Transatlantik-Regatta: Finale Grande - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Transatlantik-Regatta Finale Grande

Es ist vollbracht: Die Spitzenreiter des Hauptfeldes lieferten sich vor Cuxhaven ein Herzschlag-Finale und erreichten nach 19 Tagen ihr Ziel. Die Herzenswünsche der Transatlantik-Segler gehen indes weit auseinander. Während die einen ein warmes Bett suchen, sehnen sich die anderen nach kühlem Bier.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Cuxhaven/Hamburg - Regen und ordentlich Wind um sechs Beaufort schoben die "Varuna" am Freitag kurz nach Mittag über die Ziellinie in Cuxhaven, empfangen von einer in Sturm und Regen begeistert ausharrenden Schar Angehöriger und Zuschauer.

"Das war eine fantastische Reise", sagt Eigner und Skipper Jens Kellinghusen. "Ich würde sofort wieder losfahren". Auch Kurt Fischer, der mit 86 Jahren älteste Teilnehmer der Regatta segelte an Bord der IMX 45 "Varuna" und berichtet von seiner sechsten Atlantiküberquerung. "Es war zeitweise sehr stürmisch, mehr als ich es zuvor erlebt habe, aber wir hatten eine gute Wettfahrt ohne große Probleme". Der erste Wunsch galt dennoch einer Dusche, aber zuerst wird die "Varuna" nach Hamburg weitersegeln um dort die Ankunft gebührend zu feiern.

Mit einem privaten Sonnenstrahl im Stürmischen Regenwetter kam auch die "Norddeutsche Vermögen Hamburg" vom Hamburgischen Verein Seefahrt um 14.40 Uhr und 19 Sekunden in Cuxhaven ins Ziel. "Wir hatten eine großartige Wettfahrt", freute sich Skipper Gero Brugmann. Isabel Kleinau, eine der drei Frauen an Bord der jüngsten Crew im Rennen strahlte über das ganze Gesicht "Gerade in den letzten Tagen haben wir uns schon sehr darauf gefreut anzukommen, jetzt wünsche ich mir vor allem ein trockenes Bett". Die NV Hamburg legte nur kurz an und rauschte auch weiter nach Hamburg zur Empfangsfeier.

Bürgermeisterliche Begrüßung

Spi-Ritt unter Mannschafts-Trimm: Die Discoverer erreicht die Ziellinie in Cuxhaven

Spi-Ritt unter Mannschafts-Trimm: Die Discoverer erreicht die Ziellinie in Cuxhaven

Foto: Michael Meyer/DCNAC
Elb-Piraten Die "Zukunft" durchpflügt die schwere See vor der Kugelbake an der Elbmündung

Elb-Piraten Die "Zukunft" durchpflügt die schwere See vor der Kugelbake an der Elbmündung

Foto: Michael Meyer/DCNAC
Begrüßungskomittee: Großer Empfang für die dicht hintereinander eingelaufenen Yachten im Segelclub Cuxhaven

Begrüßungskomittee: Großer Empfang für die dicht hintereinander eingelaufenen Yachten im Segelclub Cuxhaven

Foto: Michael Meyer/DCNAC
Der Schneelöwe als Seelöwe: Die "Snow Lion" in der Elbmündung

Der Schneelöwe als Seelöwe: Die "Snow Lion" in der Elbmündung

Foto: Michael Meyer
Lebendballast: Die junge Crew der "Norddeutsche Vermögen"

Lebendballast: Die junge Crew der "Norddeutsche Vermögen"

Foto: Michael Meyer / DCNAC

"Endlich keine Pulvernahrung mehr"

Am Freitag um 14.30 Uhr eröffnete Ole von Beust, Schirmherr der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge und erste Bürgermeister der Stadt Hamburg das Regattadorf auf der Kehrwiederspitz im Hamburger Hafen. Bei Sturm und Regen ähnelten die Bedingungen zur Eröffnungsfeier denen der Segler auf See. "Die DCNAC ist eine großartige Regatta, und fördert die Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland auf sinnvolle Art", freute sich auch Susan Elbow die amerikanische Generalkonsulin in Hamburg und hofft auf eine Wiederholung in zwei Jahren. Pünktlich zur Eröffnungsfeier kam auch die Albatros in Hamburg an, die bereits morgen um 07.03 Uhr in Cuxhaven die Ziellinie als 10. Yacht überquerte.



Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.



Schon am Donnerstagabend hatten sich sechs Hochseeyachten nach mehr als 3.600 Seemeilen von Newport/USA nach Cuxhaven ein Herzschlagfinale geliefert. Dabei erntete die umjubelte "World of TUI Hamburg" des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS), zu dessen 100. Geburtstag der Norddeutsche Regatta Verein (NRV) die DCNAC ausrichtet, die hohe Ehre des vorerst schnellsten deutschen Schiffes nach gesegelter Zeit.

Um wenige hundert Meter schlug sie nach dramatischen Stunden in der Deutschen Bucht die kleinere "Zukunft IV" vom Kieler Yacht Club (KYC), die allerdings bestes deutsches Boot nach gesegelter Zeit war. Sie liegt in der Gesamtwertung auf Rang vier hinter der "UCA" (ebenfalls Kiel), die eine Woche später gestartet erst Sonnabend früh im Ziel erwartet wird. Der Gesamtsieg ist der "Zaraffa" (USA) nur noch theoretisch streitig zu machen. Die "Team 888" aus England hatte Donnerstag Nacht rechnerisch schon 32 Stunden Rückstand.



"Endlich keine Pulvernahrung mehr"

Unter hellblauem Spinnaker surfte die knallgelbe "World of TUI Hamburg" mit gut elf Knoten Geschwindigkeit um 19.54 Uhr und 32 Sekunden über die Ziellinie.

"Ein phantastisches Rennen mit allen Höhen und Tiefen", berichtete Skipper Björn Woge, "und am Ende hatten wir ein unbeschreibliches Glücksgefühl." Zwei schwere Stürme musste die 13-Köpfige Crew überstehen, lag zwischenzeitig mehr als 50 Seemeilen hinter ihren direkten Konkurrenten, verlor aber nie den Mut und schon gar nicht die gute Laune. "Wir hatten trotz all der Strapazen unterwegs viel Spaß", sagte der entspannte Skipper.

Nach einer nervenaufreibenden Flautenschieberei in der letzten, der 18. Nacht auf See, waren die sechs Yachten eng zusammengerückt. Die "Tempest" mit US-amerikanischer Crew unter schwedischer Flagge hatte ihre klare Führung in der Verfolgergruppe eingebüßt und musste die "Snow Lion" passieren lassen. Der "Schneelöwe" war es schließlich auch, der den besten Weg aus dem unerwarteten Windloch fand und bereits am Donnerstagnachmittag um viertel nach drei im Ziel war.

Die ersten Frikadellen als Dinner schmeckten Ulli Münker von der "Kuh" genannten "Zukunft IV" am besten. "Endlich keine Pulvernahrung mehr", so der bärtige Skipper, der unnötiges Gewicht an Bord gespart und damit vielleicht einen entscheidenden Vorteil herausgeholt haben sollte. Exakt 19 Tage und 15 Sekunden war seine Elf unterwegs und hatte sich dabei das ganze Rennen einen unerbittlichen Zweikampf mit der "Discoverer" geliefert. Am Ende waren die Briten den Kieler Hochseeseglern unterlegen. Als die Tagesschau gerade angefangen hatte, rissen Münker & Co. die Arme hoch.

Schiffsmeldungen der Schlusslichter

Derweil übt man sich am hinteren Ende des Feldes in Galgenhumor. Von der "Leon de Mar" hieß es: "Unserem vortrefflichen Ziel, doch noch Vorletzter zu werden, scheint die "Salute" vehement einen Strich durch die Rechnung zu machen. Einmal selbst eingenommen, will sie diesen Platz nicht mehr hergeben. Da tröstet auch nicht, dass deren Crew ebenso wie unser Skipper aus Oldenburg stammt (in Hamburg fährt man gerne mal etwas schneller, in Oldenburg eher gemütlich).

Völlig unerheblich zu erwähnen, aber die kanadische "Frisco" liegt bereits uneinholbar hinten und hat somit unsere Träume und Hoffnungen auf das ultimative Schlusslicht zerstört. So bleibt uns nur, den Ehrgeiz zu entwickeln wenigstens als letztes deutsches Schiff über die Ziellinie zu gehen. Alle dazu notwendigen Maßnahmen sind in Angriff genommen und in eines jeden Rollenplan verankert worden."

Transatlantik-Regatta: Rennziegen und Seelenverkäufer Transatlantik-Regatta: Die Meute hetzt den schwarzen Schwan