Wimbledon: Federer macht es Sampras nach - DER SPIEGEL
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Wimbledon Federer macht es Sampras nach

Der Schweizer Roger Federer hat seinen Titel beim Tennisturnier in Wimbledon erfolgreich verteidigt. Im Finale der 118. All England Championships bezwang der 22-Jährige den US-Amerikaner Andy Roddick in vier Sätzen und feierte damit seinen zweiten Grand-Slam-Titel in dieser Saison.
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London - Federer setzte sich im Finale vor 13.800 Zuschauern auf dem legendären Centre Court mit 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4 gegen Roddick durch. Mit seinem zwölften Ass beendete Federer nach 2:30 Stunden das Match und sank wie vor einem Jahr an der Grundlinie auf die Knie, anschließend weinte er hemmungslos vor Erleichterung. "Es ist immer noch ein unglaubliches Gefühl, wieder hier als Sieger zu stehen", sagte Federer bei der Übergabe der wertvollen "Challenge Trophy", "ich kann kaum fassen, dass ich es wieder geschafft habe."

Ihm ist als erstem Spieler seit Pete Sampras 2000 eine erfolgreiche Titelverteidigung gelungen, der Weltranglisten-Erste bestätigte auf eindrucksvolle Art und Weise seine Position als bester Spieler der Welt. "Roger war ein zu guter Spieler diesmal, er ist ein großer Champion", sagte der enttäuschte Roddick, "ich hoffe aber, dass ich auf diesem Platz noch einmal Revanche nehmen kann." Der Sieger räumte ein: "Ich hatte auch etwas Glück, schließlich lag ich zwischendurch zurück."

Überragender Rasenspieler

Der Mann aus dem Landkreis Basel bleibt damit in dieser auf Rasen ungeschlagen und ist dabei, in Wimbledon eine neue Ära zu begründen wie zuletzt Sampras mit sechs Erfolgen in den 90er Jahren. Im Endspiel feierte Federer seinen 24. Sieg auf Rasen in Folge und überbot damit die Bestmarke von Sampras. "Ich mache mir keine Gedanken über solche Statistiken, ich schaue nur von Spiel zu Spiel", sagte der Champion, "damit bin ich bisher sehr gut gefahren."

Zum ersten Mal seit 1982 standen sich in einem Wimbledon-Finale wieder die beiden topgesetzten Spieler gegenüber. Damals bezwang der 29 Jahre alte Jimmy Connors den sieben Jahre jüngeren John McEnroe in fünf Sätzen. "Nummer eins gegen Nummer zwei, das ist doch, worauf sich die Leute freuen. Das ist gut fürs Tennis", so Federer vor der Partie. Während sich die Amerikaner Connors und McEnroe seinerzeit in herzlicher Abneigung zugetan waren, kommen die Finalisten von 2004 gut miteinander klar. "Er ist nicht mein bester Freund, aber ich habe ein herzliches Verhältnis zu ihm", sagte Roddick.

Künstler gegen Klopper

Roddick hatte in seinem ersten Wimbledon-Finale den besseren Start, mit kraftvollem Angriffsspiel ließ der 21-Jährige seinen Gegner nur selten zur Entfaltung kommen. Von Federers Raffinesse war zu diesem Zeitpunkt nur wenig zu sehen. Roddicks Coach Brad Gilbert hatte seinen Schützling glänzend eingestellt. "Roger hat mehr Ballgefühl, spielt wie ein Künstler", erklärte Roddick seine Taktik, "ich kann dagegen wie ein Wahnsinniger auf den Ball hauen."

Drei Asse feuerte er gleich in seinem ersten Aufschlagspiel in das gegnerische Feld und schaffte anschließend sofort ein Break zum 2:1. Es war erst Federers zweiter Aufschlagverlust im gesamten Turnier. Der Schweizer wirkte verhalten, fand nicht in sein Spiel, auch die 25-minütige Regenpause beim Stand von 3:2 half ihm nicht, Roddick brachte den Satz sicher zu Ende. Doch als er zu Beginn des zweiten Satzes einen Breakball nicht nutzen konnte, änderte sich das Bild. Federer ging 4:0 in Führung.

Immer wieder Regenpausen

Dennoch musste der Titelverteidiger wieder zittern, als er zweimal in Folge seinen Aufschlag abgab. Federer unterliefen ungewöhnlich viele unerzwungene Fehler. Dennoch gewann er den zweiten Satz, als er mit seinem bis dahin besten Schlag des Matches, einem Vorhandpassierball die Linie entlang, das Break zum 7:5 schaffte. Im dritten Satz rettete Federer bei 2:4 eine erneute Regenpause. Nach 41 Minuten konnte es weiter gehen, Federer schaffte das Rebreak zum 4:4 und hatte im Tiebreak die besseren Nerven. Als Roddick schließlich bei 2:1 und 3:2 insgesamt sechs Breakchancen vergab, war die Partie praktisch entschieden. Federer nahm seinem Gegner anschließend das Aufschlagspiel zur 4:3-Führung ab und ließ sich nicht mehr von der Siegesstraße abbringen.