Urteil Baumann darf nicht starten
Sydney - Dieter Baumann ist vom Arbitration Panel des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF bis zum 21. Januar 2002 gesperrt worden. Dies verkündete am Montag der Leichtathletik-Weltverband IAAF in der Olympiastadt Sydney. Das dreiköpfige IAAF-Panel unter Leitung von Lin Kok Loh (Singapur) entschied, dass der 35-Jährige zwei Doping-Vergehen am 19. Oktober und 12. November 1999 begangen habe.
Laut IAAF-Panel war die Entscheidung des Unabhängigen Schiedsgerichts des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) vom 13. Juli falsch. Das DLV-Gremium hatte Versäumnisse im Zusammenhang mit der Entnahme, Lagerung und dem Transport der beiden Nandrolon-Proben gesehen sowie Baumanns Schuld als nicht erwiesen bewertet.
"Es ist schief gelaufen", kommentierte Baumanns Anwalt Dr. Lehner, der Hoffnungen in Baumanns fast einstündigen Auftritt am Samstag vor dem Panel gesetzt hatte. Lehner bestätigte, dass er nun wie bereits angekündigt den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) des Internationalen Olympischen Komitees anrufen werde. Nur so könnte noch erreicht werden, dass Baumann am 27. September im 5000-Meter-Vorlauf antritt und acht Jahre nach dem Gold von Barcelona seine vierten Olympischen Spiele erlebt. Allerdings sind die Chancen eher gering, denn der Leichtathletik-Weltverband erkennt den CAS nicht an.
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) wird dagegen nicht gegen die vom Schiedsgericht des Weltverbandes IAAF verhängte Dopingsperre vorgehen. "Für uns ist dies die letztinstanzliche ordentliche Entscheidung. Diese hat das Mitglied, und der DLV ist Mitglied der IAAF, zu respektieren und in gewisser Weise auch zu akzeptieren", erklärte DLV-Präsident Helmut Digel am Montag in Sydney. Gleichzeitig kündigte er jedoch an, juristische Schritte gegen das Regelwerk des Weltverbandes zu prüfen. "Das hat aber nichts mit der Startberechtigung für Dieter Baumann hier bei den Olympischen Spielen zu tun", sagte Digel. Unter Berufung auf die IAAF-Regel 60.2 belegte das IAAF-Panel Baumann mit einer Zwei-Jahres-Sperre ab dem Datum der Anhörung vor seinem Schiedsgericht am 16. September 2000. Angerechnet wird der Zeitraum der Suspendierung durch den DLV. Diese war am 19. November 1999 ausgesprochen und am 13. Juli 2000 endgültig aufgehoben worden. Alle seitdem erzielten Ergebnisse inklusive seines deutschen Meistertitels vom 29. Juli in Braunschweig werden nach IAAF-Regel 59.4 annulliert.
Neben dem Vorsitzenden Lin Kok Loh gehörten Monty Hacker (Südafrika) und Conny Jörneklint (Schweden) dem Arbitration Panel an.