TV-Rechte: Das große Feilschen - DER SPIEGEL
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TV-Rechte Das große Feilschen

Es ist das Jahr der großen Verhandlungen: Nahezu alle großen TV-Rechte im deutschen Fußball sind auf dem Markt. Das IOC sucht einen Abnehmer für zwei Olympische Spiele, verlangt aber bislang zu viel Geld. Das Magazin "SPONSORS" analysiert das Milliardengeschäft.
Von Holger Rehm
Bayern-Profi Schweinsteiger: Ringen um die begehrten Fußballrechte
Bayern-Profi Schweinsteiger: Ringen um die begehrten Fußballrechte

Bayern-Profi Schweinsteiger: Ringen um die begehrten Fußballrechte

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei Verhandlungen großer Medienrechte ist es wichtig, den Kopf freizuhaben. Das weiß auch Christian Seifert. Da passt es, dass sein Arbeitsvertrag als Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bereits vorzeitig um ein weiteres Jahr, bis Juli 2014, verlängert wurde. Eine Verhandlung weniger. Der DFL-Chef kann sich nun voll und ganz auf die anstehende Ausschreibung der Bundesliga-Medienrechte konzentrieren.

Neben den DFL-Lizenzen sind auch fast alle anderen großen Fußballrechte auf dem Markt: die der EM 2016, der Champions League, der Europa League und die des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Zudem sucht auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch immer einen deutschen Abnehmer für seine Medienrechte der Wettbewerbe 2014 und 2016. Eine Entscheidung wird in diesem Jahr gefällt werden müssen. Nimmt man diverse kleinere Rechte noch hinzu, so geht es insgesamt um ein Sportrechtevolumen in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Die taktischen Spielchen, von kluger Paketierung bis zum Timing der Ausschreibung, werden dabei allzu gerne über die Medien ausgetragen.

Vertragspoker um Olympia

Ein ansehnliches Fallbeispiel bieten hierzu gerade die öffentlich-rechtlichen Sender und das IOC. Es geht um die Übertragungsrechte der bevorstehenden Olympischen Spiele: Das IOC wollte ursprünglich 180 Millionen Euro für die Übertragung in Deutschland, ARD und ZDF wollen aber nur knapp 100 Millionen Euro bezahlen. Auch wenn das IOC seine ursprünglichen Vorstellungen mittlerweile etwas nach unten korrigiert haben soll, liegen beide Parteien noch weit voneinander entfernt.

ARD und ZDF können es sich kaum leisten, auf die Übertragung der Olympischen Spiele zu verzichten. Dennoch betont ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: "Wir wollen die Olympischen Spiele zeigen, werden uns aber nicht unter Druck setzen lassen". Auch die ARD entscheide, so Balkausky weiter, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, im Sinne des Gebührenzahlers.

Andererseits kann auch das IOC kein Interesse daran haben, Olympia in Deutschland über einen Spartenkanal auszustrahlen. Im Vollprogramm fehlt es dem Komitee an ernst zu nehmenden Alternativen: Dass Sat.1, RTL und Co. eine entscheidende Rolle im Bieterkampf spielen werden, ist äußerst unwahrscheinlich.

Auch Sky nehmen viele Experten nicht wirklich ernst. Der Bezahlsender dürfte, so schreibt es der Rundfunkstaatsvertrag vor, die Olympia-Rechte nicht exklusiv ausstrahlen. Ob die Münchner daher weiter an ihrer rund 100 Millionen Euro hohen Offerte festhalten werden, scheint mehr als fraglich.

Sat.1 buhlt um Fußballrechte

Auf die Fußballrechte im deutschen Fernsehen spekuliert neben den Öffentlich-Rechtlichen vor allem der Privatsender Sat.1. Marktbeobachter glauben zu wissen, dass der Münchner Sender nicht nur an der Champions League festhalten möchte, sondern zudem noch auf ein zweites Fußballrecht hofft. Alternativen wären der DFB-Pokal oder auch die Spiele der deutschen Nationalmannschaft.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte angekündigt, erstmals seine Übertragungsrechte am DFB-Pokal öffentlich auszuschreiben. Wie Generalsekretär Wolfgang Niersbach verriet, befinde man sich dazu bereits in Gesprächen mit dem Kartellamt. Bislang wurden die DFB-Pokal-Rechte zusammen mit den Männer-Länderspielen, dem Frauenfußball sowie der Dritten Liga und Regionalliga im Paket an ARD und ZDF veräußert.

Möglich also, dass der DFB neben seinem Pokalwettbewerb erstmals auch seine verbleibenden Rechte separat ausschreibt. "Möglichkeiten gibt es in diesem Jahr viele", sagt Philipp Geiss. In die Karten schauen lassen will sich der Sportdirektor der Pro Sieben Sat.1 Media AG aber nicht. "Wir werden am Ende des Jahres aber nicht mit leeren Händen dastehen", ist er überzeugt, "es muss ja schließlich nicht immer alles exklusiv sein." Sein Sender sei auch bereit, mit anderen Anstalten zu kooperieren und Rechte aufzuteilen. "Wenn das Paket stimmt und man sich die Lizenzen möglicherweise alleine nicht leisten kann", so Geiss.

"Das ist absoluter Quatsch"

Dabei könnte schon bald ein Budget für Neueinkäufe frei werden. Angeblich will sich Sat.1 zur Saison 2012/2013 wieder von der Europa League trennen. Bereits in dieser Saison, so wollen es verschiedene Medienexperten beobachtet haben, hätte Sat.1 seine Übertragungslizenz am liebsten vorzeitig an den europäischen Fußballverband Uefa zurückgegeben.

Unbekannte und deshalb weniger interessante Vorrundengegner deutscher Teams hätten dem Privatsender die Lust am Nachfolger des Uefa Cups genommen. "Das ist absoluter Quatsch", kommentiert Sportdirektor Geiss, "wir setzen uns doch nicht aufwendig in einem Bieterverfahren durch, um die Rechte bei zwei schwächeren Partien nach der Hälfte der Vertragsperiode wieder abzugeben". Gegen schwächere Clubs und Spiele sei man nie gefeit. "Das ist wie in Hollywood einkaufen: Man hat immer A-, B- und C-Filme, also eine Mischkalkulation. Bei einem Fußballrecht wie der Europa League ist das nicht anders", so Geiss.

DFL-Mann Seifert will die Bundesliga-Ausschreibung unterdessen bis spätestens Mai 2012 abschließen. Dass er den Termin einhalten wird, daran zweifelt niemand. Bei der Vergabe der Rechte muss die DFL jedoch einen Spagat schaffen und zum einen seinen klammen Hauptgeldgeber Sky Deutschland bei der Stange halten, zum anderen aber auch neue Player in den Markt lotsen. Der Bezahlsender Sky kündigte zuletzt an, sich die Rechte für die Bundesliga-Übertragungen für die nächsten Jahrzehnte sichern zu wollen.

Weitere Bieter sollen für Wettbewerb sorgen und die Rechteerlöse nach oben treiben. Doch die Liga-Führung zeigt sich realistisch. Auf dem Neujahrsempfang der DFL betonte Liga-Präsident Reinhardt Rauball einmal mehr, dass man nicht davon ausgehe, nennenswerte Erlössteigerungen aus den Medienrechten der Fußball-Bundesliga erzielen zu können. Derzeit sind es 412 Millionen Euro pro Jahr für die erste und zweite Bundesliga.