Wimbledon: Dustin Brown, der Tenniskünstler - DER SPIEGEL
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Dustin Brown: Der Rafa-Bezwinger

Foto: STEFAN WERMUTH/ REUTERS

Wimbledon-Überraschung Brown Karriere eines Künstlers

Dustin Brown ist kein Profi wie jeder andere. Der 30-jährige Deutsche, der Rafael Nadal aus dem Wimbledon-Turnier geworfen hat, kann auf eine ungewöhnliche Laufbahn zurückblicken.
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Lleyton Hewitt hätte seine Kollegen warnen sollen. Der zweimalige Grand-Slam-Sieger bekam vor gut zwei Jahren in Wimbledon zu spüren, wie unberechenbar das Spiel von Dustin Brown auf Rasen sein kann. 4:6, 4:6, 7:6 und 2:6 hieß es am Ende aus der Sicht des chancenlosen Australiers. Brown hingegen konnte an jenem Tag erstmals andeuten, wie viel Potenzial in ihm steckt. Angst vor großen Namen hat der 1,96 Meter große Deutsche, den seine Fans aufgrund seiner Haarpracht liebevoll "Dreddy" nennen, ohnehin nicht.

Nach seinem sensationellen Sieg über Rafael Nadal ist der Name Brown auf der ATP-Tour geläufiger denn je. Tennis-Legende John McEnroe behauptete nach dem Match gar, er habe noch nie eine bessere Leistung eines Außenseiters in Wimbledon gesehen. Es war zweifelsohne der vorläufige Höhepunkt in einer ereignisreichen Karriere, die in Jamaika ihren Anfang nahm.

Reisen mit dem Wohnmobil

Dustin Brown ist Sohn einer deutschen Mutter und eines jamaikanischen Vaters und wuchs im niedersächsischen Winsen an der Aller auf. Im Alter von elf Jahren zog er nach Montego Bay in Jamaika. Dort sammelte er auf der Future-Tour, einer drittklassigen Turnierserie, erste Erfahrungen und wurde 2003 erstmals in den jamaikanischen Davis-Cup-Kader berufen. Nach einem Streit mit dem Tennisverband weigerte er sich jedoch, weitere Spiele für den Karibikstaat zu bestreiten. Brown absolvierte seinen College-Abschluss und entschied sich Ende 2003, in seine Heimat zurückzukehren, um seine Karriere dort weiter voranzutreiben.

In einem Wohnmobil, das ihm seine Eltern zum Geburtstag schenkten, reiste er von Turnier zu Turnier. Als das Geld noch knapp war, verzichtete er sogar auf eine Übernachtung in einem Hotel. "Dustin ist ein Selfmade-Profi. Er fuhr ohne Trainer oder Betreuer zu den Turnieren. Er musste sogar die Schläger selbst bespannen", sagt der ehemalige Tennisprofi Marc-Kevin Goellner über den extrovertierten Tennisprofi. Laut Goellner ist dies auch ein Grund dafür, weshalb Dustin Brown der Durchbruch später gelang als anderen Profis, die schon in jungen Jahren von Verbänden finanziell unterstützt werden.

Brown arbeitete sich in der Weltrangliste sukzessive nach oben. Nach einem erneuten Streit mit dem jamaikanischen Verband entschied er sich vor gut fünf Jahren, nie wieder für das Geburtsland seines Vaters zu spielen. Ab sofort schlug er für den Deutschen Tennis-Bund (DTB) auf. Seine Entscheidung schien ihn zu beflügeln. Bei den US Open erreichte er erstmals bei einem Major die zweite Runde, ein Meilenstein in der Karriere des damals 25-Jährigen.

Nach weiteren Achtungserfolgen auf der ATP-Tour sollte Brown in diesem Jahr sogar erstmals für Deutschland im Davis-Cup antreten. Der DTB verschlief jedoch die Anmeldefrist für Spieler, die zuvor schon einmal für andere Länder im prestigeträchtigen Teamwettbewerb gespielt haben. Somit muss Brown weiterhin auf die Erfüllung seines großen Traums warten.

Unberechenbarer Spielstil

Trotz des Erfolgs ist sich Dustin Brown auf dem Tennisplatz treu geblieben. Er vertraut weiterhin auf seinen unberechenbaren und unorthodoxen Spielstil, der verhindern soll, dass seine Gegner zur Entfaltung kommen. "Er spielt immer intuitiv, entscheidet aus dem Bauch heraus. Sein Spiel ist künstlerisch", so Goellner.

Dass sein risikoreiches Spiel auch große Gefahren birgt, zeigt die gemischte Bilanz in den vergangenen Jahren. Sein Trainer Kim Michael Wittenberg, der ihn seit knapp zwei Jahren betreut, soll dafür sorgen, dass Brown in Zukunft regelmäßig um Turniersiege auf der ATP-Tour mitspielen kann.

Nach dem größten Erfolg seiner Karriere gilt es nun, die Spannung aufrechtzuerhalten. Auf die Außenseiterrolle, die er vor einem Spiel gerne einnimmt, muss er gegen Viktor Troicki in der dritten Runde von Wimbledon verzichten. "Er muss es nun schaffen, sich zwischen den Spielen so gut es geht abzuschotten, damit Ruhe einkehrt", sagt Goellner, der selbst einmal im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers stand.

Dustin Brown bot sich vor zwei Jahren schon einmal die Chance, ins Achtelfinale von Wimbledon einzuziehen. Damals schied er nach seinem überraschenden Sieg über Hewitt gegen den Franzosen Adrian Mannarino in drei Sätzen aus. Auch wenn Brown auf ein ähnliches Szenario verzichten könnte - zurückwerfen würde es ihn nicht.