"Utah Jazz": Klassenausflug des Prinzen - DER SPIEGEL
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"Utah Jazz" Klassenausflug des Prinzen

"Dabei sein ist alles" heißt das olympische Motto. Da verzichtet man schon einmal auf einen fürstlichen Palast, den man eigentlich sein Heim nennt. Wie beispielsweise Prinz Albert von Monaco.
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Park City - 15 Minuten hat er die Journalisten im "Interview Room" des Utah Olympic Park warten lassen. Das scheint ihm so unangenehm zu sein wie dem Klassenprimus, der nach zwölf Schuljahren zum ersten Mal verspätet zum Unterricht erscheint. Mit leiser Stimme entschuldigt er sich höflich und mit triftigem Grund ("die Sicherheitskontrollen") und schaut nachdenklich auf sein Pult, auf dem zwei Namenskarten stehen.

Sir im schwarzen Trainingsanzug


"Albert Grimaldi, Monaco" und "Prince Albert, IOC". Albert Grimaldi, Athlete - so steht es auf seiner offiziellen Akkreditierung - setzt sich zwischen die Tischkärtchen. In den Computern der olympischen Pressenzentren, in denen die Daten der Winterspiele gespeichert und aktualisiert werden, findet sich der Hinweis an die Journalisten, über Prinz Albert Alexandre Louis Pierre Erbprinz von Monaco als "Prinz Albert", "Prinz Albert von Monaco", "Prinz von Monaco" oder "Sir" zu schreiben. So viel Respekt soll sein gegenüber dem Sir im schwarzen Trainingsanzug.

Bereits zum fünften Mal bei Olympischen Spielen steuert Prinz Albert den Bob "Monaco I". Sport ist sein Hobby, und er kann es sich leisten. In 17 Sportarten hat er Wettbewerbe bestritten, von Fußball bis Fechten, 1985 an der Rallye Paris-Dakar teilgenommen.

Die Affinität zum Sport hat Prinz Albert von Monaco im Blut. Sein Großvater John B. Kelly gewann 1920 und 1924 drei Goldmedaillen im Rudern. Prinz Albert hat zwar den schwarzen Gürtel im Judo, von olympischen Erfolgen aber ist er einen halben Eiskanal entfernt. "Es bräuchte ein neues 'Miracle on Ice', damit ich eine Medaille gewinne", beweist er Realitätssinn. Immerhin: Die Bobs aus Brasilien, den Jungferninseln, Taiwan oder Jugoslawien lässt der Prinz locker hinter sich.

Kissenschlachten im Zimmer des Prinzen?


Die Reise zu den Weltspielen der Jugend ist für den 43-Jährigen wie ein Klassenausflug. Die Schlafkammern im olympischen Dorf sind zwar deutlich kleiner, als er es von zu Hause her kennt. Doch immer fürstlich zu residieren muss langweilig sein. "Ich kann mir nicht vorstellen, bei Olympia nicht im olympischen Dorf zu wohnen", sagt der Prinz mit leuchtenden Augen. Man kann sich leicht vorstellen, dass er mit seinen vier monegassischen Mitstreitern am liebsten Kissenschlachten veranstaltet.

Vielleicht hockt "Team Monaco" auch nachts heimlich im Zimmer des Prinzen zusammen und guckt Fernsehen. Denn Prinz Albert hat als Einziger ein TV-Gerät. "Ich kann dafür nichts", beteuert der Prinz von Monaco, der auch IOC-Mitglied ist, "der Fernseher stand da einfach." Haben Kinder aus reichem Hause nicht immer so viel Glück?

Ein Glücksprinz bei Olympia aber ist er nicht. "Im Sprinttraining habe ich mir den Oberschenkel gezerrt", berichtet er mit ernster Miene. Und am Samstag leistete sich Prinz Albert im dritten Durchgang des Viererbobs einen spektakulären Sturz. Seine Durchlaucht blieb unverletzt. Am Ende reichte es nur zu Platz 29. Dabei sein ist alles.