Wimbledon: Haas scheidet verletzt aus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Wimbledon Haas scheidet verletzt aus

Ein herumliegender Tennisball hat die Hoffnungen von Thomas Haas auf ein erfolgreiches Turnier in Wimbledon zunichte gemacht. Der Deutsche vertrat sich den Knöchel und musste daraufhin sein Erstrundenmatch aufgeben. Wie viele andere Deutsche schied auch ein Kroate aus, der bei seiner Niederlage aber einen neuen Rekord aufstellte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Haas brach sein Erstrunden-Match bei den 119. All England Championships gegen den Serben Janko Tipsarevic nach 39 Minuten beim Stand von 2:6, 1:2 ab. Der gebürtige Hamburger war bereits beim Einspielen nach einem Aufschlag mit seinem rechten Fuß auf einen Ball getreten und umgeknickt.

"Mehr Pech kann man gar nicht haben. Wimbledon meint es scheinbar nicht gut mit mir", sagte Haas anschließend völlig frustriert. "Er ist sofort zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht worden. Die Schwellung war so dick, dass man auf der Anlage gar nichts sehen konnte", berichtete Vater Peter Haas unmittelbar nach dem Missgeschick über den Zustand des Mannschafts-Weltmeisters.

Die Entwarnung kam Stunden später nach einer Kernspin-Tomographie. "Glücklicherweise muss nichts operiert werden. Es ist nichts gerissen", sagte der Patient, der nach der Untersuchung auf Krücken über die Anlage an der Church Road humpelte, "es ist eine starke Überdehnung. Ich hoffe, dass ich in vier Wochen zu Beginn der amerikanischen Hartplatzsaison wieder spielen kann", so Haas.

Mit dem Pech für Haas war das Elend der deutschen Profis am zweiten Turniertag allerdings noch nicht zu Ende. Auf dem gleichen Platz drei kassierte anschließend Rainer Schüttler mit 3:6, 3:6, 4:6 gegen den Weißrussen Max Mirnyi seine zehnte Erstrunden-Pleite in der laufenden Saison. Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) unterlag nach einer ganz schwachen Leistung der 190 Plätze in der Weltrangliste schlechter notierten Britin Jane O'Donoghue.

Bereits am Vormittag waren zudem erwartungsgemäß Marlene Weingärtner und Tomas Behrend gescheitert. Die Moerserin unterlag Wera Swonarewa aus Russland 6:2, 4:6, 0:6. Behrend verlor das Duell gegen den Argentinier Guillermo Coria glatt mit 1:6, 2:6, 2:6. Philipp Kohlschreiber (Bamberg) blieb bei seinem ersten Auftritt an der Church Road durch ein 3:6, 6:3, 3:6, 2:6 gegen den 19 Jahre alten Franzosen Richard Gasquet auf der Strecke.

So feierte von den deutschen Spielern allein Alexander Popp ein Erfolgserlebnis. Der lange Mannheimer setzte sich souverän mit 6:2, 6:3, 2:6, 6:4 gegen den Franzosen Jerome Haehnel durch und trifft nun auf den Australier Wayne Arthurs. Der 28-Jährige kann damit seine Erfolgsserie bei seinem Lieblingsturnier fortsetzen, wo er bei drei Teilnahmen zweimal im Viertelfinale und einmal im Achtelfinale stand.

Abermals Pech für Haas in Wimbledon

Mit exzellenter Rasenform und voller Selbstvertrauen nach seinem guten Abschneiden bei den Gerry-Weber-Open in Halle war Haas in London angereist, auch die Auslosung war günstig. Doch wieder erwischte ihn das Pech. "Ich kann nicht glauben, dass das passiert ist", sagte er, "ich habe schon beim Umknicken ein Geräusch im Knöchel gehört und bin schockiert, wie dick die Schwellung ist."

Bereits vor vier Jahren musste Haas in Wimbledon ein Erstrunden-Match aufgeben. Gegen Wayne Black aus Simbabwe konnte er wegen Übelkeit offenbar in Folge einer Lebensmittelvergiftung die Partie nicht fortsetzen. 2003 trat Haas wegen des Motorrad-Unfalls seiner Eltern gar nicht erst an. Noch nie ist er in Wimbledon über die dritte Runde hinausgekommen. "Das ist ein Wahnsinn", sagte Peter Haas zum neuerlichen Malheur seines Sohnes, "er war noch nie so so gut vorbereitet wie dieses Jahr."

Tommy Haas' Knöchel schwoll nach dem Unfall tatsächlich binnen Minuten fast auf Tennisball-Größe an. Er ließ sich noch vor Spielbeginn von einem Physiotherapeuten behandeln, bekam einen dicken Tapeverband und nahm Schmerztabletten. Er hockte dabei wie ein Häufchen Elend auf seinem Stuhl und schien zwischenzeitlich den Tränen nah. Dennoch versuchte er zunächst zu spielen: "Ich wollte einfach testen, ob es geht. Das ist schließlich Wimbledon, und ich wollte die Schwere der Verletzung erst gar nicht richtig wahr haben."

Doch es war vergeblich. Er verlor gleich sein erstes Aufschlagspiel zum 0:1 und lag schnell 0:4 zurück. Haas humpelte mehr über den Platz, als dass er lief. Nach dem erneuten Break zum 1:2 im zweiten Satz sah er die Aussichtlosigkeit des Unterfangens ein, schüttelte seinem 21 Jahre alten Gegner die Hand und verließ tief frustriert den Platz. "Es war sinnlos", so Haas. Er wird nun schnell in seine Wahlheimat Florida zurückkehren und mit der Reha beginnen.

Der Kroate Ivo Karlovic hat heute den Ass-Rekord für ein Match eingestellt. In seiner Erstrunden-Partie gegen den Italiener Danielle Bracciali schlug Karlovic 51 Asse, verlor aber trotzdem 7:6 (7:4), 6:7 (8:10), 6:3, 6:7 (5:7), 10:12. Ebenfalls auf 51 Asse war der Schwede Joachim Johansson bei den Australian Open zu Beginn dieses Jahres gekommen. Den bisherigen Rekord auf dem Rasen in Wimbledon hielten der Kroate Goran Ivanisevic und der Australier Mark Philippoussis mit jeweils 46 Assen in einem Match.