"Utah Jazz": Goldküsschen statt V-Männer - DER SPIEGEL
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"Utah Jazz" Goldküsschen statt V-Männer

Die tägliche SPIEGEL-ONLINE-Kolumne von den Olympischen Spielen in Salt Lake City. Heute: Wieso sich der in Deutschland von der V-Mann-Affäre geplagte Innenminister Otto Schily bei Olympia so wohl fühlt.
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Salt Lake City - Erst kürzlich hielt ein bayrischer Rundfunksender Lothar Matthäus am Telefon zum Narren. Für den "ewigen Loddar" gebe es die Offerte, im Schattenkabinett von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber den Sportminister zu spielen. Der Sportdirektor von Rapid Wien fühlte sich geehrt und hatte die Zusage auf der schnellen Zunge. Doch es war ja nur Spaß.

Matthäus' Gegenspieler auf dem weiten Feld der Politik wäre Otto Schily gewesen. Sport fällt in das Ressort des Bundesinnenministers, der in Salt Lake City Spaß am "Medal-Hopping" findet. Vormittags beim Skispringen Silber abgreifen, nachmittags die Gold-Pechstein abbusseln. Das ist allemal besser, als sich daheim mit V-Leuten herum zu ärgern. Gerade in Wahlkampfzeiten.

Olympiasieger Schily


Schily war am Sonntagabend so stolz und glücklich, als wäre er selbst Weltrekord auf Schlittschuhen gelaufen, und klopfte Claudia Pechstein im "Deutschen Haus" immer wieder auf die Schulter. Aber irgendwie hat er ja auch seinen Anteil am Olympiasieg. Die Eisschnellläuferin Pechstein ist Angehörige des Bundesgrenzschutzes. Ihr oberster Dienstherr: Otto Schily. Der durfte auf seiner Olympia-Reise das Angenehme mit dem Dienstlichen verbinden.

Als Bundesinnenminister in den USA gänzlich unbekannt, konnte nämlich auch Schily nicht so ohne weiteres die Sicherheitsschleusen zu den Wettkampfanlagen umgehen. "Ich kann mir ja kein Schild MINISTER umhängen", scherzte der Law-and-Order-Mann, dem der Security-Crashkurs der Amerikaner nichts auszumachen schien.

Die längste Schere der Welt


Den meisten Journalisten hingegen ist die gute Laune mittlerweile vergangen. Die permanenten Kontrollen von Mobiltelefonen, Geldbörsen, Taschen, Kameras und Laptops verursachen immer weniger zu ertragende Wartezeiten bei Olympia 2002.

Kurzweilig wird es nur, wenn die Sicherheitskräfte tatsächlich einmal etwas Außergewöhnliches finden. Vor dem Eishockeyspiel Deutschland gegen die Slowakei musste eine deutsche Reporter-Legende eine Schere abgeben, die einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde verdient gehabt hätte. Sie hatte die Länge eines Männerarms.