Ullrich-Reaktionen: "Letzte Chance verpasst" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ullrich-Reaktionen "Letzte Chance verpasst"

Der Auftritt von Jan Ullrich im Hamburger Hotel Intercontinental hat kritische Reaktionen bei jenen ausgelöst, die vom einstigen Radstar attackiert worden waren. Frühere Weggefährten bedauern den Rücktritt - und die Art und Weise, wie er verkündet wurde.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jan Ullrich bleibt auch nach seinem Rücktritt von der aktiven Radsport-Karriere umstritten. Während Weggefährten wie sein früherer Trainer Peter Becker oder sein Manager Wolfgang Strohband ihm die Treue halten, musste Ullrich sich von Funktionären zum Teil harte Kritik an seinem Auftritt in Hamburg gefallen lassen. "Mit der Erklärung von heute hat er wohl auch die letzte Chance verpasst, für Aufklärung zu sorgen", sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Ähnlich äußerte sich Rudolf Scharping, der vom Ex-Profi besonders heftig attackiert worden war. "Auch heute hat Jan Ullrich nichts zur Aufklärung beigetragen", sagte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer: "Ein großes Talent, so große Möglichkeiten und Erfolge - das alles könnte ohne Schatten strahlen, wären da nicht mindestens das letzte Jahr, die schwerwiegenden Indizien und eine verwirrende Verzögerungstaktik", sagte Scharping.

Kritisch äußerte sich der Molekularbiologe und Anti-Dopingkämpfer Werner Franke: "Man konnte kein anderes Verhalten von Jan Ullrich erwarten wie jenes, das er heute bei seinem Auftritt gezeigt hat. Das ist Schadensbegrenzung. Was ist das übrigens für eine Pressekonferenz, wo keine Fragen gestellt werden dürfen? Warum gehen die Journalisten da hin?." Franke kündigte an: Ich werde im Zivilstreit weitergehen. Allein die Unterlagen der Guardia Civil in Spanien und die Ergebnisse der Hausdurchsuchungen bei Fuentes beweisen, dass da ein total kriminelles System dahinter steckt."

T-Mobile-Teamchef Rolf Aldag, der früher gemeinsam mit Ullrich beim Team Telekom und T-Mobile startete, sagte SPIEGEL ONLINE: "Das ist nicht das Ende, das ich irgendjemandem wünsche. Besonders nach den vielen Monaten des Hinhaltens. Ich wünsche ihm als Menschen trotzdem viel Glück in der Zukunft. Sowohl mit seiner Familie, die wohl mit ein Grund für den Rücktritt war. Aber auch für seine Beratertätigkeit, viel Radsporterfahrung hat er ja."

Unterstützung bekam Ullrich vor allem von alten Weggefährten, die sich trotz der Doping-Vorwürfe eine Fortsetzung der Karriere gewünscht hätten. "Ich hätte es sehr gut gefunden, wenn er weiterfährt", sagte sein früherer Trainer Peter Becker. "Man muss es akzeptieren, auch wenn es schwerfällt." Manager Wolfgang Strohband, der weiter mit Ullrich zusammenarbeiten wird, sagte: "Ich hätte ihn auch lieber weiter auf dem Rennrad gesehen."

all/sid/dpa

Mehr lesen über