Sportbetrug Wada verwirrt mit neuer Dopingsperre
Wada-Chef Fahey: Härtere Sanktionen für Dopingsünder
Foto: KENZO TRIBOUILLARD/ AFPHamburg - Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) will künftig härter gegen Dopingsünder vorgehen - hat dafür aber wohl nicht die rechtliche Grundlage. Bei einem Treffen in Montreal erarbeitete die Agentur den Vorschlag, die Strafen für besonders schweren Sportbetrug von zwei auf vier Jahre zu verdoppeln.
Das neue Regelwerk - der World-Anti-Doping-Code - soll nach einer weiteren Beratungsphase im November 2013 in Johannesburg beschlossen werden und am 1. Januar 2015 in Kraft treten. Doch laut Anwalt Michael Lehner wäre diese Bestrafung in Deutschland und anderen Teilen der Welt verfassungsrechtlich nicht durchsetzbar. "Dies wurde im Fall Katrin Krabbe 1995 gerichtlich festgestellt, daran hat sich bis heute nichts geändert", sagt Lehner, der zu den renommiertesten Anwälten im Bereich Doping zählt: "Die Wada kommt im Anti-Doping-Kampf nicht richtig voran und will Stärke zeigen. Es ist das alte Spiel mit den harten Strafen."
Sprint-Weltmeisterin Krabbe war 1993 ebenso wie 400-Meter-Läuferin Grit Breuer und Manuela Derr vom Leichtathletik-Weltverband IAAF für vier Jahre gesperrt worden. Das Oberlandesgericht München hatte nach langem juristischem Streit festgestellt, dass eine solche Sanktion gegen das Recht auf Berufsfreiheit verstoße. Daraufhin hatte Krabbe die IAAF verklagt und 1,2 Millionen Mark Entschädigung erhalten.
Bisherige Regelung war unzulässige Doppelbestrafung
Mit einer Vier-Jahres-Sperre will die Wada vor allem den Wegfall der sogenannten Osaka-Regel kompensieren. Diese besagte, dass Athleten, die mehr als sechs Monate wegen Dopings gesperrt waren, bei den darauffolgenden Olympischen Spielen nicht startberechtigt sind.
Der Internationale Sportgerichtshof Cas hatte jedoch festgestellt, eine solche Regel komme einer Doppelbestrafung gleich und sei nicht im Einklang mit den Statuten des Internationalen Olympischen Komitees. Dies hatte dazu geführt, dass der frühere 400-Meter-Weltmeister LaShawn Merritt (USA) und andere Athleten wie der britische Sprinter Dwain Chambers 2012 in London wieder starten durften.
Die Wada fordert die Vierjahres-Sperre für schwerere Vergehen mit anabolen Steroiden, Wachstumshormonen, dopingverschleiernden Substanzen und verbotenen Techniken. Wada-Chef John Fahey sagt: "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Sanktionen durchsetzen. Die Athleten müssen wissen, dass sie einen hohen Preis zahlen, wenn sie Doping riskieren."