Transatlantik-Regatta Rennziegen und Seelenverkäufer
Cuxhaven/Hamburg - Es war ein Flautenpoker, in der Nacht Donnerstagvon Mittwoch auf Donnstag stand es Spitz auf Knopf. Erst in den frühen Morgenstunden entwischte die amerikanische "Snow Lion" der Konkurrenz und lief um 15.14 Uhr und 33 Sekunden bei frischer Brise unter Spinnaker als zweite Yacht der DaimlerChyrsler North Atlantic Challenge 2003 in Cuxhaven über die Ziellinie.
Danach kippte die Tide in der Elbmündung wieder, und die nachfolgenden Boote, darunter die "Hansa" aus Glücksburg, die "Zukunft IV" aus Kiel, die "World of TUI Hamburg" und die "Vita Bella" aus Rendsburg, mussten gegen die Strömung segeln. Zwischen ihnen entwickelte sich ein spannender Mehrkampf mit der englischen "Discoverer" und der "Tempest" unter schwedischer Flagge, die alle am späten Nachmittag fast gleichauf lagen. Ihr Zieleinlauf wurde zwischen 19 und 20 Uhr deutscher Zeit erwartet.
"Es war eine lange, harte Regatta mit Flauten und Stürmen, und wir sind überglücklich, als Zweite in Deutschland angekommen zu sein", sagte "Snow Lion"-Eigner und -Skipper Lawrence Huntington nach dem Zieldurchgang. Stolz stand der Commodore des mitveranstaltenden New York Yacht Clubs (NYYC) selbst am Ruder seines feuerroten "Schneelöwen", hatte sich extra frisch rasiert und ein hellgelbes Polohemd angezogen.
"Ein Bier und eine Dusche"
Kämpft um einen der vorderen Plätze: Die X-612 "Hansa"
Foto: Daniel Forster/DCNA
Gute Perspektiven unter den Top-Ten: Die Kieler "Zukunft IV"
Foto: Daniel Forster/DCNAC
Auch im Zweikampf erfolgreich: Die "Snow Lion" vor der Hamburger "Varuna" von Jens Kellinghusen
Foto: Dan Nerney/DCNAC
Mit doppeltem Vorsegel: Die "Discoverer" der British Army
Foto: Dan Nerney/DCNAC
Bis zum Freibord im Wasser: Die US-amerikanische Ketsch "Tempest"
Foto: Dan Nerney/DCNAC"Neues aus der Tropfsteinhöhle"
"Die Crew ist zweimal so richtig gebeutelt worden, als wir bei schwerem Wetter gegen an
bolzen mussten", so der 68-Jährige. Es habe dabei außer einem gebrochenen
Spibaumbeschlag keine nennenswerten Schäden an Bord gegeben. "Ein Bier und
eine Dusche, in dieser Reihenfolge", so Huntington nach seinem
sehnlichsten Wunsch, aber vor allen ein reichhaltiges Dinner. "Wir hatten
zum Schluss nur noch Teebeutel und Zucker an Bord." Die für 19 Tage
geplanten Mahlzeiten waren restlos verputzt.
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Insgesamt brauchte die "Snow Lion" 18 Tage, 19 Stunden, 4 Minuten und 33 Sekunden für die 3.613 Seemeilen. Das ergab für sie vorläufig den 16. Platz in der Gesamtwertung nach berechneter Zeit.'
Wenig Glück mit Rasmus haben derzeit die beiden schnellen Racer "UCA" und "Team 888". Sie kämpfen auf der Westseite Großbritanniens mit leichten nördlichen Winden und verloren auf die in der Gesamtwertung führende "Zaraffa" (USA) weiter an Boden. Diese war bereits am vorigen Sonnabend eingelaufen und hatte nach berechneter Zeit schon 30 Stunden Abstand zum zweitplatzierten Open 60 "Team 888". Deren rechnerischer Vorsprung auf die "UCA" war auf gut zwölf Stunden geschmolzen, der wiederum die "Zukunft IV" bis auf sieben Stunden nahe kam.
"Neues aus der Tropfsteinhöhle"
Während vorne die Positionskämpfe in der Deutschen Bucht immer spannender wurden, erreichte die Regattaleitung unter dem Motto "Neues aus der Tropfsteinhöhle" ein Bericht der Frankfurter "Tom's Kahn", die noch mehr als 1000 Seemeilen vor sich hatte.
Auch die zweite Starkwindperiode hat Tom's Kahn gut überstanden. Wir sind weiter im Rennen, und hier gibt keiner auf. Ausfälle gab es allerdings schon zur Genüge: Diesel im Schiff, der Vorschiffsmann zog sich unter vollstem Einsatz beim Spibaum Manöver eine Platzwunde am Kopf zu, die wir sofort klammern mussten. Unser ARD-Pressemann aus München liegt seit Newport immer mal wieder seekrank in die Koje. Der erste Schiffstechniker hat sich bei dauerhaft feucht-kaltem Bordklima eine schwere Angina zugezogen und liegt mit Antibiotika vollgepumpt zeitweise flach.
Der Stromversorgung ging es ebenso und sie bleibt nach wie vor kritisch. Das liegt am Wasser im Dieseltank. Bei jedem Neuanwerfen der Maschine müssen Starter- und Verbraucherbatterien zusammengeklemmt werden. Ein noch immer ungeklärter Wassereinbruch gibt uns Rätsel auf. Selbst die Frischwasserpumpe muss umgebaut zum Lenzen herhalten. 100 Liter Wasser pumpen wir 3x täglich aus der Bilge. An Bord, alles nass und salzig, wir leben in einer Tropfsteinhöhle, wie wahrscheinlich viele andere Mannschaften auch.
Selbst die Schwimmwesten haben sich im Vorschiff selbständig gemacht und sorgen nun für mehr Auftrieb. Heute musste das Groß runter. Alle Latten waren gebrochen. Also: Ersatzlatten sägen und einsetzen, Bruchstellen nähen und wieder hoch damit. Weiter geht's."
Unterdessen musste die Skye 51 "Hobby" von Johan Stefan Reith aus Hamburg wegen technischer Probleme das Rennen aufgeben. Sie will trotzdem versuchen, nach Hamburg durchzufahren. Damit sind zehn der 63 gestarteten Yachten der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge 2003 ausgeschieden.