US Open Olympiasieger Massu rastet aus
New York - Gerade hatte Massu im Tiebreak des vierten Satzes einen Matchball vergeben und den Durchgang anschließend abgegeben, als der Chilene, der bereits zweimal verwarnt worden war, vor den 2000 Zuschauern ausrastete. Seinen Schläger hämmerte er zunächst gegen den Zaun, schleuderte ihn dann so hart auf den Betonboden, dass er zwei Meter hoch in die Luft flog. Zwar blieb das Racquet äußerlich unversehrt, Massu jedoch kassierte die dritte Verwarnung. Nach dem Regelwerk des Internationalen Tennis-Verbandes ITF steht darauf der sofortige Verlust eines Aufschlagspiels. Und genau darauf entschied der portugiesische Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos.
"Der Junge muss seinen Kopf benutzen", wetterte Massu gegen Ramos. "Die ersten beiden Verwarnungen waren okay, die dritte nicht. Alle Spieler werfen ihre Schläger. Der wird nie wieder Schiedsrichter bei mir sein." Für zehn Minuten diskutierte der Goldmedaillengewinner von Athen mit dem Portugiesen und Oberschiedsrichter Alan Mills über die Entscheidung, ehe er sich wieder auf sein Tennis besann.
US Open: Olympiasieger Massu rastet aus
Den 0:1-Rückstand im entscheidenden Satz konnte Massu daraufhin umgehend mit einem Re-Break ausgleichen. Bis zum 4:3 für den Chilenen blieb die Partie denkbar knapp, doch dann verließen Massu endgültig Kräfte und Nervenstärke. Sargsian gewann drei Aufschlagspiele in Serie und damit dieses denkwürdige Match nach 5:09 Stunden mit 6:7 (6:8), 6:4, 3:6, 7:6 (8:6) und 6:4.
"Ich kann nicht glauben, was passiert ist"
"Ich kann nicht glauben, dass ich verloren habe. Ich kann nicht glauben, was passiert ist", stammelte Massu nach dem Marathonspiel. Einen Teil seiner sportlichen Fairness hatte er dennoch wiedergefunden. "Ich habe schlecht gespielt", sagte der 24-Jährige und machte nicht den Schiedsrichter, sondern sich selbst für die Niederlage verantwortlich.
Sein armenischer Gegner, der mit dem Deutschen Karsten Braasch noch im Doppel gegen Massu und dessen Landsmann Fernando Gonzales unterlegen war, konnte sein Glück kaum fassen. "Es war ein großer Sieg für mich. Ich hatte kein sehr gutes Jahr, umso großartiger ist es, ein solches Match zu gewinnen", so der 31- Jährige. Die über fünf Stunden lange Spielzeit hatte jedoch auch an ihm gezerrt. Deshalb hofft Sargsian auf den Wettergott: "Es würde mir gefallen, wenn es morgen regnet, dann hätte ich einen zusätzlichen freien Tag."
Nur ein einziges Match in der langen Geschichte der US Open dauerte bisher länger als die Partie zwischen Sargsian und Massu. Im Halbfinale 1992 besiegte der Schwede Stefan Edberg nach 5:23 Stunden den US-Amerikaner Michael Chang mit 6:7, 7:5, 7:6, 5:7 und 6:4. Im gleichen Jahr hatten bereits Boris Becker und Ivan Lendl die Fünf-Stunden-Marke beim Achtelfinal-Sieg des Tschechen knapp durchbrochen.
Ein Blick in die Zeit vor Einführung des Tiebreaks lässt jedoch die Vermutung zu, dass es schon wesentlich längere Spiele bei den US Open gegeben hat. So absolvierte das Doppel Marcelo Lara/Joaquin Loyo-Mayo 1966 gegen Manuel Santana und Luis Garcia insgesamt 105 Aufschlagspiele. Lara und Joaquin siegten am Ende mit 10:12, 24:22, 11:9, 3:6 und 6:2. Rekordverdächtig war ein Jahr später auch die Doppel-Paarung zwischen Cliff Drysdale/Ray Moore und Roy Emerson/Ron Barnes, die schließlich denkbar knapp mit 31:29, 6:8, 6:3, 6:8 und 2:6 unterlagen.