US Open: Die Hölle von Tulsa - DER SPIEGEL
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US Open Die Hölle von Tulsa

Brütende Hitze, handtuchschmale Fairways, Grüns so hart wie Glasplatten. Bei der heute beginnenden US Open werden den Golfern die Daumenschrauben angesetzt.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tulsa - Jesper Parnevik stöhnte, als er am Montag die kühlenden Räume des Clubhauses im Southern Hills Country Club erreichte. Der modebewusste Schwede war von einer Trainingseinheit auf der Driving Range zurückgekehrt und musste sich anschließend neu einkleiden. Sein schwarzes Hemd war klatschnass, und die Schweißperlen liefen Parnevik in Strömen übers Gesicht. "So eine Hitze habe ich noch nie erlebt", schüttelte der 36-Jährige den Kopf, strich seine für den späten Nachmittag angesetzte Trainingsrunde und wird statt in Schwarz nun hellbekleidet ins Turnier gehen.

Lüftchen wie aus dem Pizzaofen


Willkommen in Tulsa, willkommen in Oklahoma, willkommen in den Südstaaten der USA. Wenn am Donnerstag die 156 Spieler zur US Open der Golfer antreten, wird die Hitze seine Opfer fordern. 32 bis 38 Grad im Schatten herrschen durchschnittlich in Oklahoma zu dieser Jahreszeit. Kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen, und wenn ein Lüftchen weht, glaubt man, der Wind kommt direkt aus einem aufgeheizten Pizzaofen.

Schweiß wird auf jeden Fall fließen müssen, sollte bei der mit fünf Millionen Dollar dotierten Veranstaltung der erneute Triumphzug von Tiger Woods irgendwie gestoppt werden. Noch nie in der Geschichte des Golfsports gab es einen Spieler, der seine Sportart dermaßen beherrscht hat wie der 25-jährige Kalifornier. Das wird auch bei der zum 101. Mal ausgespielten US Open so sein. Die letzten vier Major-Titel in Folge hat Woods gewonnen. Und auf den Turnieren ging es zuletzt nur noch um die Frage, auf welche Art und Weise der Weltranglistenerste gewinnen wird.

"Besser als bei den Masters"


Auch für seinen Auftritt im Southern Hills Country Club in Tulsa hat Tiger Woods angekündigt, dass sein Hunger nach Siegen noch lange nicht gestillt ist. "Im Augenblick treffe ich den Ball sehr knackig und sauber. Bei dem dicken Bermuda-Gras hier in Southern Hills ist das von Vorteil", sagt Woods und kündigt der Konkurrenz Böses an: "Im April bei den Masters war ich längst nicht so gut drauf."

Was anderen Golfer als bodenlose Arroganz ausgelegt würde, klingt bei Woods wie eine Selbstverständlichkeit. Im Augenblick wird in den USA debattiert, welche sportliche Leistung der Nation am höchsten einzuschätzen ist: Joe DiMaggios Schlagserie über 56 Spiele im Baseball, Wilt Chamberlains 100-Punkte-Spiel im Basketball oder der sogenannte "Tigerslam", die vier Major-Titel in Folge, die Woods seit der letzten US Open gewonnen hat.

Keine lauten Töne der Herausforderer


Für die Wettbüros in Las Vegas ist die Sache klar: Diejenigen, die auf Tiger Woods setzen, bekommen bei einem Sieg des besten Golfers der Welt in Tulsa gerade mal ihren Einsatz zurück. Kein Wunder, dass die Kandidaten, die Woods zum Duell herausfordern könnten, vor dem ersten Abschlag nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzen. So sagt der zweifache US-Open-Sieger Ernie Els aus Südafrika stellvertretend: "Nur wenn Tiger mittelmäßig spielt, haben wir eine Chance." Der Amerikaner Lee Janzen, Sieger im Jahre 1993 und 1998, schlägt in die gleiche Kerbe: "Wir spielen hier alle gegen einen."

Einer der sich im Windschatten der möglichen Herausforderer Hoffnungen macht, ist Bernhard Langer. Der 43-Jährige hat mit hervorragenden Leistungen auf der diesjährigen US-Tour auf sich aufmerksam machen können. Nach zwei dritten Plätzen und dem sechsten Platz - als bester Europäer - bei den Masters folgte am vergangenen Wochenende der zweite Rang bei der St. Jude Classic in Memphis, wo er sich nur dem Amerikaner Bob Estes geschlagen geben musste. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Saison. Ich habe gute Turniere gespielt und fühle mich in Form", sagt Langer. "Ich habe zwar noch kein Turnier gewonnen, aber das wird hoffentlich bald geschehen."

Grüns hart wie Glasplatten


Sollte ihm dieser Sieg ausgerechnet in der brütenden Hitze von Oklahoma gelingen, wäre das eine Riesenüberraschung. Denn über 31 Jahre ist es nun schon her, dass ein Europäer das sportlich anspruchsvollste aller vier Major-Turniere gewinnen konnte. Der Ehrgeiz der Veranstalter ist es, den Golfprofis das Leben während einer US Open zur Hölle zu machen und den Platz so schwierig zu gestalten, dass dabei nicht selten die Grenzen zur Unfairness überschritten werden: Grüns schnell und hart wie Glasplatten, handtuchschmale Fairways, nach hinten versetzte Abschläge und Roughs mit fast kniehohen Gräsern. Wer Par spielt, darf sich glücklich schätzen. Bernhard Langer hat insbesondere die Grüns Nummer 9 und 18 als problematisch ausgemacht: "Die sind nahezu unspielbar. Zu hart und zu den Seiten abhängend. Wie das gehen soll, weiß kein Mensch."