Wimbledon: Popp zieht ins Achtelfinale ein - DER SPIEGEL
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Wimbledon Popp zieht ins Achtelfinale ein

Debütant Alexander Popp hat in Wimbledon die große Überraschung geschafft. Der Deutsche Tennisprofi, der derzeit heftig vom englischen Verband umworben wird, besiegte beim wichtigsten Turnier der Welt den French-Open-Gewinner Gustavo Kuerten aus Brasilien glatt in drei Sätzen.
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London - Während auf dem vollbesetzten Centre Court Boris Becker, Michael Stich, Steffi Graf und 62 weitere ehemalige Wimbledon-Champs in einer emotionalen Zeremonie für ihre Leistungen in der Vergangenheit gefeiert wurden, schrieb Alexander Popp auf Platz zwei seine ganz eigene, sensationelle, aktuelle Wimbledon-Geschichte. Der 23 Jahre alte Hagener zog völlig überraschend durch einen 7:6 (8:6), 6:2, 6:1-Erfolg über den brasilianischen French-Open-Champion Gustavo Kuerten in das Achtelfinale des wichtigsten Grand-Slam-Turniers ein und freute sich anschließend über den `schönsten Tag in meinem Leben".

Neben Popp stieß auch der Amberger David Prinosil in die vierte Runde vor. Der 27-Jährige setzte seine Erfolgsserie auf Rasen mit dem 7:6 (7:2), 3:6, 7:6 (7:0), 6:4-Sieg gegen den Tschechen Martin Damm fort und ist seinem Traum nun näher gekommen: "Ich möchte auf dem Centre Court gegen Andre Agassi spielen." Der Amerikaner müsste dafür nur noch den Franzosen Jerome Golmard schlagen. Für Prinosil war es bereits der elfte Sieg auf Rasen in Folge.

Newcomer Popp, der in Wimbledon erst sein zweites Grand-Slam-Turnier nach dem Erstrunden-Aus in Paris bestreitet, trifft nun in der nächsten Runde auf Marc Rosset. Der Schweizer verhinderte ein rein deutsches Duell mit Tommy Haas durch seinen 6:4, 3:6, 6:3, 3:6, 9:7-Erfolg über den Münchner. Auf Platz 18 schlugen sich beide in einem zum Teil erstklassigen Match 3:18 Stunden lang die Bälle um die Ohren, ehe Rosset den ersten Matchball nutzte. Popp war das Ergebnis nicht einmal unrecht: "Gegen Rosset zu spielen gefällt mir besser. Gegen einen anderen Deutschen wäre es ein komisches Gefühl gewesen."

Aus dem deutschen Quintett, das mit seinem Einzug in die dritte Runde für einen historischen Erfolg in Wimbledon gesorgt hatte, ist auch Rainer Schüttler auf der Strecke geblieben. Der Bad Homburger unterlag Patrick Rafter aus Australien mit 2:6, 6:7 (2:7), 3:6. Christian Vinck war bereits am Freitag knapp in fünf Sätzen an dem Schweden Thomas Enqvist gescheitert.

Ausgerechnet Boris Becker, der wie Steffi Graf bei der "Parade der Champions" aus Anlass des "Wimbledon-Milleniums" auf dem Centre Court von 13.600 Zuschauern mit stehenden Ovationen empfangen wurde, inspirierte Alexander Popp zu seinem Sport: "Als ich Boris 1985 habe siegen sehen, wollte ich mit Tennis anfangen." Dass er nun den größten Erfolg seiner Laufbahn gerade dann feierte, als Becker für seine Leistungen von der Herzogin von Gloucester geehrt wurde, ist ein ganz besonderer Zufall.

Auf dem Centre Court hat Popp natürlich noch nicht gespielt, und es ist unwahrscheinlich, dass am Montag die Partie gegen Rosset dort angesetzt wird. "Dort zu spielen, ist ein Traum für mich", sagte der lange Schlaks. Um den zu erfüllen, müsste er also noch mindestens eine weitere Runde gewinnen.

In der Form vom Samstag ist das nicht unmöglich. Gustavo Kuerten ließ sich zwar beim Stand von 3:2 für Popp im zweiten Satz wegen einer Verletzung behandeln, räumte aber anschließend ein: "Er war besser als ich und hat verdient gewonnen. Ich fühlte mich nach einer Erkältung müde und hatte gehofft, durch die kleine Pause etwas Hilfe zu bekommen."

Doch der eigentlich unerfahrene Popp ließ sich dadurch nicht aus dem Rhytmus bringen: "Nach der Unterbrechung habe ich versucht, mich noch mehr zu konzentrieren", sagte Popp, "man hat schon oft erlebt, dass danach ein Match noch verloren geht. Und ich war auch ganz froh, dass einige Punkte etwas leichter herauszuspielen waren." Der Deutsche hielt sein hohes Niveau, blieb relaxed und ließ dem Brasilianer mit seinem Aufschlägen und platzierten Grundschlägen am Ende keine Chance mehr. "Ich habe mich nicht in der Lage gefühlt, dass Spiel noch zu gewinnen", sagte der Weltranglisten-Vierte und aktuelle Führende im Champions Race.