Wimbledon "Henmania" geht weiter
London - Tim Henman lässt die Briten weiter träumen. Der 27-Jährige aus Oxford zog mit einem 6:3, 5:7, 6:4, 6:3-Erfolg über den Brasilianer Andre Sa zum vierten Mal in seiner Laufbahn ins Halbfinale der All England Championships ein und heizte damit die "Henmania" auf der Insel weiter an. Seit 66 Jahren warten die Engländer vergeblich auf den legitimen Nachfolger von Fred Perry an der Church Road. Henman soll es nun richten und ist diesem Ziel unter dem Jubel der 13.000 Zuschauer auf dem Centre Court und rund 4000 auf "Henman Hill", den Terrassen an einer Großbildwand vor Court 1, einen weiteren Schritt näher gekommen.
Im Halbfinale wartet der Australier Lleyton Hewitt als vermutlich größter Stolperstein auf Henmans Weg zum historischen Triumph. Der topgesetzte US-Open-Champion und ATP-Weltmeister mühte sich in einem am Ende unglaublich spannenden Spiel zu einem 6:2, 6:2, 6:7 (5:7), 1:6, 7:5-Viertelfinalsieg gegen den Niederländer Sjeng Schalken. In der unteren Hälfte des Tableaus standen sich Richard Krajicek (Niederlande) und der Belgier Xavier Malisse sowie David Nalbandian (Argentinien) und Nicolas Lapentti (Ecuador) in den Viertelfinals gegenüber.
"Halbfinale interessiert mich nicht mehr, ich will das Turnier gewinnen", kündigte Henman nach seinem Erfolg gegen Sa an: "Ich habe noch keine Bestform erreicht, aber am Ende zählt nur der Sieg." Wohl kein Spieler auf der Welt steht unter größerem Erwartungsdruck der Fans als Henman in den 14 Turniertagen in London SW 19. "Dieses Jahr ist Tims Jahr", verkündeten die gnadenlosen britischen Boulevardblätter bereits im Vorfeld. "Jetzt oder nie" forderten sie, nachdem Andre Agassi und Pete Sampras früh ausgeschieden waren.
Henmans Halbfinalgegner Hewitt kann sich aber eigentlich nur selbst schlagen. Nachdem er Schalken sicher im Griff hatte, kam er völlig aus dem Konzept, als er bei 5:6 im dritten Satz vier Matchbälle vergab. Erst im fünften Durchgang steigerte er sich wieder und glich noch zwei Breaks aus. Dass er im Halbfinale nicht nur gegen Henman, sondern auch gegen 13.000 Fans spielen muss, lässt Hewitt völlig kalt: "Ich habe mich inzwischen an die spezielle Atmosphäre auf dem Centre Court gewöhnt. Das war bei meinem ersten Mal noch anders, da war ich sehr nervös." Das war 1999 und er verlor als 18-Jähriger gegen Boris Becker.
Am US-Nationalfeiertag strebten die Williams-Schwestern dem dritten "Sister Act" in einem Grand-Slam-Endspiel an. Titelverteidigerin Venus besiegte in der Vorschlussrunde in einer Neuauflage des Vorjahresfinals die Belgierin Justine Henin mit 6:3, 6:2. Im Endspiel ist ihre jüngere Schwester Serena oder Amelie Mauresmo aus Frankreich ihre Gegnerin. Bereits bei den US Open 2001 und den French Open im Juni standen sich die Schwestern im Kampf um den Titel gegenüber.