US Open Ein "Sister Act" der Langeweile
New York - Als Serena Williams bei den US Open in New York ihr drittes Grand-Slam-Finale in Serie gegen Venus gewann, wollte im Arthur Ashe Stadium kaum Freude aufkommen. Der unspektakuläre 6:4, 6:3-Erfolg über die ältere Schwester bedeutete für die Siegerin weiterhin die Spitze der Weltrangliste und das Rekordpreisgeld von 900.000 Dollar, doch im Duell der beiden Spielerinnen blieb die Qualität des Tennis einmal mehr auf der Strecke.
Wie in den vorherigen Familienduellen droschen sich die Schwestern die Bälle mit schier unglaublicher Gewalt um die Ohren, produzierten dabei aber neben einigen spektakulären Aktionen auch einen erheblichen Anteil an spielerischen Fehlern. Ein Blick in die Statistik machte vor allem die Verliererin als Verursacherin des schwachen Niveaus aus. 33 vermeidbare und zehn Doppelfehler standen für Venus zu Buche, ihre sonst so nervenstarke Schwester konnte allerdings nur fünf von inflationären 17 Breakbällen nutzen.
"Das Niveau war sicher nicht so hoch wie bei unserem Finale in Wimbledon", gab Serena zu, der bei Spielende wohl auch deshalb das Jubeln etwas schwer fiel. Und nicht nur ihr - nach dem verwandelten ersten Matchball spendeten die 21.000 Zuschauer höflichen Applaus, doch ähnliche Begeisterung wie zuvor beim Showdown zwischen Andre Agassi und Lleyton Hewitt wollte in der Night Session nicht annähernd aufkommen.
Die bei Niederlagen oft verbissene Venus gab sich als faire Verliererin: "Es lag nicht allein an meinem mäßigen Spiel. Meine kleine Schwester war einfach eine Klasse besser, ich bin stolz auf sie." Dass sich Serena nach ihrem "Mini Grand Slam" - bei den Australian Open konnte sie wegen Verletzung nicht antreten - wohl für Monate an der Spitze der Weltrangliste festsetzt, wurde im Hause Williams mit Wohlwollen registriert. Der Kommentar des skurrilen Vaters Richard dürfte der Konkurrenz Sorgen bereiten: "Der Williams-Express ist gerade erst gestartet. Die Dominanz meiner Töchter wird immer stärker werden."