US-Open Nicolas Kiefer eine Runde weiter
New York - Nicolas Kiefer fühlt sich in New York pudelwohl. Nach der praktisch makellosen Leistung beim 6:1, 6:4, 6:3 gegen den Schweden Jonas Björkman freute sich der beste deutsche Tennisspieler auf ein entspanntes Wochenende in der Stadt, die niemals schläft. Am Freitagabend ging es zum Baseball-Match der Yankees. Am Samstag wollte er zum Fußball und Lothar Matthäus bei den MetroStars anfeuern. Am Sonntag schließlich möchte er gegen den Niederländer Sjeng Schalken erstmals in seiner Laufbahn ins Achtelfinale der US Open einziehen.
Insgeheim hat Kiefer beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres noch mehr vor, auch wenn er die Erwartungen bremste: "Ich gucke nur von Runde zu Runde." Mit dem glatten Sieg gegen Björkman sparte er viel Kraft. "Dass ich nur drei Sätze spielen musste, war perfekt. So kann ich viel schneller regenerieren", sagte der 22-Jährige.
Mit 14 Siegen in 17 Spielen war der letztjährige WM-Halbfinalist vielversprechend in die Saison gestartet. Dann folgten Verletzungen, Niederlagen, der Dauer-Ärger mit dem Deutschen Tennis Bund (DTB) um Daviscup-Verzicht und Olympia-Teilnahme sowie nach Wimbledon die Trennung von Trainer Bob Brett. "Ich habe bis Februar gutes Tennis gespielt. Jetzt muss ich wieder den Rhythmus finden", sagte die Nummer 22 im "Champions Race" der ATP-Tour. Vor den US Open erreichte er in Washington das Halbfinale. Die Arbeit mit dem neuen Coach Sven Groeneveld stimmt ihn hoffnungsfroh: "Es geht langsam bergauf."
Gegen den ehemaligen Weltranglisten-Vierten Björkman musste er wieder auf einem der kleineren Nebenplätze antreten. Das störte ihn aber nicht, denn dort erfährt er Unterstützung von außen. "Es sind sehr viele deutsche Fans da. Beim Daviscup wird es sicherlich noch besser werden", bemerkte Kiefer. Nach dem langen Hickhack um seine Auszeit in der Nationalmannschaft wird er schon bei den Olympischen Spielen in Sydney ins DTB-Team zurück kehren. Nominiert ist Kiefer nur für den Einzelwettbewerb. Womöglich könnte eine Medaillenchance im Doppel hinzu kommen, wenn Thomas Haas wegen seiner mangelhaften Fitness tatsächlich auf den Olympiastart verzichten sollte.
Daran glaubt Kiefer zwar nicht, aber er stünde gerne bereit, um für Haas an die Seite von David Prinosil zu treten. "Mit David habe ich im Doppel eine Bilanz von 100 Prozent. Wir haben 1998 in Ostrau einmal zusammen gespielt und das Turnier gewonnen", meinte Kiefer und fügte mit einem schelmischen Grinsen hinzu: "Der DTB hat entschieden. Und wenn der DTB etwas entscheidet, dann ist das so."
Wimbledonsiegerin Venus Williams aus den USA offenbarte beim 7:6 (7:3), 6:1 in der dritten Runde gegen ihre 21-jährige Landsfrau Meghann Schaughnessy erstmals, dass sie in diesem Sommer doch nicht unverwundbar ist. Gegen die Weltranglisten-48. lag die 20-jährige im ersten Satz mit 0:3 und 3:5 zurück und zeigte auch noch zu Beginn des Tie-Breaks mit zwei Doppelfehlern Nerven. Erst im zweiten Durchgang geriet ihr 22. Sieg in Folge nicht mehr in Gefahr. "Ich bin froh, dass ich so ein enges Match hatte. Das beweist mir, dass ich gut drauf bin", sagte Williams nach der erfolgreichen Nachtschicht.
Martina Hingis dürfte das kurze Schwächeln ihrer großen Rivalin, auf die sie im Halbfinale treffen könnte, dennoch eher als kleines Schwächeln registriert haben. Die Weltranglisten-Erste aus der Schweiz benötigte für ihren Einzug ins Achtelfinale beim 6:1, 6:0 gegen die Italienerin Tathiana Garbin gerade einmal 37 Minuten.
So kurz geht's bei den Herren nicht zu: Erst nach 3:45 Stunden, einem 0:2-Satzrückstand und zwei abgewehrten Matchbällen hatte der Franzose Cedric Pioline am Freitag den Briten Greg Rusedski mit 6:7, 3:6, 6:4, 7:6, 6:3 bezwungen. Das Spiel riss die 10 000 Zuschauer förmlich von den Sitzen. Geheimfavorit Marat Safin aus Russland benötigte 3:07 Stunden und fünf Matchbälle, um den 35 Jahre alten Italiener Gianluca Pozzi mit 6:3, 3:6, 6:3, 3:6, 6:4 in die Knie zu zwingen.