US Open: Sampras noch ganz rüstig - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

US Open Sampras noch ganz rüstig

Altmeister Pete Sampras hat es seinen Kritikern noch einmal gezeigt. Im Viertelfinale der US Open hatte der 31-Jährige mit dem Shootingstar Andy Roddick keinerlei Probleme und zog souverän in die Runde der letzten vier ein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Indianapolis - Das Publikum spendete stehend Applaus. Andy Roddick schlich wie ein geprügelter Hund vom Center Court. Pete Sampras ist zurück. 6:3, 6:2 und 6:4 hieß es am Ende für den US-Amerikaner gegen seinen Landsmann.

Nach der 90-Minuten-Lektion gegen Amerikas Tennis-Hoffnung steht der Rekord-Grand-Slam-Sieger (insgesamt 13 Titel) zum neunten Mal im Halbfinale der US Open.

In der Runde der letzten vier trifft Sampras am Samstag auf Sjeng Schalken. Der an Nummer 24 gesetzte Niederländer bezwang den fünf Plätze schlechter eingestuften Fernando Gonzales aus Chile 6:7 (5:7), 6:3, 6:3, 6:7 (5:7), 7:6 (7:2). Das zweite Halbfinale bestreiten Titelverteidiger Llleyton Hewitt (Australien) und Andre Agassi (USA).

"Er wird mit jedem Spiel besser"

"Sie können es mir glauben, ich bin 31 Jahre alt", sagte Sampras, der beim Dreisatzsieg gegen Roddick frischer und motivierter wirkte als sein elf Jahre jüngerer Herausforderer. "Ich fühle, dass ich es schaffen kann", betonte "Pistol-Pete" nach dem Match, in dem er Roddick regelrecht deklassierte. Mit großer Überzeugung hatte er immer wieder davon gesprochen, dass er fähig sei, die US Open auch ein fünftes Mal zu gewinnen.

Jetzt glauben sogar die Skeptiker daran. "Warum nicht? Er wird mit jedem Spiel besser", so Augenzeuge Boris Becker zur imponierenden Vorstellung seines früheren Rivalen. "Er geht mit Roddick um wie ein Lehrer mit seinem Schüler", staunte John McEnroe.

Roddick als frustrierter Verlierer

Zwar konnte sich Sampras mit seinem ersten Aufschlag nicht wie gewohnt in Szene setzen, dafür spielte er Serve und Volley wie in besten Tagen. Roddicks schwache Rückhand und eine schlechte Fußarbeit waren verantwortlich für dessen sang- und klangloses Ausscheiden. "Er ist überfordert mit der Herausforderung, gegen sein Kindheitsidol zu spielen", urteilte Becker.

Roddick brauchte eine Weile, um die Schlappe zu verdauen. "Ihr habt gesagt, dass er erledigt ist, nicht ich", fauchte er in der Pressekonferenz die Journalisten an. Mit zwei Siegen gegen Sampras in den Spielen zuvor war der 20-Jährige das Viertelfinalmatch wohl etwas zu selbstsicher angegangen. "Er war viel besser als ich und ist immer noch fähig, großes Tennis zu spielen", gestand Roddick schließlich ein.