und die Aberkennung des Tour-Siegs.

Das Contador-Lager versuchte, die Entscheidung der UCI herunterzuspielen. "Das ist das normale Prozedere, wobei wir gehofft haben, dass der spanische Verband über den Fall entscheiden wird", sagte sein Pressesprecher. "Contador wird alle Dokumente zur Verfügung stellen und demonstrieren, dass es verunreinigtes Essen war."

Zahlreiche Anti-Doping-Experten hatten als Erklärung für den positiven Test eine möglicherweise kurz vorher durchgeführte Eigenblut-Transfusion ins Spiel gebracht. So soll in einer von Contadors Proben ein zehnfach erhöhter Wert von Plastikweichmachern festgestellt worden sein, was oftmals als Indiz für eine Bluttransfusion aus einem Plastikbeutel sprechen soll. Dem widersprach allerdings der Wissenschaftliche Wada-Direktor Olivier Rabin, der außerdem nicht bestätigen wollte, dass in Contadors Proben tatsächlich ein Plastikweichmacher gefunden wurde.

Rückendeckung erhielt Contador von seinem Rivalen bei der Tour de France, Andy Schleck. "ich glaube nicht, dass er etwas gemacht hat, aber ich entscheide das nicht", sagte der Luxemburger, der hinter Contador Zweiter der Tour wurde. Falls dem Spanier der Gesamtsieg aberkannt werden sollte, würde Schleck ihn nicht annehmen wollen: "Ich bin nicht im Gelben Trikot nach Paris gefahren. Ich bin immer noch Zweiter."

mti/aha/sid/dpa