Trainerwechsel: Kiefer ab sofort ohne Brett - DER SPIEGEL
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Trainerwechsel Kiefer ab sofort ohne Brett

Drei Tage nach der Wimbledon-Niederlage im Prestigeduell gegen Tommy Haas haben sich Deutschlands bester Tennisspieler Nicolas Kiefer und sein Trainer Bob Brett völlig überraschend getrennt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wimbledon - Kiefer erklärte am Freitag schriftlich: "Der Zeitpunkt für eine Veränderung ist gekommen. Ich habe von Bob sehr viel gelernt. Jetzt bin ich an einem Punkt meiner Karriere angelangt, wo ich mich mit einem neuen Trainer weiterentwickeln möchte."

Brett hatte Kiefer seit dem 1. Februar 1998 trainiert. Jetzt fühlte der Australier sich nach eigenem Bekunden "als Coach verpflichtet, einen Trainerwechsel zu befürworten, damit Nicolas sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Ich bin der Meinung, dass ich alles getan habe, um sein Spiel zu verbessern. Die Zusammenarbeit und den damit verbundenen Erfolg habe ich sehr geschätzt, und ich wünsche Nicolas für die Zukunft alles Gute."

Unter Brett kletterte Kiefer Ende letzten Jahres bis auf Platz sechs der Weltrangliste und stand bei der ATP-WM im November im Halbfinale. Er war nach Boris Becker und Michael Stich der dritte Deutsche, der eine Saison in den Top Ten beendete. "Bei dem heutigen Wettbewerb ist es wichtig, sowohl technisch, physisch als auch mental perfekt auf das Spiel vorbereitet zu sein", schrieb Kiefer: "Und ich bin zuversichtlich, dass dieser Wechsel mir das ermöglichen wird."

Die Entscheidung über die künftig getrennten Wege fiel am Donnerstag spontan noch in Wimbledon und ist offenbar durch die schmerzliche Niederlage gegen Haas forciert worden. Bob Brett, Kiefer, dessen Eltern und Manager Patricio Apey waren zu dem Zeitpunkt trotz des frühen Ausscheidens des 22-Jährigen noch in Wimbledon, und auch Bob Brett spazierte noch über die Anlage.

Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb war von der Entwicklung völlig überrascht: "Das erstaunt mich sehr. Ich hatte keine Ahnung, dass sich so was andeutete. Ich habe vorher noch mit Nicolas gesprochen, und er hat nichts erzählt. Mit Bob hat er immerhin das beste Jahr seiner Karriere erlebt und große Erfolge gefeiert."

Als neuer Trainer ist der Niederländer Sven Groeneveld im Gespräch, der seit Juli 1998 mit Greg Rusedski zusammenarbeitet, dessen Stuhl allerdings seit der Erstrunden-Pleite des Briten in Wimbledon wackelt. Brett ist mittlerweile unter anderem von dem Russen Marat Safin angesprochen worden, der sich von seinem Coach Andrej Tschesnokow nach knapp drei Monaten wieder getrennt hat.

Die Hintergründe für die Trennung wurden zunächst nicht bekannt, die Initiative soll jedoch von dem australischen Trainer ausgegangen sein. Brett verlangt von seinen Schützlingen stets hundertprozentigen Einsatz und Konzentration auf den Sport. "Ein Champion wird geboren, nicht gemacht. Entscheidend ist der Wille, alles zu geben", pflegt er zu sagen. "Wer sich mit 90 Prozent begnügt, vergisst, dass 100 Prozent möglich sind."

Das Jahr 2000 war wegen Kiefers Verletzungspech von etlichen Misserfolgen geprägt. Bereits im Februar erlitt er eine Blessur am Sprunggelenk, im März in Miami einen Syndesmose-Anriss im linken Bein, der ihn zu einer zweimonatigen Pause zwang. Sechsmal verlor Kiefer sein Auftaktmatch, die Masters-Turniere in Monte Carlo, Rom und Hamburg musste er ausfallen lassen. Im Champions Race der ATP ist Kiefer mittlerweile auf Position 20 zurückgefallen.