"Utah Jazz": Außerirdischer oder Dopingfall? - DER SPIEGEL
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"Utah Jazz" Außerirdischer oder Dopingfall?

Die tägliche SPIEGEL-ONLINE-Kolumne von den Olympischen Spielen in Salt Lake City. Heute: Wie ein langjähriger TV-Sportjournalist in seinem neuen Job scheinbar mühelos Kultstatus erreicht.
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Salt Lake City - Im Heimatland des dreimaligen Tour-de-France-Champions Lance Armstrong sind Radwege so üblich wie Gurkenscheiben auf Schwarzwälderkirschtorte. Die Olympiastadt 2002 macht da keine Ausnahme.

Insofern ist es schon überraschend, dass mein Vermieter Renee ein Fahrrad besitzt. Warum er sich das Teil angeschafft hat, kann er nicht mehr so genau sagen. Nur dass er damals in Arizona lebte. Zum Radfahren war es ihm dort allerdings zu heiß, und hier in Utah ist es ihm zu kalt. Jetzt steht das Bike im Flur herum. Und da es quasi nie benutzt wurde, sehen Rahmen, Lenker und Sattel nach 17 Jahren aus wie neu. Nur die Reifen sind platt, und die Kette ist rostig.

Um schneller die nächstgelegene Station der "Uta Trax", der Straßenbahn nach Downtown, zu erreichen, die etwa zwei Meilen entfernt von meiner Unterkunft liegt, mache ich das Velo flott und radle los. Auf der 3900 South Street bin ich für die Fahrer der dicken Buicks und Chevrolets, was Lance Armstrong für Jan Ullrich und die anderen Weltklasse-Pedaleure ist: ein Außerirdischer.

Später, auf dem Campus der University of Utah, zieht mich im Deutschen Haus, dem traditionellen Treffpunkt von Athleten, Trainern, Funktionären, Sponsoren und Journalisten bei Olympischen Spielen, ein Außerirdischer ganz anderer Bauart in seinen Bann. DIE deutsche Stimme des Radsports (neben ARD-Veteran Herbert Watterott): Klaus Angermann.

Das Zeug zur Kultfigur


Angermann, der über mehrere Jahrzehnte für das ZDF und zuletzt für Eurosport Sportler mit sagenhaftem Pathos in Helden verwandelt hat - am liebsten auf dem grausamen Kopfsteinpflaster zwischen Paris und Roubaix -, führt als neuer Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) durch die Erste der täglich geplanten NOK-Pressekonferenzen in Salt Lake City. Dabei beweist der 63-Jährige eindrucksvoll, dass er im braunen Sakko mit dem Bundesadler das Zeug zur Kultfigur hat.

Der gebürtige Dresdner, der als Fernsehjournalist 15 Olympische Spiele miterlebt hat, lässt seine Ex-Kollegen ohne Umschweife wissen: "In mir lodert das olympische Feuer." Dass man da bisweilen ein wenig überhitzt, bekommt die frisch gewählte Athletensprecherin Stefanie Teeuwen zu spüren. Teeuwen hat auf dem Podium zwei Plätze neben Walther Tröger, dem Chef de Mission, Platz genommen. Angermann wünscht der ehemaligen Eisschnellläuferin für ihre neue Aufgabe alles Gute. Angermann sagt: "Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand für die Wehwehchen von Frau zu Frau."

Besser kommt die vierfache Medaillenhoffnung Anni Friesinger weg. "Anni, die Sonne", fabuliert Angermann und ruft damit erneut Kopfschütteln und verstörte Blicke unter den dicht an dicht gedrängten Medienvertretern hervor. Ein Kollege ist schlichtweg fassungslos. Er spricht vom "ersten Dopingfall bei Olympia 2002".