Van Almsick "Bitte haben Sie Verständnis!"
Sydney - Einen Tag nach ihrem bitteren Halbfinal-K.o. über 200 Meter Freistil in Sydney ist Franziska van Almsick abgetaucht. Mit Mitleid im deutschen Schwimmteam kann die Berlinerin allerdings nicht rechnen, ganz im Gegenteil: Männer-Bundestrainer Manfred Thiesmann kritisierte van Almsick hart. "Sie hat sich dünne gemacht. Sie weiß genau, dass sie so nicht auftreten kann."
Nach der Pleite hatte sich die 22-Jährige über ihr Büro mit einer Presseerklärung gemeldet. "Am Tag danach habe ich noch keine Erklärung für mein Ausscheiden", schrieb die Berlinerin, "ich fühle mich heute nicht in der Lage, Interviews zu geben. Bitte haben Sie Verständnis dafür." Sie kündigte jedoch ihren Start mit der Freistil-Staffel an. "Ich bemühe mich, meine Nerven wieder in den Griff zu bekommen und eine ordentliche Zeit über 4 x 200 Meter zu schwimmen." Direkt nach dem Finale will Franziska van Almsick "nur Fragen zur Staffel beantworten". Erst später wolle sie sich auf einer ausführlicheren Pressekonferenz äußern - und das Ende ihrer Karriere verkünden?
Die Angst vor Fragen nach ihrer sportlichen Zukunft ist groß. Sydney solle ihr ein Zeichen geben, hatte sie vorher gesagt. Das Olympia-Debakel legt ihr den Rücktritt nahe. Der Vorlauf-Auftritt über 200 Meter Schmetterling am Dienstag, der auf Platz 28 endete, war womöglich der letzte internationale Einzel-Start der Werbe-Millionärin. Jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Die Staffeln können den Abschied der einstigen Ausnahme-Athletin, die bis auf olympisches Gold alles gewann, was es zu gewinnen gibt, nur erträglicher machen.
Auch bei ihren Kolleginnen stieß Franziska van Almsick auf wenig Verständnis. "Es ist ihr nicht das erste Mal passiert. Sie soll ihre Lehren daraus ziehen", kritisierte Sylvia Gerasch. Kerstin Kielgaß, die jahrelang im Schatten von "Franzi" stand, wurde noch deutlicher: "Sie tut mir nicht leid. So ist das im Leben, das muss man wegstecken." Es wird keine Staffel der Freundinnen sein. "Da müssen wir uns noch mal zusammenraufen", sagte Kerstin Kielgaß.
Verständnis dagegen zeigte Frauen-Bundestrainer Achim Jedamsky. "Wir haben ihr nichts vorzuwerfen, sie war gut vorbereitet." Über 200 Meter Schmetterling verordnete er Franziska van Almsick einen "Beschäftigungseinsatz, um sie abzulenken". Jedamsky: "Wir brauchen sie noch für die 4 x 200-Meter-Freistil- und für die Lagenstaffel. Sie ist gesetzt. Wir müssen mit ihr haushalten. Ich hoffe, dass sie eine Wut entwickelt und in den Staffeln zeigt, was sie kann." Schließlich wäre es auch für sie ein versöhnlicher Abschluss, "wenn sie mit einer Medaille nach Hause kommt statt mit einem leeren Einkaufskorb".