Wimbledon 2019: Roger Federer verliert - so brutal kann Tennis sein - DER SPIEGEL
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Federers Niederlage in Wimbledon Statistik gewonnen, Match verloren

Roger Federer war Novak Djokovic in den meisten Statistiken überlegen - und verlor das Wimbledon-Finale trotzdem. Die Zahlen bestätigen Schwächen, die sich durch die Karriere des Schweizers ziehen.
Roger Federer verpasste seinen neunten Wimbledon-Titel
Roger Federer verpasste seinen neunten Wimbledon-Titel

Roger Federer verpasste seinen neunten Wimbledon-Titel

Foto: Adrian Dennis / AFP
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Pat Cash hatte so eine Ahnung. Nach dem dritten Satz schrieb der ehemalige Wimbledon-Sieger bei Twitter: "Tennis ist eine der wenigen Sportarten, in denen du in fast allen Statistiken hinten liegen und trotzdem führen kannst." Novak Djokovic, so Cash weiter, zeige dies im Finale von London. Roger Federer sei zwar der bessere Spieler, aber Djokovic gewinne die wichtigen Punkte.

Auch Stunden später sollte Federers vermeintliche Überlegenheit noch Thema sein. Am Ende des längsten Wimbledon-Endspiels der Geschichte sprachen fast alle relevanten Werte für den Schweizer:

  • Federer erzielte 14 Punkte mehr als Djokovic.
  • Federer servierte 25 Asse und damit 15 mehr als sein Gegner.
  • Federer (sechs) unterliefen weniger Doppelfehler als Djokovic (neun).
  • Federer machte mehr Punkte, wenn der erste und der zweite Aufschlag kam.
  • Federer schlug insgesamt 94 Winner und damit 40 mehr als Djokovic.
  • Federer nutzte 54 Prozent seiner Breakchancen - 16 Prozent mehr als Djokovic.
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"Es war ein großartiges Spiel"

Der wichtigste Wert aber stand nach 4:57 Stunden auf der großen Anzeigetafel auf dem Center Court: 6:7, 6:1, 6:7, 6:4, 12:13 - aus Sicht von Federer. "Die Statistiken machen keinen Unterschied. Ich weiß, dass ich gut gespielt habe und dass es unglaublich knapp war. Alles andere zählt nicht", sagte der unterlegene Schweizer später. Federer wolle versuchen, das Gute aus dem Spiel mitzunehmen. Doch das dürfte ihm schwer fallen.

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Für Federer war es elf Jahre nach dem Jahrhundertspiel gegen Rafael Nadal am gleichen Ort eine weitere denkwürdige und zugleich bittere Niederlage. Eine, die vielen in Erinnerung bleiben wird. "Es war ein großartiges Spiel", sagte Federer, der nun erst mal eine kleine Pause einlegen wird.

Er gewann in jedem Satz mindestens sechs Spiele und ließ erst nach 2:47 Stunden einen Breakball zu. Aber, und auch das ist entscheidend: In den wichtigen Momenten war es Djokovic, der die Ballwechsel bestimmte. In allen drei Tie-Breaks, die letztlich über den Ausgang der Partie entschieden, geriet Federer früh in Rückstand. Am Ende hatte Djokovic wenig Probleme, die Führung ins Ziel zu retten. Dennoch sei Federer stolz auf ein "episches" Finale.

Federers Bilanz gegen Djokovic ernüchternd

Federer überzeugte vor allem im zweiten Satz, als er Djokovic nur zwölf Punkte ermöglichte. Pat Cash attestierte dem Schweizer eine der "besten und aggressivsten" Leistungen, die er je auf Rasen gesehen habe. Auch im vierten Satz dominierte Federer. Die deutsche Tennislegende Boris Becker hatte schon vor der Partie als TV-Experte gesagt, Federer habe auf dem grünen Untergrund nie besser gespielt.

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Und doch sehen manche Statistiken aus Sicht des 37-Jährigen ernüchternd aus: Zum neunten Mal verlor Federer ein Grand-Slam-Finale, nachdem er in Sätzen 1:2 in Rückstand geraten war. Nach 2014 und 2015 unterlag er Djokovic zum dritten Mal in einem Wimbledon-Endspiel. Außerdem bleibt es dabei, dass Federer innerhalb eines Grand-Slam-Turniers nicht gegen Nadal und Djokovic gewinnen kann.

Angesichts der vielen guten Momente in diesem Endspiel klang Federers erstes Fazit fast ein wenig düster. "Ich werde versuchen, dieses Spiel so schnell es geht zu vergessen", sagte er im Interview nach der Partie, und man konnte den Frust nachvollziehen. Tennis ist manchmal ein brutaler Ergebnissport - diese Erfahrung hat Federer auch schon als Gewinner gemacht. 2009 siegte er in einem ebenfalls dramatischen Wimbledon-Finale nach 4:17 Stunden. 7:5, 6:7, 6:7, 6:3, 16:14 lautete das Ergebnis damals gegen Andy Roddick.