Transatlantik-Regatta Mast- und Schotbruch
Newport/Hamburg - Nach rund 369 Seemeilen und einem schon fast uneinholbaren Vorsprung auf die unmittelbare Konkurrenz "Uca", "Zephyrus V" und "Windrose" musste die Crew der HSH Nordbank (ex "Morning Glory") gestern am späten Nachmittag den DaimlerChrysler North Atlantic Challenge aufgeben.
Ein meterlanger Riss an der Vorderseite des Kohlefasermastes ist der Grund für die bittere Entscheidung, denn der härteste Teil des Atlantikrennens über insgesamt 3600 Seemeilen stand Schiff und Mannschaft erst noch bevor. Bis zur Aufgabe lag die HSH Nordbank sowohl gesegelt wie auch berechnet weit vor der Konkurrenz des zweiten Starts.
Schnittig: Die HSH Nordbank beim Start
Foto: Daniel Forster/DCNAC
Punktgenau: Die Uca kurz vor der Startlinie
Foto: Daniel Forster/DCNAC
Fast gleichauf: Uca und HSA-Nordbank
Foto: Daniel Forster/DCNAC
Schlank, schwarz, schnell: Die Zephyrus V
Foto: Daniel Forster/DCNAC
Aufbruch vor dem Abbruch: Die Crew der "HSH Nordbank" nach dem Start
Foto: Daniel Forster/DCNAC
Windsbraut:Die Swan 48 "Elan" von Harald Baum aus Hamburg
Windfang: Der 46-Meter-Schoner "Windrose"
Unter Vollzeug: Die "Heaven can wait"
Erhaben: Blick aus dem Mast der Swan 65 "Kings Legend"
Betagter Racer: Die "Bank von Bremen" unter Spinnaker
"Wir mussten uns festhalten wie Klammeraffen"
Hochgerechnet auf die gesamte Flotte hatte es die Crew geschafft, innerhalb von nur einem Tag berechnet auf Platz sechs vorzufahren. Navigator Erik von Krause setzte die Wetterberatung des Meteorologen Meeno Schrader aus Kiel gekonnt um, die Yacht fuhr deutlich südlicher als alle anderen Schiffe und erwischte dadurch nicht nur als erste die günstigen Winde auf der Südseite eines durchziehenden Tiefdruckgebietes, sondern erreichte auch als erste den warmen Golfstrom, die über Stunden hinweg mit gut drei Knoten mitschob.
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Der Mastanbruch ereignete sich völlig überraschend gegen 10 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die HSH segelte im Golfstrom unter Spinnaker, als der Beschlag, der den Spinnakerbaum am Mast hält, brach, so dass der Baum heftig gegen den Mast gedrückt wurde. Crewmitglied Adam Ostenfeld, der schon in den 80er Jahren mit Dennis Connor um den America's Cup segelte, wurde durch den Schlag gegen die Seereling geschleudert. Nur seiner Geistesgegenwart ist es zu verdanken, dass er nicht über Bord ging. Zu dieser Zeit segelte die Yacht unter raumen Wind mit 18 Knoten und schönstem Sommerwetter, das Boot fuhr zeitweise über 20 Knoten.
Segler-Supergau
Nach telefonischer Rücksprache mit den Mastenbauern von Southern Spars in Auckland/Neuseeland bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen: Die Gefahr eines Mastbruches unter voller Belastung war so groß, dass Skipper Walter Meier-Kothe die endgültige Entscheidung, die Regatta aufzugeben, mit voller Zustimmung der gesamten Crew traf.
Nach dem Rennabbruch war die Stimmung an Bord zunächst am Boden, weil die HSH Nordbank bereits einen großen Vorsprung auf die Konkurrenz herausgesegelt hatte und der Abstand zur führenden Zaraffa immer kleiner wurde. Navigator von Krause hatte damit gerechnet, den Vorsprung durch unsere günstige Positionierung im Golfstrom und bei deutlich mehr Wind als die Konkurrenz bis zum Punkt Alpha auf etwa 100 Seemeilen ausbauen zu können.
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Skipper Meier-Kothe plant, den lädierten Mast sofort nach der Ankunft in Newport zu ziehen und von den örtlichen Mastenbauern der Firma Hall Spars untersuchen und reparieren zu lassen. Ziel der Crew ist es, so bald wie möglich durch den Englischen Kanal nach Hamburg zu segeln, um während der Festwoche auf der Kehrwiederspitze präsent zu sein.
Vor der Havarie war das Rennen für die HSH Nordbank hervorragend gelaufen. Unter Spinnaker hatten die fünf schnellsten Yachten am Sonnabend um 14.10 Uhr US-Ostküstenzeit die Verfolgung des Hauptfelds aufgenommen. Der Himmel war grau über der Narraganset Bucht, und es wehte eine mäßige Nordost-Brise. Dennoch boten die fünf Profiyachten ein imposantes Bild, als sie vor dem historischen Fort Adams die Regatta aufnahmen.
Die führende "Zaraffa" scheint trotz der geballten Konkurrenz im Rücken gegenwärtig uneinholbar. Sie hat bereits mehr als 2.000 Seemeilen hinter sich und liegt auf dem Weg nach Fair Isle, dem nächsten Wegpunkt im Norden Großbritanniens, mehr als 400 Seemeilen vor der "Tempest" (Schweden) als nächstem Boot.
Während die vier Nachzügler in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine Winddrehung um 180 Grad auf Südwest zu erwarten hatten, berichtete das Hauptfeld teils vom abflauenden Südsturm, teils von dessen Ausläufern. Felix Christiansen von der "Haspa Hamburg" meldete: "Unser Windmessgerät zeigte 45 Knoten an, was 9 Windstärken gleichkommt. Wir mussten uns festhalten wie Klammeraffen, um nicht von den einsteigenden Brechern durch die Gegend geschleudert zu werden. Wir hatten in Böen bald volle 58 Knoten Wind auf der Anzeige, was Windstärke 11 ("orkanartiger Sturm") bedeutet. Die Wellen hatten sich zu riesigen Bergen verwandelt."
Unter diesen Windbedingungen musste Skipper Ralph Lehner von der Segelyacht "Anny" am Sonntag seine Aufgabe mitteilen. Der Grund: Die Steuerung der Verstellpropeller, mit denen die Yacht unter Motor angetrieben wird, ist defekt. Die "Anny" will versuchen, Horta auf den Azoren zu erreichen. Auch die Kieler Yacht "D'Accord" meldete Abbruch nach Ruderbruch. Damit sind nach dem Untergang der Bremer "Monsun", bei dem am Freitag alle sechs Crewmitglieder gerettet wurden, nur noch 59 Yachten im Rennen.