Tröger vs. Steinbach Kampf der Generationen im NOK
Nürnberg - "Wer Veränderung will, wer das NOK vorwärts bringen will, der muss Steinbach wählen. Ich kandidiere, weil ich der Überzeugung bin, dass ich einiges besser machen kann. Der Generationswechsel im NOK ist gewollt und sinnvoll. Die Fachverbände wollen die Fortsetzung des Bestehenden nicht mehr", so Steinbach. "Wir brauchen einen langen Atem, und da spricht auch der biologische Vorteil für mich", fügte der Herausforderer mit Blick auf die 73 Jahre seines Konkurrenten hinzu.
Der frühere Weltklasseschwimmer und heutige Orthopäde Steinbach definiert sich als Anwalt der Athleten. "Der olympische Spitzensport muss sich profilstärker darstellen. Ich will vor allem eine enge Kooperation mit dem deutschen Sportbund erreichen", sagt der 48-Jährige. Für den Fall seiner Wahl wolle er die führenden deutschen Sportorganisationen zu mehr Gemeinsamkeit aufrufen.
"Schlechter Stil"
Tröger, der seit 1992 Präsident des NOK ist, widerspricht Steinbach und machte klar, dass niemand kompetenter als er selbst sei. "Jeder kennt mich und weiß, was er an mir hat. Ein abrupter Wechsel ist total falsch und gegen die Interessen des NOK gerichtet", stellte der Amtsinhaber klar. "Die meisten meiner Kollegen sind der Ansicht, dass ich auch im Anschluss an meine bisherige Amtszeit noch wichtige Aufgaben zu erfüllen habe", so Tröger weiter. Steinbachs Attacken wertete er als "schlechten Stil".
Tröger sieht bei einem Wahlsieg seine künftige Hauptaufgabe darin, eine deutsche Olympiabewerbung zum Erfolg zu führen. "Olympia 2012 ist eine große Herausforderung", so Tröger.
Keine Stimmenmehrheit über die Verbände
Der Ausgang der Wahl ist noch offen, weil unklar ist, wie sich die 32 im Wahlgremium vertretenen Fachverbände entscheiden. Tröger kann mit der Unterstützung der Wintersportverbände rechnen. Steinbach baut auf große Verbände wie den Deutschen Schwimm-Verband.
Es scheint jedoch ausgeschlossen, dass ein Kandidat bereits über die Verbände die notwendige Stimmenmehrheit von 70 erhält. Zünglein an der Waage könnten die elf Ex-Officio- und 32 persönlichen Mitglieder werden. Letzteren kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie noch vor der Abstimmung über den zukünftigen NOK-Präsidenten neu gewählt werden. "Beide Lager versuchen Kandidaten durchzusetzen, die den Anhang ihres Favoriten stärken sollen", sagte ein NOK-Mitglied.
Sollte Tröger in Nürnberg scheitern, wäre er der erste abgewählte deutsche NOK-Präsident. Um ein solches Szenario zu verhindern, hatten führende NOK-Vertreter den Präsidenten noch am Tag vor der Wahl zu einem ehrenhaften Verzicht überreden wollen, denn selbst ein knapper Wahlsieg Trögers käme einer Demontage des 73-Jährigen gleich. Doch Tröger lehnte ab. "Meine Entscheidung steht fest. Ich denke nicht daran, zurückzuziehen", sagte er am Samstag.