Wimbledon Qualifikant zeigt Kiefer die Grenzen auf
London - Mit der 6:3, 3:6, 4:6, 4:6-Niederlage gegen den belgischen Qualifikanten Gilles Elseneer hat sich Nicolas Kiefer vorzeitig von den 117. All England Championships in Wimbledon verabschiedet. Gegen den bislang nur Insidern bekannten Belgier konnte er lediglich im ersten Satz an die Form des Turniers in Halle anknüpfen, wo er immerhin im Finale stand.
Es war für Kiefer das fünfte Erstrunden-Aus in diesem Jahr und das zweite beim bedeutendsten Turnier der Welt nach 2000. Sein Abstieg in den Rankings wird sich damit von derzeit Rang 72 fortsetzen, da er vor einem Jahr immerhin bis in die dritte Runde gekommen war. Sein 25 Jahre alter Gegner wird auf Platz 160 notiert. "Die Form von Halle ist weit weg, das habe ich schon im Training gemerkt. Ich habe zu keinem Zeitpunkt ins Spiel gefunden und mich nicht wohl gefühlt auf dem Platz", gestand Kiefer anschließend kleinlaut.
Dabei begann Kiefer die Partie auf dem Nebenplatz 14 sehr kontrolliert und sicher. Ihm war das neu gewonnene Selbstvertrauen nach dem Erfolg in Halle anzumerken, er machte wenig Fehler und schlug sehr gut auf. Elseneer wirkte dagegen bei seinem ersten Match in einem Grand-Slam-Turnier nervös, sodass Kiefer nur wenig Mühe hatte, nach einem Break zum 4:2 den Durchgang zu gewinnen. Er ließ dabei nicht einen Breakball zu.
Beckers Befürchtungen bestätigt
Boris Becker ahnte als Fernsehkommentator trotz des gelungenen Auftaktes Kiefers bereits Böses: "Nicolas muss höllisch aufpassen, solche Matches sind immer gefährlich." Tatsächlich spielte sich der Belgier im Verlauf des Matches frei. In dem Maße, in dem er sicherer wurde, baute Kiefer ab. Zaghaft und mutlos schob er die Bälle ins Feld, wo durchaus die Chance zu Gewinnschlägen gewesen wäre. "Im zweiten Satz ist 'Kiwi' wieder in seinen alten Fehler verfallen, nur auf Chancen des Gegners zu warten", analysierte der dreimalige Wimbledon-Champion Becker am ARD-Mikrofon.
Kiefer trat mit einer schwarzen Bandage am linken Oberschenkel an, am Sonntag hatte er noch Probleme mit der Muskulatur. "Ich bin körperlich erst bei 80 Prozent", sagte er vor dem Match: "Aber ich bin heiß auf Wimbledon." Seinen Gegner hatte er vorher noch nie gesehen, nur im Training hatte er ihn ausspioniert. Dabei sollte ihm das gute Service des Belgiers eigentlich schon aufgefallen sein, ein Mittel fand er aber nicht dagegen. Mit dem Break zum 2:4 im zweiten Satz entschied Elseneer den Durchgang praktisch für sich.
Verwarnung vom Referee
Ab dem dritten Durchgang war Kiefers Aufschlag dann nicht mehr existent. Drei Breaks kassierte er im dritten und vierten Satz. Nach dem letzten Break zum 4:5 im vierten Durchgang feuerte er wütend seinen Schläger Richtung Stuhl und wurde vom Schiedsrichter verwarnt.
Alexander Popp hat dagegen die zweite Runde des Grand-Slam-Turniers erreicht. Er schlug Hicham Arazi aus Marokko in drei Sätzen mit 6:4, 7:6 und 6:3. Das Match von Lars Burgsmüller gegen den Spanier Albert Montanes musste beim Stand von 6:3, 7:6 (7:5), 4:6, 1:2 wegen Dunkelheit abgebrochen werden.