US Open Das tolerierte Chaos
Tennisprofis Ferrer (l.) und Djokovic, Offizielle: Spielabbruch nach Tornadowarnung
Foto: ELSA / AFPHamburg - Als Schotte, so sagt Andy Murray, habe er schon einige Wetterkapriolen erlebt. Doch was sich am Samstag in New York abspielte, sei auch für ihn neu gewesen. "Der Wind über so einen langen Zeitraum war schon brutal", sagte Murray, nachdem er das Halbfinale gegen den Tschechen Tomas Berdych gewonnen hatte.
Der Wind war so stark, dass ein Spiel unter normalen Bedingungen nicht möglich war. Immer wieder flogen Papiertüten oder Servietten durch das Arthur Ashe Stadium, einmal stieß der Wind sogar die Stühle der Spieler um. In einem anderen Ballwechsel riss der Wind Murray seine Cap vom Kopf. Murray sprach anschließend von "heftigen Bedingungen".
Man könnte es auch positiv sehen: Die beiden konnten überhaupt spielen. Das zweite Halbfinale zwischen Novak Djokovic und David Ferrer musste beim Stand von 2:5 im ersten Satz abgebrochen werden. "Im Interesse unserer Fans und Spieler beenden wir die Matches für den heutigen Tag", sagten die Offiziellen. Es war nur die halbe Wahrheit: Die Polizei hat aus Angst um die Sicherheit der Zuschauer angeordnet, die Anlage komplett evakuieren zu lassen. Es hatte eine Tornadowarnung gegeben.
Die Partie zwischen Djokovic und Ferrer wird nun am Sonntag (17 Uhr MESZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) fortgesetzt, so dass das Finale auf Montag verschoben werden musste. Wieder einmal. Schon in den vergangenen vier Jahren konnte das Endspiel in New York erst nach dem eigentlichen Turnierende am Sonntag ausgetragen werden.
Dass diese Serie in diesem Jahr eine Fortsetzung finden würde, war schon am Samstagvormittag abzusehen. Die Wetterprognose war so düster, dass die Organisatoren frühzeitig das für den Abend angesetzte Damenfinale auf Sonntag (22.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) verlegten. Das Sturmtief Leslie hatte zudem davor gesorgt, dass das Halbfinale von Murray und Berdych erst 90 Minuten später als geplant beginnen konnte. Schon als die Partie dann um 12.30 Uhr Ortszeit anfing, hieß es, dass es gegen 16 Uhr wieder regnen solle.
2013 wird der Spielplan reformiert - Aber wie?
Es war also unwahrscheinlich, dass beide Herren-Halbfinals hintereinander ausgetragen werden können. Dennoch wäre das Chaos zu verhindern gewesen. Hätten die Organisatoren ein großes Interesse daran gehabt, beide Spiele am Samstag durchzubringen, hätten sie lediglich das Spiel von Djokovic und Ferrer auf einen anderen Court verlegen und beide parallel ansetzen müssen.
Doch offenbar hatten sie andere Interessen.
Der Samstag am Final-Wochenende wird in New York seit Jahrzehnten "Super Saturday" genannt. Es ist eine Erfindung des TV-Senders CBS. Mit den beiden Herren-Halbfinals und dem Damen-Endspiel an einem Wochenend-Tag soll die Quote in die Höhe getrieben werden. "Es ist der Superbowl des Tennis, der Tag, an dem Amerika wie an keinem anderen Tag aufs Tennis schaut", sagte der frühere Profi Pete Sampras unlängst der "Badischen Zeitung". Und zwei parallel stattfindende Halbfinal-Spiele der Herren sind sicherlich nicht im Interesse des Fernsehens.
Für die Aktiven bedeutet dieser Spielplan eine besondere Tortur. Bei keinem anderen Grand-Slam-Turnier müssen sie Halbfinale und Endspiel an zwei aufeinander folgenden Tagen austragen. Immerhin: Ab 2013 wird sich die Situation verbessern. "Wir haben entschieden, dass es zwischen Halbfinale und Finale jeweils einen Tag Ruhepause geben wird. Der genaue Ablauf steht aber noch nicht fest", sagt Gordon Smith, der Chef der amerikanischen Tennis-Verbands Usta.
Es gibt zwei realistische Möglichkeiten: Entweder das Männer-Endspiel wie geplant am Sonntag durchführen und die Halbfinals dafür am Freitag, oder das Endspiel gleich auf Montag schieben.
Letzteres würde zwar den "Super Saturday" retten. Ob die Profis sich aber darauf einlassen, dass Turnier dauerhaft länger zu spielen, ist unwahrscheinlich. "Wenn sie einen zusätzlichen Tag wollen, müssen sie das Preisgeld wesentlich erhöhen. Es ist schließlich ein zusätzlicher Tag Arbeit für uns", hatte Murray schon im vergangenen Jahr gesagt.
Auch der Präsident des Tennis-Weltverbands, Francesco Ricci-Bitti, sprach sich gegen eine dauerhafte Ausdehnung aus. Allein: Die Meinung anderer war für die US-Open-Bosse noch nie so richtig relevant.