Vierschanzentournee: Hannawalds unheimliche Serie - DER SPIEGEL
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Vierschanzentournee Hannawalds unheimliche Serie

Mit einer souveränen Vorstellung in Innsbruck hat Sven Hannawald erneut bewiesen, dass er derzeit das Maß aller Dinge im Skispringen ist. Martin Schmitt wurde Fünfter.
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Innsbruck - Sven Hannawald segelt konkurrenzlos dem Grand Slam der Skispringer entgegen. Der Skiflug-Weltmeister gewann nach seinen Triumphen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen auch den Wettbewerb in Innsbruck. Nun hat er die Chance, als Erster in der 50-jährigen Geschichte der Vierschanzentournee alle Wettbewerbe und damit 50.000 Euro Super-Prämie zu gewinnen. Dafür fehlt ihm nur noch der Triumph am 6. Januar (13.45 Uhr) in Bischofshofen. Dort gewann Hannawald bereits WM-Gold und hält den Schanzenrekord.

"Eine richtig geile Bombe"


"Eine richtig geile Bombe. Das ist sensationell. Ich kapiere das alles gar nicht. Trotz des ganzen Nervendrucks gelingen mir einfach phänomenale Sachen", jubelte Hannawald. Auf der neuen Bergisel-Schanze landete der 27-Jährige mit Schanzenrekord (134,5 Meter) den ersten deutschen Sieg seit 18 Jahren (Jens Weißflog/1984). Der zweitplatzierte Adam Malysz (Polen) lag 23 Punkte zurück. Weltmeister Martin Schmitt (Furtwangen) steigerte sich auf den fünften Platz. Hannawald baute seine Führung in der Gesamtwertung auf 42,9 Punkte oder umgerechnet 24 Weitenmeter vor Titelverteidiger Malysz aus. Zuletzt gewann 1996 (Weißflog) ein Deutscher den wichtigsten Titel des Skispringens.

Nach dem Sieg-Hattrick setzten die Tournee-Verantwortlichen eine zuvor nicht geplante Sonderprämie von 50.000 Euro aus, wie Oberstdorf-Chef Claus-Peter Horle erklärte. Als achter Springer der Geschichte hat Hannawald die ersten drei Tournee-Wettbewerbe gewonnen. Hannawalds Chancen auf den Gesamtsieg sind auch deshalb erstklassig, weil der Abschluss-Wettbewerb in Bischofshofen ausgerechnet auf jener Schanze steigt, wo der 27-jährige seine bislang größten Triumphe feierte. Dort holte er sich vor vier Jahren den ersten seiner nun insgesamt zehn Weltcup-Siege. Dort wurde er 1999 Weltmeister und hält mit 137 Metern den Schanzenrekord.

Weiter schlaflose Nächte


"Ich beschäftige mich nicht mit dem Gesamtsieg. Ich bin noch nicht durch. Ich brauche noch zwei gute Sprünge in Bischofshofen und werde weiter so beschissen schlafen wie in den letzten Tagen", sagte Hannawald mit Freudentränen in den Augen. Vor der Siegerehrung ließ sich der Tournee-Star minutenlang von den mehr als 20.000 Zuschauern im Schanzenauslauf feiern. Hannawalds Preisgeld-Konto bei der Tournee stieg nach dem dritten Sieg auf 135.000 Euro an.

"Ich genieße den Moment und werde jetzt ein wenig feiern. In Bischofshofen kann ich trotz des großen Vorsprunges nicht auf Sicherheit springen. Das geht in die Hose. Ich werde voll angreifen. Die Schanze liegt mir", blickte der Hattrick-Sieger voraus. "Der Vierfach-Sieg für Sven ist möglich", erklärte Bundestrainer Reinhard Heß: "Der Junge hat eine solche Spitzenform. Er muss nur ruhig bleiben." Im Gesamtweltcup liegt der sechsfache Saisonsieger Malysz mit 995 Punkten weiter vor Hannawald (699) und dem auch in Innsbruck drittplatzierten Österreicher Martin Höllwarth (493).

"Richtig schön in die Latten gelegt"


Wie in den beiden Wettbewerben zuvor hatte Hannawald auch in Innsbruck die Qualifikation ausgelassen und musste deshalb im ersten Wertungsdurchgang entsprechend des K.o.-Modus gegen Österreichs Qualifikationssieger Martin Höllwarth antreten. Doch die Hoffnung der Einheimischen, die am "Berg der Tiroler" die Dominanz von Hannawald brechen wollten, erfüllte sich nicht.

Der neue Sportheld der Deutschen zertrümmerte im ersten Wertungssprung mit dem Schanzenrekord von 134,5 Metern regelrecht den Optimismus der gesamten Konkurrenz und sprang acht Meter weiter als Österreichs Martin Höllwarth, der den Rest des Feldes im ungleichen Duell anführte. "Das war Genießen pur. Ich habe mich richtig schön in die Latten gelegt. Ein Übersprung", jubelte Hannawald nach dem weitesten Sprung der gesamten Tourneegeschichte (bisher Malysz/134,0 im Vorjahr in Bischofshofen).

Späth schafft die Olympia-Norm


Von der Mannschaft des Deutschen Skiverbandes (DSV) überzeugte neben Hannawald und Schmitt vor allem auch der Oberhofer Stephan Hocke als Neunter. Georg Späth (Oberstdorf) landete auf Platz 14 und erfüllte zugleich als vierter DSV-Springer die interne Olympia-Norm.