US Open: Tiger Woods zermalmt die Konkurrenz - DER SPIEGEL
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US Open Tiger Woods zermalmt die Konkurrenz

Mit dem größten Vorsprung in der Geschichte des "schwierigsten Turniers der Welt" geht die Nummer eins der Golfwelt in die letzte Runde. Die Konkurrenz kommt dabei aus den Staunen nicht heraus und spielt Platz zwei unter sich aus.
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Pebble Beach - Tiger Woods schwingt einmal mehr souverän seinen Schläger und verzaubert dabei die Golfwelt. Zehntausende Zuschauer kommen aus dem Staunen nicht heraus, die Konkurrenz um den enttäuschenden deutschen Profi Bernhard Langer weiß kaum noch, was sie sagen soll. Woods stört sich an nichts und niemanden, sondern spielt seinen kleinen Ball, ohne den anderen auch nur den Hauch einer Chance zu lassen.

Der Weltranglistenerste würde sich selbst als "großen Idioten" bezeichnen, wenn er bei den 100. US Open seinen ersten Triumph bei diesem Major-Turnier noch aus den Händen geben würde. Sollte das unmöglich Erscheinende geschehen, wäre das eine der größten Sensationen in der Geschichte des Weltsports. Vor der vierten und letzten Runde am Sonntag lag der Megastar auf dem faszinierenden Par 71-Kurs an der kalifornischen Pazifikküste in Pebble Beach mit zehn Schlägen vor dem Südafrikaner Ernie Els.

Mit einem solchen Vorsprung ist in der 106-jährigen Open-Historie noch keiner in die Abschlussprüfung gegangen. Woods brach zugleich seine Bestmarke vom Masters 1997, das er mit neun Schlägen vor den Mitbewerbern am letzten Tag begann und mit der Rekorddifferenz von zwölf Schlägen gewann. "Das Resultat hier ist ähnlich, doch es ist viel schwieriger, es ein zweites Mal zu schaffen", meinte Woods, der für drei Runden 205 (65, 69,71) Schläge benötigte. Els, der am Samstag als einziger unter Par spielte, folgt mit 215 (74, 73, 68) vor dem Iren Padraig Harrington (73, 71, 72) und dem Spanier Miguel Angel Jimenez (66, 74, 76)) mit jeweils 216 Schlägen. "Ich möchte noch daran glauben, das ich eine Chance habe. Ich werde versuche, einen noch besseren Score zu machen, dann werden wir sehen was passiert", gibt sich Els noch nicht geschlagen.

Doch Woods, der vor seinem 20. Erfolg auf der PGA Tour steht, kann bei dem mit 4,5 Millionen Dollar dotierten Turnier nichts erschüttern. Als am Samstag der Ozeanwind immer heftiger über die tückische Anlage blies, fühlte er sich so richtig in seinem Element. "Ich dachte, das spielt genau in meine Karten. Wenn ich eine solide Runde spiele, immer auf den Fairways bleibe, die Greens treffe und wenigstens eine Par-Runde spiele, müsste ich meinen Vorsprung vergrößern können". Gesagt, getan. Es sei einfach unbegreiflich, dass er so weit unter Par liegt, zeigte sich Paul Azinger (Platz 24 mit 223 Schlägen) verblüfft. Er erstarre ein wenig in Ehrfurcht vor dem, was Woods momentan macht. "Die Presse spricht davon, dass Tiger uns einschüchtert. Der Typ schüchtert niemand ein, er schlägt einfach jeden", konstatierte der oftmalige PGA-Tour-Gewinner beeindruckt.

Bernhard Langer indes erlebt den zweiten Teil der Woods-Festspiele wieder einmal nur am Fernsehen. Die US Open bleiben für ihn ein Albtraum. Nach beschiedenem Spiel scheiterte der Anhausener erneut am Cut und reiste kommentarlos ab. Nachdem der 42-Jährige Schwabe die am Donnerstag wegen Nebels abgebrochene erste Runde am Freitagmorgen mit 77 Schlägen beendet hatte, ließ er am Nachmittag gar nur eine 80er Runde folgen. Mit insgesamt 157 Schlägen verabschiedete er sich als 131. aus dem 156 Spieler umfassenden Feld. Bei seiner 16. Open- Teilnahme verpasste er zum zehnten Mal den Cut.

Ebenso wie Langer packten auch Topspieler wie Corey Pavin (USA/150), Jesper Parnevik (Schweden/153), Davis Love III (USA/154), Greg Norman (Australien/159) oder Altmeister Jack Nicklaus (155) vorzeitig ihre Golftaschen. Der viermalige Open-Gewinner hatte so sehr gehofft, sich nach 44 Teilnahmen in Folge erst am Sonntag von dem "schwierigsten Turnier der Welt" für immer zu verabschieden. "Ich möchte zum 18. Fairway gehen, die Wellen an die Felswand knallen hören und die Ozeanbrise im Gesicht spüren". Der Wunsch blieb durch eine 82er Runde am Freitag unerfüllt. Es war der schlechteste Score in 160 Runden, die der "Golden Bear" seit seinem Debüt 1957 spielte. "Das ist das Ende", sagte der 60-Jährige Amerikaner nach seinem letzten Putt und wischte sich die Tränen aus den Augen.