US Open: Kiefer erstmals im Viertelfinale - DER SPIEGEL
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US Open Kiefer erstmals im Viertelfinale

Überraschend hat sich der deutsche Tennisprofi Nicolas Kiefer im Viertelfinale der US Open gegen den an Nummer drei gesetzten Schweden Magnus Norman behauptet.
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New York - Nicolas Kiefers Triumphzug bei den US Open setzt sich fort. Der Deutsche sorgte mit seinem nie gefährdeten 6:2, 6:7(3:7), 6:1, 6:3-Erfolg über den an Nummer drei gesetzten Magnus Norman (Schweden) für eine der größten Überraschungen des Turniers und erreichte erstmals in seiner Karriere das Viertelfinale in Flushing Meadows. Dort trifft der Holzmindener am Donnerstag auf den Russen Marat Safin (Nummer 6 der Setzliste), der Juan Carlos Ferrero (Spanien, Nr.12) deutlich mit 6:1, 6:2, 6:2 bezwang.

Nach genau 3:00 Stunden verwandelte Kiefer seinen insgesamt sechsten Matchball. Somit steht der Olympia-Teilnehmer zusammen mit Anke Huber in der Runde der letzten Acht. Die Karlsdorferin hatte in der Damenkonkurrenz bereits am Vortag das Viertelfinale erreicht, sie bekommt es mit dem russischen Nachwuchsstar Elena Dementiewa zu tun.

Kiefer erwischte bei seinem Centercourt-Debüt mit einem schnellen Break zum 2:0 den besseren Start, profitierte dabei aber von zwei Doppelfehlern des Schweden, der 36 Stunden nach den Strapazen seines vierstündigen Tiebreak-Krimis gegen den Weißrussen Max Mirnyi phasenweise unkonzentriert wirkte. Zudem schlug der Deutsche glänzend auf, konnte im ersten Durchgang dank seines starken Service zwei Mal beim Stand von 15:40 den Kopf aus der Schlinge ziehen.

"Vielleicht habe ich Glück und er nach all seinen Erfolgen der vergangenen Wochen zuviel Selbstvertrauen", hatte Kiefer vor dem Match in Bezug auf eine erfolgreiche Revanche für die Viertelfinalniederlage bei den Australian Open erklärt. Der Optimismus erwies sich als berechtigt: der aufopferungsvoll kämpfende Deutsche begeisterte die knapp 3000 Zuschauer im spärlich gefällten Arthur-Ashe-Stadium mit brillianten Passierschlägen, behielt selbst in langen Grundlinienduellen gegen den wegen seiner mächtigen Vorhand gefürchteten Hingis-Freundes die Oberhand.

Dieser durfte zumindest nach Ende des zweiten Durchganges noch einmal Hoffnung schöpfen, als Kiefer ihm dank einer kurzen mentalen Auszeit im Tiebreak vier Punkte in Folge und den Satzgewinn "schenkte". Doch der in Flushing Meadows an Nummer 14 gesetzte Deutsche zeigte sich unbeeindruckt, sorgte im dritten Satz mit insgesamt vier Breaks für die Vorentscheidung. Norman - mit der Empfehlung von vier Turniersiegen nach New York angereist und nach dem Ausfall von Andre Agassi und Gustavo Kuerten der höchtstgesetzte Spieler des Turniers - hatte auch im vierten Durchgang kaum eine Chance.

Pete Sampras hatte sich bereits am Montag für das Viertelfinale qualifiziert. Bei 30 Grad im Schatten betrat der Amerikaner gemeinsam mit dem koreanischen Qualifikanten Hyung-Taik Lee am Nachmittag den gut gefüllten Centercourt, als er am frühen Abend seiner Begegnung gegen den "Korea-Express" nach einer zweieinhalbstündigen Regenunterbrechung zur "Flutlicht-Show" zurückkehrte, schaute er verwundert in die Runde. Gerade einmal 500 Unentwegte verloren sich im riesigen Arthur-Ashe-Stadium, Regen in der Vorhersage und ein Temperatursturz von 15 Grad hatten ihre Spuren hinterlassen.

So beendete Sampras fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit den märchenhaften Aufstieg seines Gegners, liess dem tapfer kämpfenden Lee beim 7:6 (7:4), 6:2, 6:4 kaum eine Chance. Lee, der immerhin die ersten zehn Breakbälle abwehren konnte, bedankte sich per Dolmetscher artig fuer die Lehrstunde. "Es war eine Ehre, gegen ihn antreten zu dürfen."

Sampras - neben Todd Martin der einzig verbliebene Amerikaner im Herrenfeld - erwartet nun im Viertelfinale mit dem holländischen Serve & Volley-Spezialisten Richard Krajicek (7:6 (13:11), 6:4, 6:1 gegen Dominik Hrbaty/Slowakei) den ersten echten Prüfstein des Turniers. "Er bereitet mir immer Schwierigkeiten. Der Weg zum Titel fuehrt nur über ihn." Dennoch geht der Amerikaner, der gegen Krajicek sechs der bisherigen neun Matches verlor, am Mittwoch optimistisch in die Begegnung. "Ich habe als einziger Spieler noch keinen Satz abgegeben. Konditionell sollte ich keine Schwierigkeiten bekommen."

Im Damenturnier blieben die Ueberraschungen bisher vollständig aus. Zwar musste Titelverteidigerin Serena Williams beim 7:6 (9:7), 6:0-Achtelfinalerfolg über die 17-jährige Exil-Kroatin Jelena Dokic im ersten Durchgang zwei Satzbälle abwehren, doch nach einer vermeintlichen Fehltentscheidung eines Linienrichters liess sich Dokic vollkommen aus der Fassung bringen und gab den zweiten Satz nach 17 Minuten quasi kampflos ab.

Williams träumt derweil weiter offen vom "Sister Act" im Finale gegen ihre Schwester Venus: "Vier Spiele im Sack, noch zwei auf dem Programm." Bereits das nächste davon hat es allerdings in sich: Williams trifft auf Lindsay Davenport, die beim 6:0, 6:4 mit der belgischen Nachwuchshoffnung Justine Henin kurzen Prozess machte.

Von Frank Hoffmann, sid