US Open Historisches Schwesternfinale
New York - Die Williams-Schwestern haben mit ihrem Finaleinzug bei den US Open Tennis-Geschichte geschrieben. Seit der Wimbledon-Premiere der Damen vor 117 Jahren haben sich noch nie zwei Schwestern im Endspiel eines der vier wichtigsten Turniere der Welt gegenübergestanden. Zu großer Freude von Vater Richard Williams.
Vater Williams taucht unter
Der nicht gerade für seine Bescheidenheit bekannt gewordene Familien-Patron hatte schon vor einigen Jahren angekündigt, was in New York Realität wurde. Vom Duell der "Williams gegen die Welt" hatte das US-Magazin "Time" vor Turnierbeginn geschrieben. "Dafür habe ich mein ganzes Leben gearbeitet. Ich war so aufgeregt", gab der verbal oft geprügelte Papa Richard nach dem Familien-Triumph zu.
Ganz Amerika durfte seinen Kindern im Endspiel zuschauen, denn das Duell zwischen den Siegerinnen der vergangenen beiden Jahre wurde für Samstagabend zur besten Sendezeit angesetzt. Der Sender CBS hatte erstmals eine Übertragung in der "Prime Time" durchgesetzt. Richard Williams kündigte nach dem Halbfinale die Rückkehr zum Familiensitz nach Florida an, ein Live-Erlebnis in New York wollte er sich ersparen: "Ich kann mir das Finale einfach nicht ansehen."
Versöhnung mit Amerika
Im Halbfinale über Martina Hingis triumphierte Serena mit 6:3, 6:2 und hatte im Verlaufe der Partie die Zuschauer auf ihre Seite gezogen. Vergessen war der Knatsch vom letzten Jahr, als der Williams-Clan eine kurzfristige Turnierabsage mit unterschwelligem Rassismus begründete und sich den Zorn der Sportnation auf sich zogen. Im letzten Jahr bei den Wettkämpfen in Flushing Meadows wurde beide Schwestern noch ausgebuht, jetzt haben sie sich wieder mit der amerikanischen Öffentlichkeit versöhnt.
Selbst beim Aufeinandertreffen von Jennifer Capriati und Venus Williams waren die Sympathien unter den 23.000 Zuschauern im Arthur-Ashe-Stadium auf beide Spielerinnen verteilt. Venus Williams siegte mit 6:4, 6:2 und betonte danach: "Unsere Eltern haben uns eine positive Einstellung vermittelt. Ohne sie wären wir nicht hier." Die Arbeit wurde in Flushing Meadows geteilt: Vater Richard coachte Serena, Mutter Oracene betreute Venus.
Ära Hingis abgelaufen?
"Mir ist hier die Luft ausgegangen", räumte Capriati nach der Niederlage gegen Venus ein. Selbst Martina Hingis schien der Athletik und Kraft Serenas noch weniger gewachsen. Eingestehen mochte sie dies die Schweizerin nach 204 Wochen als Nummer eins nur halbherzig: "Serena hat mich nicht von Anfang an vom Platz geschossen. Ich hatte meine Chancen. Aber ich war zu defensiv." Es reicht aber für die Schweizerin einfach nicht mehr, die Bälle nur im Spiel zu halten. Wenn Venus und Serena ab dem kommenden Jahr wie angekündigt mehr Turniere als bisher spielen sollten und Jennifer Capriati ihr Niveau halten kann, ist die Wachablösung nur eine Frage der Zeit.