Mangel an offener Diskussionskultur Transparency International kritisiert DFB und DOSB
DFB-Zentrale in Frankfurt am Main
Foto: DPATransparency International hat Kritik an den beiden großen deutschen Sportverbänden DOSB und DFB geübt. In einer Stellungnahme der Anti-Korruptions-Organisation anlässlich einer Anhörung des Sportausschusses des Bundestags wurde bemängelt, "wie sehr es im deutschen Sport in der Praxis noch an einer offenen Diskussionskultur und tatsächlichen Beteiligung mangelt". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung " hatte als Erstes von den Vorwürfen berichtet.
Dem DOSB wirft Transparency vor, beim bisherigen Vorgehen zur Spitzensportreform Transparenz und Partizipation, "zwei wesentliche Elemente von Good Governance", vernachlässigt zu haben. Durch die Reform sollen Verbände, die gute Aussichten auf Erfolg bei internationalen Sportereignissen haben, mehr und eher perspektivlose Verbände weniger Geld erhalten. Der DOSB wollte sich zu den Vorwürfen vor der Sitzung des Ausschusses noch nicht äußern.
Auch der DFB wird von Transparency kritisiert: Konkret geht es um die Zusammensetzung der neuen Ethikkommission. Zwar sei das Gremium mit Personen "von außen" besetzt worden, allerdings seien diese vom DFB-Präsidenten "höchstpersönlich" ausgewählt worden und den Delegierten erst "unmittelbar vor der Wahl" vorgeschlagen worden. "Das entspricht nicht den Erwartungen an eine wirklich unabhängige Besetzung", urteilt Transparency.
Der Fußballbund kommentierte die Vorwürfe auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE so: "Die Ethikkommission besteht aus fachlich und menschlich besonders geeigneten, integren Persönlichkeiten, gegen die bisher von niemandem irgendwelche Bedenken geäußert worden sind. Es war vielmehr Bestreben des DFB, nicht durch Indiskretionen im Vorfeld des DFB-Bundestages die Arbeit der Kommission zu belasten."
Des Weiteren bemängelte die Organisation fehlende politische Initiativen im deutschen Sport, die über Einzelreaktionen hinausgehen. Als Beispiel wurde der Umgang des DOSB mit den Europaspielen in Baku genannt. Zwar habe der Verband mit Menschenrechtsorganisationen gesprochen, in seinem Jahresbericht 2015 aber "nur über die sportlichen Aspekte der Veranstaltung" geschrieben. "In vielen Köpfen scheint die Mär vom 'unpolitischen Sport' weiter eine Rolle zu spielen", schreibt Transparency.