Volvo Ocean Race: 22 Tage ohne Dusche - DER SPIEGEL
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Volvo Ocean Race 22 Tage ohne Dusche

Strapazen auf hoher See: Weltumsegler Michael Müller wurde beim Volvo Ocean Race von bis zu acht Meter hohen Wellen durchgeschüttelt und von Dauer-Durchfall gepeinigt. Auf körperliche Hygiene musste an Bord dennoch weitestgehend verzichtet werden. Jetzt aber ist erst mal Urlaub.
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Am Mittwoch ist der deutsche Weltumsegler vom Puma Racing-Team nach Hause gekommen – erschöpft, erleichtert und voller Erlebnisse. Drei Etappen hat der Kieler mit seiner Crew beim Volvo Ocean Race, dem Meeres-Marathon über 39.000 Seemeilen einmal rund um den Globus, hinter sich. Afrika wurde umrundet, der Monsunregen im Indischen Ozean überstanden. "Eigentlich war bisher alles ganz gut und so, wie ich es mir vorgestellt habe", sagt der 25-Jährige SPIEGEL ONLINE.

Yacht des Puma-Racing-Teams: Von Dauer-Durchfall geplagte Segler

Yacht des Puma-Racing-Teams: Von Dauer-Durchfall geplagte Segler

Foto: REUTERS

Am Dienstagmorgen überquerte das Team auf seiner Yacht "Il Mostro" in Singapur als Zweites die Ziellinie, 17 Minuten hinter Etappensieger "Telefonica Blue" und nur wenige Sekunden vor "Ericsson 3" und "Ericsson 4" – Fotofinish nach 1950 Seemeilen und zehn Tagen im Indischen Ozean. Im Gesamtklassement liegt die Crew von US-Skipper Ken Read auf Rang drei. Es führt "Ericsson 4". Die Schweden hatten die beiden ersten Etappen in Kapstadt und ins indische Kochi gewonnen.

Dass es auf dem Weg durch den Golf von Bengalen jede Menge Monsune geben würde, wussten Müller und seine zehn Mann starke Crew. Dass in der Straße von Malakka, einem 300 Kilometer langen Kanal zwischen Indonesien und Malaysia, Piraten warten könnten, war allen seit einer Informationsveranstaltung klar, die die Rennleitung einberufen hatte. Doch auf eines war an Bord des 70-Fuß-Bootes niemand so Recht vorbereitet – auf den Dauer-Durchfall. Fast die gesamte Besatzung hatte damit zu kämpfen. Und als schließlich auch noch das Pumpsystem der einzigen Toilette wegen Überlastung zusammenbrach, wurde es unter Deck noch unangenehmer und geruchsintensiver, als es dort ohnehin schon war, weil zehn Männer aufgrund eines straffen Zeitplans kaum Zeit für Körperhygiene hatten.

"Gesicht waschen und Salz abspülen"

"Man kann sehr lange ohne Dusche auskommen", lautet Müllers Erkenntnis. Sehr lange, das sind in seinem Fall 22 Tage. So lange dauerte die erste Etappe von Alicante nach Kapstadt. Und so lange waren "Gesicht waschen und Salz abspülen" das Maximale des Machbaren in Sachen Reinlichkeit. Im Hotel in Kapstadt habe er dann jedoch eine halbe Stunde unter der Dusche gestanden, sagt Müller. Trotz bequemer Hotelbetten lag er bei den Zwischenstopps nachts oft wach, denn sein Körper hatte sich an das Vier-Stunden-Schicht-System des Rennens gewöhnt.

Vier Stunden in der Kajüte, anschließend vier Stunden an Deck, bei Kälte und Nässe auf dem Vorderschiff, auf dem der 1,86 Meter große Athlet die Segel trimmt. Mal bei ruhigem Seegang und dann wieder bei bis zu acht Meter hohen Wellen - wie auf der zweiten Etappe, als im Vorderteil des Bootes sogar einige Wände brachen, nachdem der karbonfaserne Rumpf der "Il Mostro" beim Springen auf den Wellen zu hart aufgekommen war. Richtiges Schlafen, sagt Müller, sei kaum möglich. Deshalb spricht er lieber von einem "Dösen". Und selbst das wurde einige Male unterbrochen, weil plötzlich ein Manöver anstand und alle anpacken mussten.

Am 5. Januar geht es zurück nach Singapur

Trotz diverser Wetterkapriolen und extremer Bedingungen sei die Stimmung an Bord allerdings fast durchgängig gut gewesen. "Wir haben ja monatelang im Nordatlantik trainiert. Daher wusste jeder, was auf ihn zukommt." Größere Verletzungen, so Müller, habe es an Bord bislang nicht gegeben. "Nur ein paar aufgeschürfte Knie und hochgerissene Fingernägel, aber nichts mit richtig viel Blut", so der Schleswig-Holsteiner. Die vergangenen Monate haben ihn abgehärtet. Und dennoch hatte selbst ein Seebär wie er sensible Momente – allerdings an Land. "Ich wusste, dass es in Indien viel Armut gibt, aber so viel Armut habe ich dann doch nicht erwartet. Da habe ich gemerkt, wie gut es mir doch als Westeuropäer geht."

Müller freut sich nun auf ein paar ruhige Tage mit seinen Eltern und Freundin Meike. Und darauf, "mal wieder mit den Kumpels zu schnacken", wie er im norddeutschen Zungenschlag bekennt. Am 5. Januar fliegt er dann zurück nach Singapur. Bis dahin habe er "ganz sicher" wieder die fünf Kilogramm drauf, die er auf der dritten Etappe verloren hat. Und es dürfen selbst ein paar Gramm mehr sein. Denn der vierte Rennabschnitt führt über knapp zwei Wochen durch das Chinesische Meer nach Qingdao. Und dort ist Winter.

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