Wimbledon Popp fordert Agassi-Bezwinger heraus
London - "Es freut mich, dass ich zeigen konnte, dass das vor drei Jahren kein Zufall war", sagte Popp, "ich habe nichts zu verlieren, egal gegen wen ich jetzt spiele." Der Mannheimer schreibt in Wimbledon seine drei Jahre alte Erfolgsgeschichte fort und steht nach dem 5:7, 6:3, 6:4, 6:2 gegen Rochus wie im Jahr 2000 im Viertelfinale der 11. All England Tennis Championships.
Popp trifft in der Runde der letzten Acht am Mittwoch auf Mark Philippoussis aus Australien, der den Amerikaner Andre Agassi in einem Fünfsatz-Krimi mit 6:3, 2:6, 6:7 (4:7), 6:3, 6:4 ausschaltete. "Das ist mir ganz Recht", sagte Popp, "Agassi wäre natürlich ein ganz großer Name gewesen, aber gegen einen Spieler, der sich mehr auf seinen Aufschlag verlässt, habe ich vielleicht bessere Chancen."
Agassi war enttäuscht über die Niederlage, kündigte aber seine Rückkehr für das nächste Jahr an. "Ich bin Tennisspieler, ich habe keine Pläne aufzuhören", sagte der 33-Jährige, "als Profi muss man hier in Wimbledon spielen, ich weiß genau, wie großartig dieses Turnier ist."
Dies weiß nun auch Alexander Popp. Am Montag kamen der Wolkenbruch und die 78 Minuten dauernde Pause beim Stand von 5:7, 40:40 bei eigenem Aufschlag für den 26-Jährigen wie gerufen, denn der Mannheimer war denkbar schlecht in sein Viertrunden-Match gegen den 36 Zentimeter kleineren Rochus gestartet.
"Die Regenpause hat mir gut getan. Das waren zwei verschiedene Matches - der erste Satz, und was danach kam", sagte Popp. In der Partie, die wegen des schlechten Wetters schon mit 82 Minuten Verspätung begann, versuchte er, den wieselflinken Rochus unter Druck zu setzen. Mit gewachsenem Selbstvertrauen nach acht Monaten Verletzungspause wagte sich der 2,01 Meter große Hüne mehr als sonst ans Netz.
Doch das offensive Spiel war gepaart mit vielen leichten Fehlern. Erst nach ungewohnten Ausbrüchen fand Popp zu seinem Spiel. Und Rochus musste der körperlichen Überlegenheit seines Widerparts Tribut zollen. Nach 2:22 Stunden Spielzeit nutzte Popp den zweiten Matchball.
Zur gleichen Zeit rang Schüttler auf Court 18 gegen Schalken vergeblich um die Fortsetzung seiner Erfolgsstory. Der Australian-Open-Finalist aus Korbach scheiterte mit 5:7, 4:6, 5:7 gegen den Niederländer Sjeng Schalken. Der unspektakulär spielende Niederländer, laut Boris Becker "einer der besten Rasenspieler", setzte Schüttler ordentlich zu und gewann zum ersten Mal überhaupt in Wimbledon gegen einen deutschen Spieler.
Schüttler wirkte müde, konnte seine Breakchancen nicht nutzen und ließ sich auf zu lange Ballwechsel ein. Hinzu kamen muskuläre Probleme am rechten Oberschenkel, im dritten Satz ließ er sich sogar eine Bandage anlegen. "Ich habe im zweiten Satz einen falschen Schritt gemacht und konnte danach manche Bälle nicht mehr richtig erlaufen", sagte der 27-Jährige am Abend, "so auszuscheiden ist natürlich sehr frustrierend."