Wada-Präsidenten-Wahl: Das Biest und das Phantom - DER SPIEGEL
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Wada-Präsidenten-Wahl Das Biest und das Phantom

Unbequem, doch respektiert: Am kommenden Samstag will die Welt-Anti-Doping-Agentur den Nachfolger ihres ersten Präsidenten Richard Pound ernennen. Der war nicht sonderlich beliebt, doch die Kompetenz des Kanadiers war unumstritten - beim möglichen Nachfolger ist es eher umgekehrt.
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Er ist der einzige Kandidat. Er muss sich gegen keinen Konkurrenten behaupten. Dennoch könnte die Wahl John Faheys zum neuen Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mit einem Desaster für den ehemaligen australischen Finanzminister enden. Das würde die Wada-Konferenz in Madrid am Samstag mit einem Eklat zu Ende gehen lassen. Denn Fahey benötigt alle 18 Stimmen des Wada-Stiftungsrates. Dieser kann er sich aber nicht sicher sein.

Scheidender Wada-Präsident Pound: "Viel Feind, viel Ehr"

Scheidender Wada-Präsident Pound: "Viel Feind, viel Ehr"

Foto: AFP

Das Komitee setzt sich zu gleichen Teilen aus Vertretern des Sports und der Politik zusammen. Bei dieser Wahl wird der Nachfolger nur von den Vertretern der Regierungen gewählt. Fahey ist Kandidat der Amerikaner, Australier und Japaner. Diese Stimmen hat er sicher.

Es hängt an Europa. "Wir wollen keine Querelen, aber wir wollen die Position des Wada-Präsidenten wenn nicht stärken, so doch angemessen besetzen", sagt Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium und einer der fünf europäischen Wahlmänner. Das ist eine klare Kritik am designierten Wada-Boss, aber bei Weitem nicht die heftigste. "Das Amt des Wada-Chefs ist schon beschädigt, wenn die Mehrheit der Länder einen inkompetenten Präsidenten will", macht Grünen-Sportsprecher Winfried Hermann deutlich.

In Europa ist man nicht glücklich über Fahey, der sich bislang im Anti-Doping-Kampf ähnlich verdient gemacht hat wie Sepp Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa - nämlich gar nicht. Nicht einmal Branchenkennern ist der 62-Jährige ein Begriff. "Wenn man Doping bekämpfen will, ist Sachverstand nicht abträglich." Das sagt Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, dem selbst häufig vorgeworfen wurde, sich nicht ausreichend im Anti-Doping-Kampf zu engagieren.

Es bleibt wohl bis zuletzt unklar, ob Fahey die Europäer doch noch auf seine Seite ziehen kann, und damit die fünf Stimmen, die bis vor einem Monat mit Sicherheit an den Franzosen Jean-Francois Lamour gegangen wären. Doch der Auserwählte, als ehemaliger Sportminister seines Landes erfahren in Doping-Fragen, zog plötzlich seine Bewerbung zurück. Ob dies aus Gründen geschah, die mit seiner Vergangenheit als Säbelfechter in den siebziger Jahren zu tun haben oder weil er keine Chance sah, gegen die Fahey-Allianz zu gewinnen, ist bis heute nicht geklärt. Er selbst sprach von einer "angelsächsischen Verschwörung".

Fakt ist, dass der kurzfristige Rückzug das europäische Konzept zunichte machte. Die Zeit, einen Ersatz zu finden, war nicht gegeben. "Wir können jetzt niemanden mehr aus dem Hut zaubern", sagte Bergner dem Deutschlandfunk. Auch die letzte Chance, eine Verschiebung der Wahl ins neue Jahr, um eventuell den früheren britischen Sportminister Richard Caborn zu positionieren, wurde von Pound, ehemaliger Olympiaschwimmer und ein Mann des Sports, selbst schnell zunichte gemacht. Denn auch wenn dieser die Entscheidung Lamours "unglücklich" fand, ist ein Entgegenkommen von ihm nicht zu erwarten. "Wenn die Europäer sich nach langem Zaudern auf den falschen Kandidaten geeinigt haben, ist das ihr Fehler. Sie können dafür nicht den Rest der Welt verantwortlich machen."

Ein Zugeständnis Pounds wäre ohnehin überraschend gekommen. Als Diplomat wird der Kanadier nach seinen acht Jahren als Wada-Präsident nicht in Erinnerung bleiben. Seit 1999, den ersten Tagen der Organisation, hat Pound vielmehr unter dem Motto "viel Feind, viel Ehr'" gehandelt. Vielleicht war das die beste Art, die als unabhängig deklarierte Wada nicht zu sehr ins Fahrwasser des Sports und der Politik geraten zu lassen.

Aufstrebend und unbequem

"Mir ist es egal, was die Leute von mir halten, wenn es um die Sache geht", sagt Pound über sich. Diese Uneitelkeit, in Funktionärskreisen äußerst selten zu beobachten, war eine der Hauptbefähigungen Pounds für den unbequemen Job des obersten Doping-Jägers. Auch sein schwieriges Verhältnis zum Internationalen Olympischen Komitee IOC, aus dem er als aufstrebendes, aber unbequemes Mitglied 1999 nach 21 Jahren zur Wada komplimentiert wurde, brachte ihm das Stück Unabhängigkeit, das für die Arbeit als Kontrolleur unablässig ist. Zu gerne nimmt der Sport Einfluss - bei Pound blieb er erfolglos.

Aus dem Regelchaos zu Beginn seiner Amtszeit wird nun, acht Jahre später, der erste Anti-Doping-Code, der diesen Namen auch verdient hat. Dennoch ist auch dem 65-Jährigen klar: "Nicht alle Probleme sind hundertprozentig gelöst, doch wir haben eine Wada, die funktioniert." In diesem Wissen könnte Pound nun Präsident des Obersten Sport-Schiedsgerichtshofes Cas werden. "Das ist eine Möglichkeit", sagt er. "Es wäre gut, wenn mir das IOC eine Aufgabe gibt, von der ich etwas verstehe."

Diesen Anspruch hat er seinem möglichen Nachfolger Fahey voraus.

Mit Material von dpa und sid