Volleyball-EM Deutschland kämpft um die erste Medaille
Rückkehrer Georg Grozer (bei der EM 2009): Eine Medaille soll her
Foto: A2800 epa Tolga Bozoglu/ dpaHamburg - Das große Ziel ist London 2012: Mit einer langersehnten ersten Medaille wollen die deutschen Volleyballer bei der EM den Grundstein für die Qualifikation für die Olympischen Spiele legen. "Wir brauchen einen Aha-Effekt. Es geht jetzt schon um eine kleine Weichenstellung für London. Und natürlich sollte man immer eine Medaille anstreben", sagte Präsident Werner von Moltke vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) vor der an diesem Samstag beginnenden Europameisterschaft in Tschechien und Österreich.
Die Vorzeichen sind schlecht: Noch nie konnten die deutschen Volleyballer von einer EM Edelmetall mit nach Hause nehmen. Dabei sind im Beachvolleyball deutsche Medaillen bei großen Titelkämpfen längst Normalität: Julius Brink und Jonas Reckermann wurden 2009 Weltmeister und in diesem Jahr Europameister.
In der Erfolgsliste des deutschen Hallen-Nationalteams der Männer stehen bei Europameisterschaften bisher nur vier vierte Plätze (1967, 1971, 1991 und 1993). Vor zwei Jahren langte es in der Türkei nur zu Platz sechs, weil wieder einmal ein Sieg zum Einzug in die Medaillenrunde fehlte. "Wir wollen besser sein, als vor zwei Jahren. Ich will ins Halbfinale. Irgendwann muss es mal so weit sein mit der ersten Medaille", sagt Bundestrainer Raul Lozano: "Irgendwann muss man die Geschichte durchbrechen. Die Mannschaft muss dazu bereit sein - die Betreuer, der Verband, alle zusammen. Dann kann es klappen."
"Das ist natürlich eine Hammergruppe"
Doch gleich in der Vorrunde in Prag steht das deutsche Team vor schwierigen Aufgaben. Auftaktgegner am Samstag ist Titelverteidiger Polen. "Es ist ein Spiel, das ich lieber nicht spielen wollte", sagte Lozano: "Aber in allen Wettbewerben treffen wir immer auf Polen, was für ein Zufall." Die Gründe für seine zurückhaltenden Äußerungen liegen in der Vergangenheit. Der Argentinier war selbst vier Jahre lang Coach der polnischen Auswahl und gewann mit dem Team 2006 in Japan völlig überraschend WM-Silber. "Bis zum Spiel werden die Kontakte ein wenig distanziert sein, aber nachher wird es lockerer, und die Unterhaltungen werden sehr herzlich", so Lozano.
Zudem warten in der Vorrunde noch die starken Bulgaren und Außenseiter Slowakei. "Das ist natürlich eine Hammergruppe", sagt Zuspieler Patrick Steuerwald. Hoffnung gibt, dass mit Kapitän Björn Andrae und Hauptangreifer Georg Grozer zwei Führungsspieler wieder fit sind, die in der Weltliga noch gefehlt hatten. "Da habe ich immer nur die Schlagzeilen gelesen: Verloren, verloren. Das müssen wir bei der EM unbedingt revidieren", fordert von Moltke. Die bei der letzten WM auf Platz acht gelandete Mannschaft kann solche Aussagen nicht mehr hören. "Natürlich wäre so ein Erfolg schön", sagt Stefan Hübner im "Volleyball-Magazin": "Aber wir brauchen keinen Funktionär, der uns daran erinnert."
Verbandspräsident von Moltke will die WM nach Deutschland holen
Doch die Leistungen ließen zuletzt in der Tat zu wünschen übrig. In der diesjährigen Weltliga sprang nur Platz elf heraus. Vor allem die mangelnde Konstanz machte den Verantwortlichen Sorgen. "Ich erwarte eine bessere Mannschaftsleistung. Ich hoffe, dass sie mehr Wollen demonstrieren", fordert von Moltke. Für das große Ziel EM-Medaille macht der Verbandschef den Akteuren Mut: "Sie wissen genau, dass sie besser spielen können als in der Weltliga."
Und er will nach der Frauen-EM 2013 weitere Großereignisse nach Deutschland holen: "Für die Beach-WM 2015 wollen wir uns bewerben, das wäre dann ein Jahr vor Olympia. Und die Hallen-WM der Männer wollen wir auch einmal nach Deutschland holen", sagt von Moltke: "Das macht aber nur Sinn, wenn wir um die Medaillen mitspielen können." Ein Podestplatz bei der EM wäre dafür sicher die beste Werbemaßnahme.