Vierschanzentournee: Skiadler fühlen sich als Suppenhühner - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Vierschanzentournee Skiadler fühlen sich als Suppenhühner

Auch die Qualifikation für das Abschlussspringen war eine Ein-Mann-Show des Polen Adam Malysz. Im Lager der Deutschen herrschte dagegen Müdigkeit und Ernüchterung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bischofshofen - Spitzenreiter Adam Malysz flog auch bei der Generalprobe für das große Tournee-Finale in einer anderen Klasse als Deutschlands müde Skispringer. In der Qualifikation für das Abschlussspringen am Samstag in Bischofshofen (13.45 Uhr/live in RTL) siegte der 23-Jährige mit 133,5 Metern souverän - niemand kann ihm wohl mehr den ersten Gesamtsieg für Polen entreißen. Der nach dem Absturz in Innsbruck entnervt wirkende Martin Schmitt flog 23 Meter weniger und musste sich mit einem frustrierenden 17. Rang zufrieden geben. Bester der sechs für den Wettkampf qualifizierten Deutschen war Sven Hannawald, der mit einem 117,5-Meter-Sprung Rang acht belegte.

"Mit dem Tourneesieg würde sich ein Traum erfüllen, das wäre mein größtes Erlebnis. Es gibt unwahrscheinlich viele Emotionen in Polen", erklärte Malysz. Der Mann, der den letzten deutschen Gesamtsieger Jens Weißflog als "mein Idol" bezeichnet, hatte 6,5 Meter Vorsprung vor dem zweitplatzierten Finnen Janne Ahonen. Im Training war der "Außerirdische" zuvor gar auf 135,5 Meter gesegelt. Niemand glaubt mehr, dass Malysz die 38,4 Punkte Vorsprung auf den Japaner Noriaki Kasai noch einbüßt. Im K.o.-Duell am Samstag kann das nur 1,69 Meter große Leichtgewicht den in der Qualifikation bei 87,5 Meter abgestürzten Kasai zudem endgültig aus dem Rennen werfen. Für die Deutschen hat sich das Thema Gesamtsieg ohnehin erledigt: Schmitt belegt mit 76,3 Punkten Rückstand Rang vier vor Hannawald.

"Man kann aus einer Niederlage keinen Sieg machen"


"Bei der Tournee zählt nicht der Platz, nur der Sieg. Der ist weg, und ich muss mir neue Ziele setzen. Bei mir ist die 100-prozentige Frische nicht mehr da, die Müdigkeit kommt nach der anstrengenden Tournee einfach raus", sagte Schmitt zu seiner Fehlleistung. Hannawald plädierte derweil dafür, "keine Ausreden" für das schwache Abschneiden zu suchen. Bundestrainer Reinhard Heß fordert von seinen abgestürzten Überfliegern einen Neubeginn ohne Siegdruck: "Man kann aus einer Niederlage keinen Sieg machen. Aber wir waren schon einmal Suppenhühner und sind dann wieder Adler geworden. Wir werden hoffentlich früher wieder in Erscheinung treten, als einige denken."

Am besten schon am Samstag auf der Schanze in Bischofshofen: Auf dem Riesenbakken am Laideregg gewann Schmitt 1999 zwei WM-Titel, Hannawald hält mit 137 Metern den Schanzenrekord. Neben dem Duo qualifizierten sich auch Michael Uhrmann (Rastbüchl/105,5 Meter), Alexander Herr (Rohrhardsberg/103), Roland Audenrieth (Partenkirchen/102,5) und Frank Löffler (Oberstdorf/98,5) für das Tournee-Abschlussspringen.

Von Lars Becker, sid