Von Maradona bis Simeone Die unfairsten Aktionen der Sportgeschichte
Die Aktion von Atlético Madrid sorgt für Aufregung in Spanien. Um einen Konter der Gäste aus Málaga zu verhindern, war von der Reservebank ein Ball aufs Spielfeld geworfen worden. Trainer Diego Simeone wurde dafür auf die Tribüne geschickt. Im historischen Vergleich kam der Coach damit aber noch glimpflich davon, wie ein Blick in die Sportgeschichte zeigt.
1) Der Masseur auf der Torlinie
Ramildo Fonseca, der Masseur des brasilianischen Viertligisten Aparecidense, erhielt nach eigenen Angaben Morddrohungen, nachdem er 2013 beim Stand von 2:2 in einem wichtigen Spiel gegen Tupi aufs Spielfeld getreten war und zwei Schüsse des Gegners auf der Torlinie geblockt hatte (
hier
ist das Video zu sehen). Die Aktion sollte seiner Mannschaft den Aufstieg in die dritte Liga sichern. Sie erreichte das Gegenteil. Zwar konnte Fonseca sich durch sofortige Flucht aus dem Stadioninnenraum zunächst vor den aufgebrachten Spielern des Gegners retten. Er wurde jedoch nachträglich lange gesperrt und sein Verein aus der Liga ausgeschlossen.
Massagista que evitou gol do Tupi sonha ser deputado por Goiás, mas Aparecidense não o apoia. http://t.co/nt78f6txp8 pic.twitter.com/FMlvNX8VtU
— Chico Maia (@chicomaiablog) January 15, 2014
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2) Die Hand Gottes
Dagegen blieb der vielleicht berüchtigste Betrugsversuch der Fußballgeschichte ungesühnt. Im Viertelfinale der WM 1986 in Mexiko erzielte
Diego Maradona
das 1:0 für Argentinien gegen England mit der Hand. Anders hätte er das Luftduell mit dem 20 Zentimeter größeren Torhüter Peter Shilton kaum gewonnen. Maradona musste seine Teamkollegen ermuntern, mit ihm zu feiern, wie er sich hinterher erinnerte: "Kommt, umarmt mich, oder der Schiri gibt das Tor nicht!". Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel erklärte der Spieler, das Tor sei "teilweise mit dem Kopf von Maradona, teilweise mit der Hand Gottes" erzielt worden. Argentinien wurde eine Woche später Weltmeister.
Maradona, England vs Argentina, 1986 (Estadio Azteca) #diegoarmando #worldcup #mexico #handofthegod #england pic.twitter.com/FfaCmlzA6J
— Historical Goals (@historicalgoal) February 2, 2016
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3) "Los, halt ihn fest!"
Wenn es 1982 schon Soziale Netzwerke gegeben hätte, dann wären der Schweizer Handballer Peter Jehle und sein Nationaltrainer Sead Hasanefendic wohl nicht so entspannt davongekommen. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Dortmund liefen die letzten Sekunden des abschließenden Hauptrundenspiels zwischen Deutschland und der Schweiz. Die DHB-Auswahl brauchte einen Sieg, um das Spiel um Platz drei zu erreichen. Es stand 16:16. Erhard Wunderlich lief einen Kontergegenstoß aufs Schweizer Tor, wurde aber von Jehle umgerissen. Nicht nur war es ein zynisches Foul. Jehle war eigentlich auch gar nicht im Spiel, sondern lief einfach von der Bank zusätzlich aufs Feld.
Erhard Wunderlich beim Sprungwurf
Foto: dpaTrainer Hasenefendic hatte ihn mit den Worten "Los, halt ihn fest!" aufs Spielfeld gestoßen, wie der "Tagesspiegel" sich erinnert . Das bemerkte aber in der Halle zunächst niemand. Erst am nächsten Tag fiel einem Journalisten beim Videostudium die ganze Dimension des Regelverstoßes auf. Da war die Einspruchsfrist für einen Protest allerdings schon abgelaufen, Deutschland wurde am Ende Siebter des Turniers. Die Schweiz stand ohnehin als Gruppenletzter fest.
4) Der Übergriff des Basketballtrainers
Während Hasanefendic seinen Spieler zum Betrug anstiftete, griff der französische Basketballcoach Laurent Sciarra lieber selbst ins Spiel ein. Beim Zweitligaspiel zwischen Sciarras Team SPO Rouen und den Gästen von SOM Boulogne-sur-Mer lief die letzte Minute des Schlussviertels, es stand 84:84. Sciarra, an der Seitenlinie ohnehin schon erregt gestikulierend, griff in einem Reflex auf einmal nach dem Ball, den ein Gäste-Spieler dicht vor seiner Bank führte. Sofort erkannte der Trainer seinen Fehler und riss die Arme hoch, um seine Unschuld zu bekunden. Doch es nützte nichts: Die Schiedsrichter verhängten ein technisches Foul gegen Sciarra, Boulogne gewann durch die fälligen Freiwürfe das Spiel.
5) Die Selbstverletzung von Maracana
Im letzten Spiel der südamerikanischen Qualifikation zur Fußball-WM 1990 führte Brasilien vor 140.000 Zuschauern in Rio de Janeiro 1:0 gegen Chile. Mit diesem Ergebnis wären die Gastgeber nach Italien gefahren, Chile ausgeschieden. Da landete eine Leuchtrakete im chilenischen Strafraum. Keeper Roberto Rojas wälzte sich auf dem Rasen und hielt sich das Gesicht. Blutüberströmt wurde der Torhüter vom Platz getragen. Schiedsrichter Juan Carlos Loustau, der später bei der Endrunde in Italien Rudi Völler und Frank Rijkaard vom Platz stellen sollte, brach das Match ab.
Bengala en el Maracaná, 3 septiembre de 1989, Rio de Janeiro, Brasil. Cómo olvidar a roberto rojas Chile! @Juezcentral http://t.co/zockfjZI
— ❾¾ ▕⃝⃤⚡ JULIÁN GAMA F. #OP10 (@juliangamaf) October 12, 2012
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Eine Untersuchung der Fifa ergab später allerdings, dass Rojas sich die Verletzung mit einer im Handschuh versteckten Rasierklinge selbst zugezogen hatte. Er wurde lebenslang gesperrt, genau wie Trainer und Teamarzt. Das Spiel wurde nachträglich für Brasilien gewertet, Chile durfte an der folgenden WM-Qualifikation nicht teilnehmen.
Die Moral der Geschichte: Betrug lohnt sich meistens nicht. Es sei denn, man hat göttlichen Beistand.