Verpasste Dopingkontrollen "Individuelle Schlamperei"
SPIEGEL ONLINE: Herr Madsen, Sie haben unlängst in einem internen Schreiben die Schwimmer dafür gerügt, dass es zuletzt viele Fälle gab, in denen Sportler für Dopingkontrolleure nicht auffindbar waren. Misstrauen Sie Ihren eigenen Leuten?
Madsen: Nein. Es gab drei Fälle, dicht hintereinander. Im Hochleistungssport ist man grundsätzlich verdächtig. Wir können uns nicht leisten, aufgrund von individueller Schlamperei in Verruf zu geraten.
Schwimmsportler: "Ein Athlet muss ziemlich auf Draht sein"
Foto: AFPSPIEGEL ONLINE: Zuletzt kam heraus, dass im gesamten deutschen Sport im vorigen Jahr etwa 400 dieser sogenannten No-Shows von den Doping-Kontrolleuren vermeldet wurden. Offensichtlich haben viele Athleten etwas zu verbergen.
Madsen: Wenn man die Einzelfälle analysiert, erkennt man, dass da in der Regel kein Vorsatz vorliegt. 90 Prozent der No-Shows passieren aus Vergesslichkeit oder wegen unglücklicher Umstände.
SPIEGEL ONLINE: Welche Umstände?
Madsen: Ein Athlet wird im Trainingslager krank, fährt nach Hause, vergisst aber, es der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada mitzuteilen. Der Kontrolleur kommt. Bingo. Oder der Sportler verlässt sich auf andere Personen, Trainer, Manager. Die vergessen, der Nada Bescheid zu geben, dass sich zum Beispiel der Ort für einen Lehrgang geändert hat. Die Tester suchen wieder vergeblich.
SPIEGEL ONLINE: Zwei Vergehen werden als Dopingfall gewertet, der Sportler wird danach gesperrt. Warum sollte ein Athlet wegen Schludrigkeit seine Karriere riskieren?
Madsen: Ein Athlet muss ziemlich auf Draht sein, wenn er alles richtig machen will. Bei der Nada kann sich der Sportler relativ problemlos im Internet oder per SMS . Die meisten No-Shows bei den Schwimmern entstehen durch Verfehlungen bei den Dopingkontrollen des Schwimmweltverbandes Fina. Der verlangt jeden Monat eine Auflistung darüber, wo sich ein Sportler aufhalten wird. Die Kontrolleure der Fina halten sich dann strikt an diese Liste. Wenn sich also eine Änderung ergibt, hat der Athlet ein Problem.
SPIEGEL ONLINE: Werden Sanktionen zurückgenommen, wenn der Betroffene seine Abwesenheit erklären kann?
Madsen: Die Kontrolleure lassen nicht mit sich reden. Schlecht organisierte Athleten haben es daher im Leistungssport ziemlich schwer.
Das Interview führte Gerhard Pfeil