US Open Kiefers bitterer Abschied aus New York
New York - Er suchte nach Antworten, doch am frühen Ende seiner diesjährigen US-Open-Mission stand Nicolas Kiefer vor einem großen Rätsel. "Ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Von einem Moment auf den anderen haben mich die Kräfte verlassen und ich bekam Schüttelfrost. Es ist alles sehr seltsam", berichtete der 24-Jährige nach dem 7:5, 4:6, 0:1 gegen Rainer Schüttler.
Bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius und extrem hoher Luftfeuchtigkeit hatte Kiefer nach dem ersten Spiel des dritten Satzes seinen Stuhl nur noch verlassen, um Schüttler die Hand zu geben, ehe er körperlich völlig erschöpft aufgab. Es war der vorläufige Tiefpunkt von Kiefers Tennisjahr, das mit einer Bilanz von 24 Siegen und 23 Niederlagen alles andere als erfolgreich verlief.
Hitzebedingter Schwächeanfall mit Dehydrierung
Um elf Uhr Ortszeit hatten die beiden Deutschen auf dem gut gefüllten Nebenplatz elf ihr Match begonnen, knappe zwei Stunden später wankte der als Favorit gestartete Kiefer in die Kabine. Die offizielle Diagnose des Turnierarztes - hitzebedingter Schwächeanfall mit Dehydrierung - war für den Unterlegenen schwer
nachvollziehbar: "Heute Morgen habe ich mich noch total gut gefühlt, dann ist irgendwas mit meinem Körper passiert. Fieber, schlimme Kopfschmerzen, Probleme mit den Ohren - alles kam zusammen."
Rainer Schüttler war nicht besonders glücklich mit dem Ergebnis: "Ich hätte ihn lieber regulär besiegt. So
auszuscheiden, wünsche ich niemandem." Zwar klagte auch Schüttler über die extremen Wetterbedingungen ("Ich habe während des Spiels acht Flaschen Wasser getrunken"), doch die Aussicht, bei einem Zweitrundensieg über Ramon Delgado (Paraguay) voraussichtlich den an Nummer zwei gesetzten Andre Agassi herausfordern zu dürfen, verlieh ihm Flügel: "Mein ultimativer US-Open-Traum: gegen Agassi auf dem Center Court - und dann gewinnen."
Tiefer Fall in der Rangliste
Ein Traum, den Kiefer mindestens ein weiteres Jahr aufschieben muss. Gut zwei Stunden nach Spielende hing "Kiwi" immer noch am Tropf und machte sich dann auf den Weg zum Spielerhotel. Die Beine
schwer, den glasigen Blick starr geradeaus gerichtet, den wartenden Journalisten ein letztes "ich bin total platt" zurufend. Eine detaillierte Turnierplanung für die nächsten Wochen erübrigt sich, Kiefer verabschiedete sich nach Deutschland, wo er sich einer gründlichen medizinischen Untersuchung unterziehen will.
Spätestens bei seiner Rückkehr auf den Court wird Kiefer mit den sportlichen Konsequenzen des frühen Ausscheidens konfrontiert werden. Nach dem US-Open-Viertelfinale 2000 verliert der momentan
auf Rang 29 platzierte Niedersachse in der so genannten "Entry List" 245 Punkte. Der daraus resultierende Absturz in die Region um die 50 könnte bei den europäischen Hallenturnieren im Herbst schlimmstenfalls den Gang durch die Qualifikation bedeuten.
Nur Barbara Rittner siegt
Für die deutschen Damen begannen die US Open mit dem überraschend deutlichen 6:1, 6:2 von Barbara Rittner (Leverkusen) über die Amerikanerin Amy Frazier. Danach setzte es allerdings für die zweite Garde des Deutschen Tennis Bundes (DTB) unter den Augen von Bundestrainer Markus Schur die erwartete Niederlagenserie.
Während Andrea Glass (Düsseldorf) der Weltranglistendritten Lindsay Davenport (USA) mit 2:6, 3:6 unterlag, nahm die frech aufspielende Anca Barna (Nürnberg) der Mitfavoritin Serena Williams (USA) zumindest einen Satz ab, bevor diese sich noch mit 4:6, 6:1, 6:2 durchsetzte. Bianka Lamade (Pforzheim) musste sich nach harter Gegenwehr der Russin Jewgenia Kulikowskaja mit 4:6, 6:7 (5:7) geschlagen geben.